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Gott und das Böse
Teil 3: Macht das Leid Gottes Existenz unwahrscheinlich?

Dennoch - Klartext für junge Christen magazin

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Sind Gott und das Leid in dieser Welt vereinbar? Ist das Böse nicht der beste Beweis gegen einen guten und allmächtigen Gott? Immer wieder tauchen diese Fragen als Argumente gegen Gottes Existenz auf. In einer fünfteiligen Serie beantwortet William Lane Craig, Professor an der TALBOT School of Theology (La Mirada/Kalifornien), Fragen zum Problem des Bösen.


Dr. Craig, wir untersuchen ein bekanntes Problem, das Problem des Bösen: Wenn Gott existiert, warum gibt es Böses in der Welt? Warum erleben gute Menschen schlimme Dinge? Welche Antworten kann man auf dieses Problem geben?

Es ist wichtig zu verstehen, dass bisher kein Philosoph einen logischen Widerspruch zwischen Gott und dem Leid in der Welt aufzeigen konnte. Im Gegenteil, heute bestätigen Philosophen, dass es da keinen logischen Widerspruch gibt.

Die Frage ist vielmehr: Macht das Böse und das Leid in der Welt Gottes Existenz unwahrscheinlich? Eine mögliche Antwort lautet: Wahrscheinlichkeiten sind immer relativ zu ihren Hintergrundinformationen. Das bedeutet: Wahrscheinlichkeiten sind nicht absolut. Ein Beispiel: Dir wurde gesagt, dass Joe ein Student ist und dass 99 Prozent aller Studenten Bier trinken. Im Verhältnis zu diesen Hintergrundinformationen ist es sehr wahrscheinlich, dass auch Joe Bier trinkt.

Jetzt sagt man uns aber, dass Joe an der Wheaton Universität studiert, wo Studenten keinen Alkohol trinken dürfen, und dass 90 Prozent der Studenten sich an diese Regel halten. Plötzlich, im Verhältnis zu diesen neuen Hintergrundinformationen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Joe Bier trinkt. Wir sehen also, Wahrscheinlichkeiten stehen im Verhältnis zu den Hintergrundinformationen, die du in Betracht ziehst.

Wenn ein Atheist nun sagt, dass es unwahrscheinlich ist, dass Gott existiert, dann müssen wir uns sofort die Frage stellen: Unwahrscheinlich im Verhältnis wozu? Im Verhältnis zum Bösen und Leid in der Welt? Also, wenn das alles ist, was du für deine Hintergrundinformationen in Betracht ziehst, dann ist es nicht überraschend, dass Gottes Existenz unwahrscheinlich scheint!

Die Frage ist aber vielmehr: Ist Gottes Existenz unwahrscheinlich im Verhältnis zur vollen Beweislage? Das beinhaltet Argumente zum Ursprung unseres Universums; ein fein abgestimmter Kosmos, was für einen Designer spricht; objektive moralische Werte; die historischen Belege für die Person und Auferstehung von Jesus Christus und so weiter.

Und ich bin überzeugt, wenn wir die gesamte Beweislage betrachten, dann ist Gottes Existenz sehr wahrscheinlich, selbst wenn wir annehmen würden, dass das Leid und Böse in dieser Welt Gottes Existenz unwahrscheinlicher machen. Mit anderen Worten: die Evidenzen für Gottes Existenz übertrumpfen das Leid und Böse in der Welt.

Der christliche Glaube beinhaltet ja auch Gedanken über das Böse in Welt...

Das ist richtig. Einige christliche Lehren erhöhen sogar die Wahrscheinlichkeit einer Koexistenz von Gott und dem Bösen in der Welt. Wenn diese christlichen Lehren wahr sind, dann ist es überhaupt nicht überraschend, dass es Leid in der Welt gibt.

Wie sieht der christliche Glaube das Leid in der Welt?

Das Hauptziel des Lebens ist nicht Glück als solches, sondern das Erkennen von Gott, was am Ende wahre und ewige menschliche Erfüllung bringen wird. Das Böse stellt für viele ein Problem dar, weil wir einfach annehmen: Wenn Gott existiert, dann sind seine Ziele für das menschliche Leben Glück auf Erden. Gott soll ein schönes Umfeld kreieren für seine menschlichen Haustiere! Deshalb irritiert uns dann Leid und Böses in dieser Welt.

Aus christlicher Sicht ist das aber falsch. Wir sind nicht Gottes «Haustiere» und das Ziel von menschlichem Leben ist nicht Glückseligkeit auf Erden.

Die Welt ist also kein großer, bequemer Hamsterkäfig...

Nein, überhaupt nicht! Das Ziel des Lebens ist, dass wir Gott und sein Heil erkennen, damit wir ewiges Leben finden. Das führt zu Erfüllung und Glückseligkeit. Wir erleben viel Böses und viel Leid in unserem Leben, was in Bezug auf menschliches Glück unglaublich sinnlos und unnötig scheint. Aber im Blick auf Erkenntnis von Gott ist Leid vielleicht nicht sinnlos.

C.S. Lewis sagt: «Gott flüstert zu uns in unseren Vergnügen. Aber er ruft zu uns in unserem Schmerz!»

Richtig. Der christliche Glaube wächst am schnellsten in Ländern wie Äthiopien, Sudan, China, Philippinen oder El Salvador. Und dort passiert viel Leid! Die Verbindung zwischen Wachstumsrate des christlichen Glaubens und schrecklichem Leid ist erstaunlich.

Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, dass nur in einer Welt, die Leid und Böses enthält, die maximale Anzahl anMenschen frei zur Erkenntnis von Gott und seinem Heil kommen.

Die christliche Lehre, dass wir in einer «gefallenen» Welt leben scheint stark mit dem überein zu stimmen, was wir täglich in den Nachrichten hören...

Genau! Nach christlichem Weltbild rebellieren Menschen gegen Gott und gehen ihren eigenen Weg. Deshalb sind sie geistlich getrennt von Gott und tappen in geistlicher Finsternis umher. Getrennt von Gott sind wir moralisch und geistlich bankrott. Schreckliche moralische Verbrechen wie Kriminalität, Diskriminierung, Folter oder Krieg sind einfach Zeugen für die menschliche Gefallenheit.

In der Bibel lesen wir, dass Gott nicht eingreift. Er lässt die Menschen ihren Weg gehen. Das unterstreicht nur: Wir brauchen Gottes Vergebung und moralische Reinigung in unserem Leben.

Heißt das, Gott erlaubt Böses, aber er fördert das Böse nicht, um ein Ziel zu erreichen?

Das ist sicher wahr in Bezug auf moralisch Böses. Gott will niemals, dass Leute das Falsche tun. Egal in welcher moralischen Situation wir uns befinden, wir sollen das Gute und Richtige wählen. Aber, wenn wir uns natürliches Unheil anschauen, da denke ich, dass Gott das Recht hat, Leid in unser Leben zu bringen. In der Bibel heißt es,

dass er Menschen richtet, die gesündigt haben. Das ist sein Recht. Er bestimmt auch, wann unser Leben zu Ende ist. Wenn er wählt, dass du an Krebs stirbst, dann ist das sein Recht.

Moralisch Böses wird niemals von Gott gefördert. Bei natürlichem Bösen wissen wir es einfach nicht, ob es von Gott erlaubt ist oder ob Gott wirklich möchte, dass Leid und Böses in unser Leben kommt.

Ein Christ kann sich damit Trösten, dass Gott seine Gnade in Mitten der Stürme des Lebens ausdehnt.

Das ist sicher wahr und ich denke, dass Gott ausreichend Gnade und Stärke gibt, damit wir die Prüfungen durchstehen, die er uns aufgetragen hat.


Dr. William Lane Craig ist Forschungs-Professor an der Talbot School of Theology (La Mirada, Kalifornien). Weitere Informationen zu William Lane Craig und seinem Podcast findet ihr unter www.reasonablefaith.org


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