Gott und das Böse
Teil 5: Wie sieht der christliche Glauben das Böse in der Welt?
Dennoch - Klartext für junge Christen magazin
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Sind Gott und das Leid in dieser Welt vereinbar? Ist das Böse nicht der beste Beweis gegen einen guten und allmächtigen Gott? Immer wieder tauchen diese Fragen als Argumente gegen Gottes Existenz auf. In einer fünfteiligen Serie beantwortet William Lane Craig, Professor an der TALBOT School of Theology (La Mirada/Kalifornien), Fragen zum Problem des Bösen.
Kevin Harris: Dr. Craig, der christliche Glaube sagt einiges zum Problem des Bösen...
William Lane Craig: Christliche Lehraussagen bestätigen das Böse in der Welt und deshalb ist für Christen Leid in der Welt wenig überraschend.
Welche christliche Lehren sind hier im Blick?
Vier wichtige Lehraussagen stehen im Vordergrund. Erstens, der Sinn unseres Lebens ist nicht Glückseligkeit an sich, sondern Wissen über Gott.
Das ist wie eine kalte Dusche! Normalerweise gehen wir davon aus, dass Glückseligkeit das Ziel des Lebens ist…
Genau! Wir Menschen denken: Wenn Gott existiert dann ist sein Ziel für uns Menschen, uns glücklich zu machen, seinen menschlichen „Haustieren” ein komfortables Umfeld zu schaffen. Aus christlicher Sicht ist das natürlich nicht korrekt. Wir sind nicht Gottes Haustiere und das Ziel unseres Lebens ist nicht Glückseligkeit. Wir sollen stattdessen eine persönliche Beziehung zu Gott finden, welche uns letztendlich menschliche Erfüllung und ewige Glückseligkeit geben wird.
Ist es in Ordnung, im Moment glücklich zu sein?
Natürlich, aber es ist nicht garantiert! Gott ist nicht verpflichtet, uns ein fröhliches Leben in dieser Welt zu geben.
Glückseligkeit scheint von äußeren Umständen abzuhängen. Wenn alles nach Plan läuft, dann ist man glücklich…
Oft treten Störfälle in unser Leben, schreckliches Leid, oder Tragödien, die nichts zu menschlichem Glück beitragen. Wenn wir die Wahrscheinlichkeit von Gottes Existenz daran festmachen, ob Ereignisse in unserem Leben uns glücklich machen oder nicht, dann müsste man daraus schließen, dass es keinen Gott gibt. Es geschehen nämlich viele Dinge im Leben, die nichts zu meinem menschlichen Glück beitragen.
Aber, aus christlicher Perspektive ist das Ziel der Menschen nicht Glückseligkeit in diesem Leben. Es ist persönliches Wissen über Gott! Viele Ereignisse, die in unserem Leben geschehen mögen unglaublich nutzlos in Bezug auf menschliches Glück sein. Aber sie bringen vielleicht tieferes Wissen in uns über Gott hervor.
Leid in unser Leben lädt uns ein, Gott zu vertrauen. Ob Gottes Ziele für unser Leben dadurch erreicht werden, hängt von unserer Antwort ab. Gott interessiert weniger was wir durchmachen, sondern mehr unserer Einstellung, während wir das durchmachen. Antworten wir mit Bitterkeit und Zorn? Erheben wir unsere Fäuste gegen Gott oder antworten wir mit Zuversicht und Vertrauen in Gott?
Viele Leute werden jetzt sagen: Das ist doch alles leeres Gerede!
Wir dürfen nicht vergessen, dass Atheisten in der Bringschuld sind. Sie behaupten schließlich, dass Gott keine adäquaten Gründe haben kann, Leid in unserem Leben zu erlauben! Aus christlicher Sicht sage ich, dass Leid schon immer zum christlichen Glauben dazu gehörte. Das ist keine Antwort auf das Problem von Leid an sich. Es ist einfach die christliche Sicht von Gott und den Menschen, und dass Gottes Ziel für die Menschen ist, dass sie freiwillig in eine persönliche Beziehung mit ihm treten.
Wenn du mich jetzt fragen würdest: Welche guten Gründe kannst du mir nennen, warum du denkst, dass das wahr ist? Dann würde ich auf alle Argumente für Gottes Existenz verweisen, die Person Jesus Christus und seine Auferstehung. Es ist also nicht einfach leeres Gerede. Wir haben gute Gründe das zu glauben. Atheisten müssten zeigen, dass Gott keine guten Gründe hat oder haben kann, Leid in der Welt zu zulassen.
Die zweite biblische Lehre lautet, dass die Menschheit gegen Gott und seine Ziele rebelliert. Anstelle von Gehorsam gegenüber Gottes moralischen Gesetzen verfolgen sie ihre eigenen Ziele. Und so finden sie sich getrennt von Gott wieder. Die schrecklichen menschlichen Verbrechen, die wir beobachten können, sind ein Zeugnis für den Fall des Menschen in diesen Status der geistlichen Trennung von Gott.
Der dritte Punkt scheint dann zu sein, dass wir das alles aus Sicht der Ewigkeit betrachten sollten…
Genau, Gott beschränkt seine Ziele nicht auf dieses Leben, sondern sie gelten auch für die Ewigkeit. Aus christlicher Sicht ist dieses Leben nicht alles, was wir haben. Es ist ein kleines Foyer, das die Tür zu Gottes großem Festsaal der Ewigkeit öffnet. Leid, welches in unser Leben eintritt, scheint wertlos innerhalb unserer limitierten Perspektive. Aber aus Gottes Perspektive mag es sein, dass es gerechtfertigt ist.
Und die vierte Lehre?
Nummer vier lautet: Wissen über Gott ist ein unvergleichbares Gut. Nichts auf der Welt ist damit vergleichbar. Gott ist die unendliche Quelle von allem Guten, unendlicher Liebe und Werten.
Eine Person, die Gott kennt, egal was sie durchmacht, egal wie schlimm ihr Schmerz ist, kann dennoch sagen: Gott ist gut zu mir! Ganz einfach weil sie weiß, dass Wissen über Gott unvergleichbar wertvoll ist.
Das wäre wie mit einer Person, die 30 Jahre an einer Krankheit leidet. Aber das kann man nicht mit der ewigen Freude vergleichen, Gott zu kennen. Es ist hart, während wir das durchmachen, aber die ewige Perspektive, worüber du redest, verändert das Leben.
Es verändert alles und es gibt uns die Courage und Stärke, das Leid zu überstehen. Ich hatte einen Kollegen, Tom Schmidt. Zusammen unterrichteten wir am Westmont College. Er hatte die Angewohnheit, Krankenhäuser in Santa Barbara zu besuchen. Er sah das als seinen Dienst für Menschen, die dort lange auf Station waren. Er erzählte mir die Geschichte von einer Frau, Mabel, die er dort getroffen hatte. Sie war blind, fast taub und ihr Gesicht war vom Krebs entstellt, so dass ihr ein Auge im Gesicht hing. Ihr Mund war so verdreht, dass ihr ständig der Speichel lief. Diese arme Frau war schrecklich entstellt, seit 25 Jahren ans Bett gebunden und nicht in der Lage, sich selbst fortzubewegen. Als Tom sie kennen lernte stellte er fest, dass sie trotz ihrer Krankheit einen sehr klaren Verstand hatte. Sie war Christ und hatte eine positive und fröhliche Einstellung zum Leben.
Eines Tages als sich Tom auf die Abschlussexamen vorbereitete, gab es viele Dinge über die er nachdenken musste. Und ihm kam der Gedanke: „Worüber denkt Mabel eigentlich nach? Sie liegt in ihrem Bett, blind und kann mit niemandem reden? Worüber denkt sie nach?“ Er ging dann los und fragte sie: „Mabel, worüber denkst du nach, während du im Bett liegst?“
Und sie sagte: „Ich denke über meinen Jesus nach.“ Tom dachte: „Was meint sie damit? Ich finde es schwierig über Jesus für nur eine Minute nachzudenken...“ Er fragte sie deshalb: „Mabel, was denkst du über Jesus?“ Und sie sagte: „Ich denke darüber nach, wie gut er zu mir ist. Ich bin eine von diesen altertümlichen Menschen. Mein Leben war hauptsächlich gut und ich bin im Grunde zufrieden mit meinem Leben.“ Und dann sang sie ein altes Gemeindelied, welches davon handelt: Wenn ich traurig bin, dann gehe ich zu Jesus und er macht mich fröhlich. Er ist mein Freund.
Tom war überwältigt. Da gab es eine Person, die seit 25 Jahren im Bett liegt, nicht in der Lage ist sich fortzubewegen, Gemeindelieder sing und darüber nachdenkt wie gut Jesus er zu ihr ist. Sie hatte erfahren, dass Jesus zu kennen ein unvergleichbares Gut ist. Mabel hatte unglaublich viel Kraft, obwohl sie so krank war. Kraft, die Jesus denen gibt, die ihm vertrauen, während sie durch Leid gehen.
Weitere Informationen zu William Lane Craig und seinem Podcast findet ihr unter www.reasonablefaith.org