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bird bird

#40 Stuart Hackett

January 10, 2017
Q

Hallo Herr Prof. Craig,

Bitte schildern Sie Ihre besten Erinnerungen an Prof. Stuart Hackett und seinen Einfluss auf Ihr Denken.

Danke

David

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Dr. Craig

Dr. craig’s response


A [

Diese Frage hat mich überrascht! (Sie kommt nicht von Prof. Hacketts Sohn David!) Zu oft warten wir, bis jemand tot ist, bis wir seiner gedenken. Doch ich freue mich, das zu tun, während Stu noch unter uns ist.

Meine erste Bekanntschaft mit Stuart Hackett machte ich während meines allerersten Semesters am Wheaton College. Wheaton erforderte von jedem Studenten, den Kurs „Einführung in die Philosophie“ zu belegen, und da er in meinen Stundenplan passte, schrieb ich mich ein. Ich muss zugeben, dass mir das Fach nicht sonderlich gut gefallen hat. Es war im Prinzip ein Kurs, in dem man die Geschichte der westlichen Philosophie betrachtete. In der Retrospektive denke ich, dass dies der falsche Einführungskurs für Studenten ist. Ohne philosophischen Hintergrund verwirrte mich die lange Reihe von Denkern – Platon, Aristoteles, Descartes, Hume, Leibniz usw. –, die alle diese komischen widersprüchlichen und gleichermaßen unbegründeten Meinungen über alles Mögliche von sich gaben. Tragischerweise dachte ich danach, obwohl ich den Kurs mit einer 1 ablegte, dass Philosophie irrelevant ist. Ich denke, es wäre viel besser gewesen, solch einen Kurs thematisch zu unterrichten und sich dabei auf einige der „großen Fragen“ zu konzentrieren, wie die Willensfreiheit, das Wesen des Wissens, die Existenz Gottes usw., um so die Relevanz solcher Fragen für die christliche Theologie aufzuzeigen.

Prof. Hackett war ein Original! Er kam immer mit seinem Aktenkoffer und seinem grünen Plastikbecher mit STP-Sticker in den Unterricht. Er sagte uns, dass er nur seiner Frau zuliebe eine Krawatte trug, doch ich nehme an, als Zeichen der Unabhängigkeit trug er die albernsten Krawatten, die man sich vorstellen kann, einschließlich selbstgemachter Ungetümer von seiner Tochter. Er forderte jeden, der nicht in einem Leichtathletik-Team war, zu einem Liegestütz-Wettbewerb heraus (man munkelte, dass er nur einmal in seiner Karriere verloren hatte). Seine Sätze in den Vorlesungen waren so lang und weitschweifig, dass ich mich im Irrgarten seiner Nebensätze verirrt hatte, als er zum Ende kam. Er hatte die Angewohnheit, unsere einfachen Fragen umzuformulieren, indem er ungefähr so anfing: „Meinst du damit . . . ?” Und dann setzte er zu einer langen, verzweigten Formulierung an, nach der der arme, unbedarfte Student sich gar nicht mehr sicher war, was er eigentlich gefragt hatte! Zuerst dachte ich, dass er angeben wollte, aber nach und nach wurde mir bewusst, dass es für ihn ganz natürlich war, in langen, deutsch-ähnlichen Sätzen zu sprechen. Ich habe mich sehr bemüht, ihn zu verstehen, aber leider nur mit geringem Erfolg.

Ich glaube, Stus bester Moment des Semesters war der, als Jack Wyrtzen von der Gemeinschaft „Wort des Lebens“ eines Morgens die Andacht hielt. Sein Text war Apostelgeschichte 17, wo Paulus zu den athenischen Philosophen auf dem Areopag spricht. Wyrtzen sagt, dass die Philosophen Paulus wortwörtlich einen „Samensammler“ nannten. Doch, so Wyrtzen, seien die Philosophen die eigentlichen Samensammler. Dann machte er sich über Philosophen und das, was sie taten, lustig. Diese Watsche war besonders merkwürdig und peinlich, weil sie in der Woche kam, in der Wheatons angesehene, jährlich stattfindende Herbst-Philosophiekonferenz stattfand. Gleich nach der Andacht hatten wir Unterricht bei Hackett. Alle Studenten waren natürlich extrem gespannt auf seine Reaktion. Als er in das Klassenzimmer kam, sagte er mit lauter Stimme: „Seid ihr Samensammler bereit?“ Als das Gelächter abklang, sagte er: „Folgendes habe ich über die heutige Andacht zu sagen. Wenn ich so viele Menschen in das Reich Gottes gebracht habe wie Jack Wyrtzen, dann fange ich an zu kritisieren. “ Und ohne noch mehr Worte darüber zu verlieren, begann er seine Vorlesung. Ich dachte mir bloß: „Wow.“

Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass Stu und ich viele Jahre später einmal Kollegen in derselben Fakultät würden. Doch gegen Ende meines Doktorats in München bekam ich einen Anruf von der Trinity Evangelical Divinity School, in dem mir eine Stelle als Assistenzprofessor der Philosophie angeboten wurde. Während unserer Zeit in Europa hatte Stu seinen Posten am Wheaton College verlassen, wo er den Großteil seiner Karriere verbracht hatte, um mit Norman Geisler in der religionsphilosophischen Fakultät der Trinity School zu unterrichten. Norman zog es weiter nach Dallas, sodass eine Stelle für mich frei wurde. Jan und ich besprachen das und entschieden uns, die Stelle anzunehmen. Im Januar 1980 schloss ich mich Stu an der Trinity School an.

Stu war eindeutig kein typischer Seminary-Professor, und die Studenten liebten seine Exzentrik. Seine liebe Frau Joan hatte da schon aufgegeben, ihn dazu zu bringen, Krawatten zu tragen, und so trug er meist ein großes Kreuz zur Schau. Er hatte sich mittlerweile einen Bart wachsen lassen, trimmte sein Haar (zum Ausgleich, wie er sagte) dafür bis auf wenige Millimeter herunter. Er trug beißende Farben wie Lila und Kastanienbraun mit einem Ledergürtel, den ihm sein Sohn geschenkt hatte und auf dessen Schnalle eine Marihuana-Pfeife prangte (er trug ihn verkehrt herum, damit die Leute die Pfeife nicht erkannten und Anstoß daran nahmen). Er diente als Vorsitzender der Fakultät, und weil er Verwaltungsarbeit hasste, war er darin extrem effizient. Da Stu und ich die einzigen Vollzeitler in der Fakultät waren, hatten wir nie Fakultätstreffen – er rief mich einfach an, und wir regelten das Geschäft in wenigen Minuten.

Ich bemerkte, dass Stu und Joan sich sehr liebten und eine wunderbare Ehe hatten. Gegensätze sollen sich ja anziehen ... Sie war immer so korrekt und konservativ in ihrem Erscheinungsbild und ihrem Verhalten. Man fragte sich zwangsläufig, wie sie überhaupt zusammen gekommen waren. Doch zusammen lebten sie den Studenten vor, wie eine christliche Ehe aussieht. Die Studenten liebten sie und waren oft bei ihnen zu Hause, anlässlich anberaumter Treffen oder auch einfach so in der Freizeit. Während der sieben Jahre, die ich in der Trinity School unterrichtete, freundeten Jan und ich uns gut mit Joan und Stu an. Am wichtigsten wurde unsere Freundschaft in der schwierigen Zeit im Jahr 1986, als die Leitung der Trinity School entschied, Religionsphilosophie aus dem Studienprogramm zu nehmen und unsere Fakultät zu schließen. Stu wurde auf beschämende Weise in das Undergraduate-College abgeschoben, und ich stand plötzlich ohne Job und mit zwei kleinen Kindern da. Joan war für Jan damals wie eine Mutter – sie stand ihr immer mit Trost und Ratschlägen zur Seite. Sie ermutigten uns und beteten für uns, während wir uns nach einer anderen Stelle umsahen. Andererseits war es für uns sogar einfacher als für sie, denn mein Jobverlust an der Trinity School katapultierte uns in einen ganz neuen Karriereabschnitt, da wir nach Europa zurückgingen und sieben Jahre an der Universität Löwen verbrachten, während Stu und Joan dort bleiben mussten und es weiterhin mit einer Seminary-Leitung zu tun hatten, die einen Mann, der wahrscheinlich ihr genialster Professor war, nicht mehr wertschätzte. Doch trugen Stu und Joan diese Anfechtung mit Anstand und Nächstenliebe.

Sie sind nun zurück ins Wheaton-Gebiet gezogen, wo sie nahe ihren Kindern leben können. Stu hat mit den Anfängen von Alzheimer zu kämpfen. Sein letztes Buch über Ethik ist noch nicht verlegt. Ich suche gerade einen Verlag. Beten Sie dafür.

Kurz vor meinem Abschluss am Wheaton College im Jahr 1971 nahm ich ein Exemplar von Stus Buch The Resurrection of Theism mit, das auf dem Tisch mit den ausrangierten Büchern im College-Buchladen lag. Als ich später im Herbst dazu kam, das Buch zu lesen, war ich absolut überwältigt von dem, was ich da las. Ganz im Gegensatz dazu, was ich am College gelernt hatte, verteidigte Hackett mit vernichtender Logik die Argumente für die Existenz Gottes und führte dabei noch Widerlegungen aller erdenklichen Einwände dagegen an. Das Herzstück seiner Argumentation war eine größtenteils unbeachtete Version des kosmologischen Arguments: Es sei rational undenkbar, dass die Reihe von Ereignissen in der Vergangenheit unendlich ist; es müsse einen Anfang des Universums und damit eine transzendente Ursache gegeben haben, die es entstehen ließ. Hacketts Buch zu lesen, war eine erschütternde, erhellende Erfahrung für mich. Ich musste herausfinden, ob er Recht hatte.

1973 schrieb ich mich für das Master-Studium der Religionsphilosophie ein, deren Fakultät Norman Geisler vorstand. Eine der Startbedingungen für das Studium war das Bestehen der Einstiegsprüfung in Philosophie. Im Zuge meiner Vorbereitung für die Prüfung las ich Frederick Coplestons neunbändiges Werk History of Philosophy und machte mir ausführliche Notizen dazu. Dort entdeckte ich die lange Geschichte jüdischen, muslimischen und christlichen Denkens über das Argument, das Hackett vertreten hatte. Ich entschied, dass ich, wenn ich jemals promovieren würde, meine Doktorarbeit über dieses Argument schreiben würde.

Durch verschiedene außergewöhnliche Fügungen promovierte ich unter John Hick an der Universität Birmingham, England, tatsächlich über das kosmologische Argument. Aus dieser Doktorarbeit folgten letztendlich dann noch drei Bücher. Ich konnte die geschichtlichen Wurzeln von Hacketts Argument erforschen und seine Analyse weiterführen. Ich entdeckte außerdem ganz außergewöhnliche Verbindungen zur modernen Astronomie und Kosmologie.

Wegen seiner historischen Wurzeln in der mittelalterlichen islamischen Theologie taufte ich das Argument „das kalām-kosmologische Argument“ („kalām“ ist das arabische Wort für mittelalterliche Theologie). Heute ist dieses Argument, das nach Immanuel Kant größtenteils in Vergessenheit geraten war, wieder im Rampenlicht. Der Cambridge Companion to Atheism (2007) berichtet: „Eine Zählung der Artikel in Philosophie-Fachzeitschriften hat ergeben, dass über kein zeitgenössisches Argument irgendeines Philosophen für die Existenz Gottes mehr Artikel veröffentlicht wurden als über Craigs Verteidigung des Kalam-Argumentes. . . . Theisten wie Atheisten können beide ihre Finger nicht davon lassen‘“ (S. 183).

Letztendlich ist es Stu Hacketts Verdienst, dass dieses Argument neu belebt wurde. Ich bin überzeugt, dass die Revolution in der christlichen Philosophie, die mit der Veröffentlichung von Alvin Plantingas Buch God and Other Minds 1967 begann, auch schon zehn Jahre vorher hätte beginnen können, wenn The Resurrection of Theism von Cornell University Press anstelle von Moody Press veröffentlich worden wäre. Ich danke Gott für den Einfluss von Stuart Hackett auf mein Leben.

(Übers.: J. Booker)

Link to the original article in English: /stuart-hackett

- William Lane Craig