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#330 Ungefähr zwei Dutzend meiner Lieblingsdebatten

January 20, 2017
Q

Sehr geehrter Prof. Craig,

ich bin einer von mehreren Atheisten, die Sie für einen großartigen Debattengegner halten. Ich habe Ihre Webseite und die Q&As durchgeschaut und nur zwei Posts über Debatten gefunden.

Mich würden Ihre 5 bis 10 Lieblingsdebatten interessieren, die Sie geführt haben. In einer der vorigen Q&As erwähnten Sie Jesseph als einen schwierigen Gegner. Diese Debatte fand allerdings 1996 statt! Ich hoffe, Sie wurden zumindest von Leuten wie Dacey, Ahmed, Stenger und/oder Parsons herausgefordert!

Ich würde wirklich gerne etwas über Ihre Lieblingsdebatten erfahren!

Danke,

Joe

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Dr. Craig

Dr. craig’s response


A [

Während ich dies schreibe, Joe, fliege ich gerade nach Australien und bin so dankbar für eine persönliche Frage, die nicht viel Nachdenken, sondern nur ein wenig Erinnerungsvermögen erfordert. Wenn ich Ihre Frage beantworte, so möchte ich, dass Sie verstehen, dass meine (für eine Kürzung auf zehn zu zahlreichen!) unten aufgelisteten Lieblingsdebatten nicht notwendigerweise Debatten gegen meine besten Gegner waren. Leute wie Austin Dacey, Edwin Curley, Paul Draper, Quentin Smith und andere gehörten zu den glaubwürdigsten Gegnern, mit denen ich debattiert habe. Aber das sind nicht die Debatten, die mir persönlich in der Erinnerung haften bleiben. Für mich ist gewöhnlich das, was schöne Erinnerungen hervorruft, etwas, was die Debatte besonders gemacht hat, wie ein fantastischer Veranstaltungsort oder eine spannungsgeladene Atmosphäre oder dass viel von der Debatte abhing. Hier die Debatten in alphabetischer Reihenfolge:

1. Arif Ahmed und Andrew Copson in der Cambridge Union. An der Universität Cambridge, im ältesten Debattierklub der Welt, zu debattieren, war einfach zauberhaft. Die Tradition, die Galerien gefüllt mit Studenten, die außergewöhnliche Sitzordnung sorgten für ein unvergessliches Erlebnis.

2. Shabir Ally – mehrere Male in Kanada. Diese Debatten gaben mir die Chance, zu überwiegend moslemischen Zuhörerschaften zu sprechen, die niemals zu einer christlichen Veranstaltung gekommen wären. Vielleicht war meine Lieblingsdebatte die an der Universität von York, wo es, wie ich mich erinnere, um das Thema ging „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“, denn sie erlaubte eine so klare Darstellung und Verteidigung des Evangeliums. Shabir ist einer der schwierigsten, raffiniertesten Gegner, mit denen ich jemals zu tun hatte. Er bringt einen völlig durcheinander, wenn man nicht aufpasst. Ich habe sogar begonnen, nach einer unserer Debatten ein wenig über ihn zu dichten (zu singen nach der Melodie von Disneys „Prinz Ali“):

„Shabir Ally, listig ist er,

raffiniert und infam

verdreht die Dinge,

und zitiert Raymond Brown

zur Unterstützung des Islams!“

Weiter kam ich leider nicht!

3. Peter Atkins im Carter Center in Atlanta. Diese erstaunliche Veranstaltung kam durch die Bemühungen von Dr. Jim Tumlin zustande, einem Nierenarzt an der Emory University und einem Mann mit Vision. Er schaffte es nicht nur, das Carter Center als Veranstaltungsort zu bekommen, sondern auch, dass Atkins aus Oxford herüberkam und William F. Buckley die Debatte moderierte. Wenn man sich das Video anschaut, erkennt man unter den Zuschauern Leute wie Henry Schaefer, Michael Behe, Ravi Zacharias und Eddie Tabash. Ja, in dem Moment, als sie die Frage- und Antwortzeit der Zuhörer beendeten, sieht man, dass Ravi Zacharias am Mikrofon stehend zurückbleibt – was für eine vergeudete Gelegenheit!

4. Hector Avalos an der Iowa State University. 15cm hoher Schnee hielt die 3000 Studenten nicht davon ab, zu dieser Debatte zu kommen! Diese Debatte forderte von mir, einen ungewöhnlichen und riskanten Präventiv-Angriff auf Avalos‘ Methoden in meiner Eröffnungsrede zu starten. Die Debatte war denkwürdig aufgrund der großen Softball-Frage, die Avalos mir stellte, indem er mich aufforderte, den aramäischen Text hinter einem bestimmten Satz im Markusevangelium zu zitieren, wobei er hoffte, mich in Verlegenheit zu bringen. Er rechnete nicht damit, dass ich nicht nur bereit war, den Satz auf Aramäisch, sondern auch auf Hebräisch und Griechisch zu zitieren.

5. Francisco Ayala an der Universität von Indiana am 150. Jahrestag von Darwins Ursprung der Arten. Ich hatte einige Monate zuvor Ayalas Vorlesung gehört, als wir beide an der Universität in Peking waren, und es beunruhigte mich zutiefst, wie er chinesische Studenten irreführte, indem er Strohmannargumente für Intelligent Design angriff. Ich dachte, ich möchte eines Tages mit ihm über die Plausibilität von Intelligent Design debattieren. Kurz darauf erhielt ich die Chance. Mein Ziel in dieser Debatte war es, nicht für Intelligent Design in der Biologie zu argumentieren, sondern lediglich dessen Plausibilität gegenüber Ayalas karikierten Darstellungen zu verteidigen. Es machte mir besondere Freude, den Zuhörern aus Michael Behes Buch „Darwins Black Box“ darüber vorzulesen, dass das menschliche Auge KEIN Beispiel für eine nicht reduzierbare Komplexität sei – im Widerspruch zu Ayalas falscher Darstellung von Behes Werk.

6. Richard Carrier an der Northern Missouri State University. Mit einem Abschluss in alter Geschichte war Carrier für viele in der ungläubigen Subkultur zum „Hoffnungsträger” geworden. So hing viel von dieser Debatte ab. Carrier wollte über die allgemeine Zuverlässigkeit der Evangelien debattieren, doch mein Interesse bestand darin, die Historizität der Auferstehung Jesu zu verteidigen, die von den allgemeinen Zuverlässigkeitsansprüchen ziemlich unabhängig ist. Er einigte sich mit mir auf das Thema der Auferstehung, versuchte dann aber zu meinem Erstaunen, die Debatte wieder auf das Thema der allgemeinen Zuverlässigkeit zu lenken, mit dem Ergebnis, dass wir es weitgehend nicht schafften, uns wirklich auseinanderzusetzen.

Mein Ziel in dieser Debatte war nicht nur, die Historizität von Jesu leerem Grab, seinen Erscheinungen nach dem Tod und dem Ursprung des Auferstehungsglaubens seiner Jünger zu verteidigen, sondern auch, die fehlerhafte paulinische Exegese aufzudecken, welche die Wurzel von Carriers Skeptizismus bildete. Ich sollte auch noch hinzufügen, dass ich am nächsten Tag auf der langen Reise zum Flughafen Richard als einen sehr angenehmen Zeitgenossen kennenlernte. Ich bewunderte insbesondere seinen Dienst für unser Land an Bord eines nuklearen Marine-U-Bootes!

7. John Dominic Crossan in der historischen Moody Church in Chicago. Crossan war zu dieser Zeit ein großer Fisch im Jesus-Seminar und auch ein prominenter Wissenschaftler der historischen Jesusforschung. Es war eine meiner ersten Debatten mit einem professionellen neutestamentlichen Historiker, und ich war gespannt, wie meine Argumente standhalten würden. Als sich die Debatte entfaltete, war ich verblüfft, dass Crossan glaubte, die Priorität von Markus und die Zwei-Quellen-Hypothese zu erklären, würde genügen, um evangelikale Bibelwissenschaft zu widerlegen. Ich denke, der Schlüsselmoment in der Debatte, die von dem unnachahmlichen William F. Buckley moderiert wurde, kam, als Crossan zugab, dass seiner Ansicht nach im Jurazeitalter, als keine Menschen existierten, auch kein Gott existierte. Kein Wunder, dass er die Realität von Wundern wie der Auferstehung leugnet!

8. Bart Ehrmann am Holy Cross College. Ich war fasziniert, dass die frühe Lebensgeschichte von Ehrman so parallel zu meiner verlief, bis wir promovierten. Als ich sein Werk las, war ich schockiert festzustellen, dass sein Skeptizismus in Bezug auf die Auferstehung Jesu nicht historisch begründet war – er bejahte all die Tatsachen, die ich in meiner Arbeit verteidige -, sondern sie wurzelte in einer aufgewärmten Version von Humes Einwand gegen Wunder. So erklärte ich in der Debatte, warum Humes Argumentation nachweislich fehlerhaft ist, und erklärte dabei geduldig die Wahrscheinlichkeitsrechnung, woraufhin Ehrmann antwortete, man könne nicht mithilfe von Mathematik die Existenz Gottes beweisen!

9. Antony Flew an der Universität von Wisconsin. Flew war vielleicht der einflussreichste Philosoph für den Atheismus im 20. Jahrhundert. Es war ein Vorrecht, mit ihm zu debattieren. Etwa 4000 Studenten kamen an diesem Abend in die Sportarena (noch dazu war es der Abend eines Basketballspiels!). Sie verschwanden einfach hinauf in die Lichter. Flew war nervös („Meine Frau hat mir gesagt, ich hätte mich nie auf das einlassen sollen”, sagte er mir beim Abendessen vor unserer Debatte). Was Leute, die die Aufzeichnung sehen, jedoch nicht erkennen, ist, dass sein Mikrofon versagte, als er zu sprechen begann. Studenten im Auditorium begannen zu rufen: „Wir können Sie nicht hören!“ „Lauter!“. Flew geriet durcheinander und begann, auf der Bühne umher zu stapfen und wütend zu sagen: „Wenn das nicht funktioniert, können wir das ganze Ding genauso gut abblasen“! Ich hatte Angst, er würde von der Bühne stürmen! Sie gaben ihm schnell das Mikrofon von meinem Podium. Er setzte seine Rede fort, fing sich aber nie mehr ganz.

10. A.C. Grayling in der Oxford Union. Wie aufregend, vor einem vollgepackten Haus am selben Platz zu debattieren, wo Churchill und andere große Parlamentarier debattiert hatten! Als Grayling mit langem, wallendem Haar das Zimmer betrat, schaute er mich an und sagte: „Sie gewinnen wegen der schöneren Krawatte!”. Ich antwortete: „Sie gewinnen wegen der schöneren Haarpracht!“ Er darauf: „Dann sind wir quitt!“ Das Thema an diesem Abend war emotional herausfordernd: „Ist es rational, angesichts von Tsunamis an Gott zu glauben?“ Aber ich hatte den Eindruck, dass die Debatte sehr gut verlief.

11. Sam Harris an der Universität von Notre Dame. Es war ein solches Privileg, vom Zentrum für Philosophie und Religion an der Universität von Notre Dame zu dieser Debatte eingeladen zu werden! Ich war mir überaus bewusst, dass ich in dieser Debatte vor meinen eigenen philosophischen Fachkollegen von Notre Dame sprechen würde, und so war ich sehr darauf bedacht, meine Sache gut zu machen. Ich entwickelte einige wirklich überzeugende Argumente gegen Harris‘ naturalistische Moraltheorie, und zu meinem Erstaunen versuchte er nicht einmal, auf meine Einwände während der Debatte einzugehen, sondern versuchte lediglich, mich dazu zu verleiten, Rote Heringe zu jagen[1].

12. Christopher Hitchens an der Biola University. Ich lehnte mehr als einmal Dr. Craig Hazens Einladung zur Teilnahme an dieser Debatte ab, weil ich wusste, dass Hitchens wenig Verständnis für die Argumente hatte, aber ein genialer Rhetoriker war. Ich hielt es für eine Zeitverschwendung. Aber Dr. Hazen erklärte, dass die Studentenvereinigung Hitchens bereits das Honorar schuldig sei, egal, ob irgendjemand auftauchen würde, um mit ihm zu debattieren oder nicht. So gab ich nach und bin froh darum! Mehr als 800 000 Menschen haben diese Debatte auf YouTube angeschaut und sie zu der bei Weitem meist gesehenen Debatte gemacht, an der ich jemals beteiligt war. Übrigens: Alle, die ich kenne, mochten Hitchens wirklich, und viele beteten für ihn, als seine letzten Lebenstage mit Speiseröhrenkrebs bevorstanden.

13. Dough Jesseph an der North Carolina State University. Vor dieser Debatte war ich etwas missmutig über die vielen schwachen Debatten, an denen ich bis dahin teilgenommen hatte und fragte mich, was würde passieren, wenn ich einen wirklich guten Gegner hätte? Ich sollte es bald herausfinden. Ich wusste, dass etwas im Gang war, als Jesseph darauf bestand, als Erster in die Debatte zu gehen, obwohl derjenige, der eine Behauptung aufstellt, immer zuerst spricht. Warum wollte er das Protokoll brechen und als Erster sprechen?, fragte ich mich. Ich wette, er wird einen Präventivangriff auf meine Argumente starten, noch bevor ich sie darbiete! Und genau das tat er auch! Er ging meine Argumente der Reihe nach durch und lieferte gegen jedes zwei oder drei Einwände. Mann, jetzt muss ich mich auf etwas gefasst machen!“, dachte ich. Aber natürlich hatte ich erwartet, dass er dies tat, und so hatte ich eine kurze Rede vorbereitet, die mir Zeit gab, aus dem Stegreif auf seine Einwände einzugehen und somit zumindest wieder auf einen Gleichstand zu gelangen. Im weiteren Verlauf der Debatte schien die Stimmung mit jeder weiteren Rede umzuschlagen, und erst nach der letzten Erwiderung fühlte ich, dass ich Vorsprung gewann. Hinterher schüttelte ich seine Hand und sagte: „Sie sind ein sehr guter Debattierer!“ „Danke“, erwiderte er, „ich war im Debattierteam meiner Universität.“ Ha! So vereinigte er philosophischen Tiefgang mit einer Ausbildung im Debattieren, was ihn zu einem großartigen Gegner machte.

14. Norbert Hoerster an der Technischen Universität München. Für diese Debatte war ich wieder zurück in München, der Stadt, in der ich promoviert hatte. Hoerster war ein typischer freidenkender Agitator mit gerade mal genug philosophischer Tiefe, um gefährlich zu sein. Ich spürte, dass ich ihm einen viel zu großen Vorteil gab, wenn ich versuchen würde, auf Deutsch zu debattieren. So einigten wir uns darauf, dass ich meine Eröffnungsrede auf Deutsch hielte, und meine Erwiderungen auf Englisch mit Stegreifübersetzung. Hoerster hielt das Ganze natürlich auf Deutsch. Während der Gebetszeit mit der christlichen Fakultät vor der Debatte, betete einer der Professoren: „Herr, bitte lass die Halle nicht fast leer sein!“ Oh, ihr Kleingläubigen! Die große Halle füllte sich bald bis auf den letzten Platz, und Hoerster und ich hatten eine großartige Debatte. Eine interessante Nebensächlichkeit: Hoerster, ich und der Moderator Daniel von Wachter repräsentierten gemeinsam sechs erworbene Doktorgrade! Nur in Deutschland!

15. Lawrence Krauss an der North Carolina State University. Es war eine ernüchternde Erfahrung, mit einem berühmten Physiker über die Frage zu debattieren: „Gibt es wissenschaftliche Belege für Gott?“ Ich bereitete mich gründlich auf die Debatte vor und war dann überrascht, dass die Einwände von Krauss sozusagen niemals wirklich über Ebene eins hinausgelangten. Besonders bizarr wurde es, als er begann, sein Hemd aufzuknöpfen, und ein T-Shirt zum Vorschein kam, auf dem die Worte standen: „2+2=5 bei hoher Aufrundung der Werte von 2“. Bitte?

16. Paul Kurtz am Franklin and Marshall College. Ein Jahr zuvor waren Alan Dershowitz und Alan Keyes im Rahmen dieser gesponserten Vortragsreihe in einer lauten Debatte aufeinander getroffen. Ich fühlte mich geehrt, als Prof. Michael Murray mich einlud, mit dem berühmten humanistischen Philosophen Paul Kurtz über die Frage zu debattieren: „Können wir ohne Gott gut sein?“ Ich war dazu entschlossen, dass unsere Debatte beträchtlich mehr Gehalt haben sollte, als die Debatte im Jahr zuvor. Kurtz schien mein moralisches Argument für Gott nicht zu verstehen, sondern deutete es so, als ob ich sagen würde, Atheisten könnten keine guten Menschen sein.

17. Gert Lüdemann am Boston College. Lüdemann ist der deutsche Hauptkritiker der Historizität der Auferstehung Jesu. Da ich meine Doktorarbeit in Deutschland über die Glaubwürdigkeit der Auferstehung Jesu geschrieben habe, lag mir viel daran, mit ihm über dieses Thema die Klingen zu kreuzen. Lüdemann verteidigt eine psychoanalytische Theorie über den Ursprung des Glaubens der Jünger an die Auferstehung Jesu auf der Grundlage von schuldinduzierten Jesus-Visionen nach seinem Tod. Ich bereitete eine ausführliche Kritik der – wie ich sie nannte – Halluzinationshypothese vor, die, wie ich meine, gut herüberkam. Am Morgen nach der Debatte frühstückten Jan und ich mit Lüdemann in der Mensa. Jan fragte ihn gezielt: „Was machen Sie mit Sünde in Ihrem Leben?“ Er antwortete: „Ich gehe zur Therapie“. Wir waren verblüfft. „Nun, was tut dann der Therapeut für Sie?“, fragten wir. Lüdemann antwortete: „Er ruft Visionen in mir hervor.“ Ich war sprachlos. Es schien mir ein Beispiel mehr für das, was über die Leben-Jesu-Forscher des 19. Jahrhunderts gesagt worden war: „Jeder von ihnen schaute hinab in den tiefen Brunnen der Geschichte und erblickte am Grunde das Spiegelbild seines eigenen Angesichtes“.

18. Peter Millican an der Universität von Birmingham. Was diese Debatte mit einem feinen Hume-Wissenschaftler für mich so denkwürdig machte, ist, dass sie in der Großen Halle der Universität von Birmingham stattfand, wo ich meinen Doktor in Philosophie unter John Hick gemacht hatte. Am Nachmittag der Debatte besuchten Jan und ich John sogar zu Hause. Er starb nur ein paar Monate später. Die schöne Große Halle war an diesem Abend für die Veranstaltung voll besetzt, und viele haben mir seither gesagt, dass der Austausch mit Millican die gehaltvollste Debatte war, an der ich teilgenommen habe – eine wirklich gute Debatte.

19. Henry Morgenthaler mehrere Male in ganz Kanada. Morgenthaler war ein berüchtigter kanadischer Abtreibungsbefürworter und Präsident der kanadischen humanistischen Vereinigung. Er sagte einer Reihe von Debatten über das Thema „Humanismus versus Christentum“ zu, unter der Voraussetzung, dass wir nicht über Abtreibung diskutieren würden (ein Thema, dessen er müde war). Das war mir völlig recht und so planten wir verschiedene Debatten. Bevor ich nach Kanada flog, war ich in Thousand Oaks in Kalifornien, und sprach in einer Gemeinde. Nach dem Gottesdienst kam ein Mann auf mich zu und stellte sich als jemand vor, der in Hollywood mit Menschen arbeitet. Er sagte: „Ich sage nicht, dass Sie schlecht angezogen sind, aber Kleider sagen etwas über Sie selbst aus, und wenn Sie mit dieser prominenten kanadischen Persönlichkeit debattieren wollen, müssen Sie dafür sorgen, dass Sie die richtige Aussage treffen. Ich würde Ihnen gerne helfen, wenn Sie wollen.“ Ich erwiderte: „Schauen Sie, ich möchte nicht wie ein wohlbetuchter Fernsehevangelist wirken. Ich sehe lieber etwas heruntergekommen aus.“ Er meinte: „Ich verstehe. Aber wir können die richtige Aussage treffen, ohne extrem zu sein“. So nahm er mich an diesem Nachmittag mit zu seinem Schneider in Nordstroms. Er kaufte mir einen schönen dunkelgrauen Anzug mit einem cranberry-farbenen Streifen, ein Paar glänzende rotbraune Lederschuhe, ein Paar weiße Hemden und zwei seidene Krawatten. Ich war einfach überwältigt. Ich fühlte mich wie Elisa Doolittle in „My Fair Lady!“ Und tatsächlich: Nach der ersten Debatte beschrieb der Zeitungsartikel am nächsten Tag Morgenthaler und mich als „ein Musterbild der Kontraste“ und wiesen insbesondere auf seinen zerknitterten Anzug im Vergleich zu meinem Anzug hin. Ha! Morgenthaler hatte übrigens sehr wenig auf meine Argumente für den christlichen Theismus zu erwidern und kam so in all unseren übrigen Debatten wieder auf das Thema Abtreibung zurück.

20. Alex Rosenberg an der Universität Purdue. Diese Debatte hat mir wirklich Freude gemacht, vielleicht, weil ich mich so gründlich darauf vorbereitet hatte. Rosenberg war offensichtlich gecoacht worden, in seiner Eröffnungsrede zu erwähnen, dass ich dieselben alten Argumente verwende, wobei er übersah, dass zwei davon brandneu waren und ich sie noch nie zuvor verwendet hatte. Ich freute mich besonders, eine Kritik seines metaphysischen Naturalismus darzulegen, da er in jedem Fall selbst die Schlüsselprämisse liefert, die seine Sicht ad absurdum führt.

21. Peter Slezak in der Rathaushalle in Sydney, Australien. Was diese Debatte so denkwürdig machte, war die außergewöhnliche Rathaushalle in Sydney. Die Front der Aula ist mit leuchtend dunkelroten Vorhängen geschmückt, welche die größte Orgel flankieren, die ich jemals gesehen habe. Die gepolsterten Sitze passen in ihrer Farbe zu den Vorhängen. Der Techniker, der die Lichter bediente, erzählte mir, dass er dort seit zehn Jahren gearbeitet hätte und niemals alle Lichter anschalten musste, weil die Halle niemals zuvor so voll gewesen sei wie an diesem Abend. Es war ein schöner Veranstaltungsort für einen sehr guten Austausch.

22. Spangenberg/Wolmarans in Pretoria, Südafrika. Es war die afrikanische Umgebung, die diese Debatte besonders machte. Ich bildete ein Team mit Mike Licona, um es mit diesen beiden radikalen südafrikanischen Theologen der sogenannten „Neuen Reformations“- Bewegung zum Thema der Historizität der Auferstehung Jesu aufzunehmen. Die südafrikanischen Christen machten gegenüber uns immer wieder deutlich, wie entscheidend diese Debatte für die Kirche in Südafrika sei. Wie es nur allzu oft der Fall ist, waren diese beiden Theologen einfach nicht in der Lage, auf Kritik ihrer Anschauung etwas zu erwidern oder ein historisches Plädoyer für die Auferstehung Jesu zu widerlegen. Immer und immer wieder nahmen sie in Roten Heringen Zuflucht, um uns vom Thema abzulenken, aber Mike widerstand beherzt der Versuchung und hielt die Debatte auf der rechten Spur. Mike ist ein großartiger Tag-Team Partner, und wir haben wirklich gut in dieser Debatte zusammen harmoniert. Im Anschluss sagte uns ein sichtlich wütender Spangenberg: „Sie haben vielleicht die Schlacht gewonnen, aber nicht den Krieg!“

23. John Shelby Spong am Bethel College in Indiana. Spong ist ein radikaler episkopaler Bischof, der die Historizität der Auferstehung Jesu sowie die meisten anderen christlichen Lehren leugnet. Er denkt, der Glaube an die Auferstehung Jesu entstand, als Simon Petrus eine mystische Erfahrung mit Jesus nach seiner Kreuzigung hatte, die er nicht artikulieren konnte, und so auf die jüdisch apokalyptische Sprache der Auferstehung von den Toten zurückgriff, um in Worte zu fassen, was er erfahren hatte. Außerdem schlossen sich ihm all die andern Jünger darin an, diese irreführende Terminologie zu verwenden. Ich nannte diese Theorie die „Einfaltspinsel-Theorie“, da sie Petrus zu einem solchen Dummkopf degradiert. Das Judentum hatte eine Sprache, um mystischen Erlebnissen Ausdruck zu verleihen, und die Auferstehungssprache stellte völlig falsch dar, was geschehen war. An dem Tag der Debatte hatte ich eine schlimme Grippe, aber Jan verarztete mich bis zu dem Augenblick, wo wir anfingen, und dann übernahm das Adrenalin. Nach der Debatte gestand uns Spong: „Ehrlich gesagt, ich bin einfach ein Mystiker“ – Na so was! Ganz wie Simon Petrus!

24. Tjörbörn Tannsjö in Gothenberg, Schweden. Ich war in Schweden für eine Universitätsvortragsreise, die von der Credo Akademie Stockholm arrangiert worden war. Ein prominenter schwedischer Philosoph erzählte mir während der Tour, dass es buchstäblich keine christlichen Philosophen in Schweden gäbe. Der Höhepunkt der Vortragsreise war eine Konferenz, die eine Debatte mit Schwedens führendem Ethiker veranstaltete, einem Philosophen, der in den schwedischen Medien große Aufmerksamkeit genießt. So war unsere Debatte über die Grundlagen der Moral ein wichtiges Ereignis. Sie verlief sehr gut und am Ende gestand Tannsjö ein, dass „alle Dinge erlaubt sind“, wenn Gott nicht existiert.

25. Lewis Wolpert in der Central Hall in Westminster. Da die Organisatoren meiner Vortragstour 2011 nicht Richard Dawkins bekommen konnten, bekamen sie den nächsten in der Reihe, den Biologen Lewis Wolpert. Ich habe nie an einem erlauchteren Veranstaltungsort debattiert als in der Central Hall. Genau gegenüber von Westminster Abbey liegt diese riesige und prunkvolle Versammlungshalle. Die Organisatoren waren sich nicht sicher, ob 200 oder 2000 Menschen für diese Debatte erscheinen würden. Wie sich herausstellte, füllten 2200 die Halle. Die Debatte wurde von der BBC-Persönlichkeit John Humphries moderiert, einer Art Mike Wallace des britischen Fernsehens. Er machte das großartig, und der Dialogteil des Abends war besonders unterhaltsam. Es war ein großartiger Auftakt zu dem, was sich als eine außergewöhnliche Vortragstour herausstellte.

26. Frank Zindler in der Willow Creek Community Church. Diese Debatte wurde von zwei Willow Creek Pastoren organisiert, Lee Strobel und Mark Mittelberg. Sie flogen uns von Belgien ein, um mit dem auserwählten Repräsentanten amerikanischer Atheisten, Frank Zindler, zu debattieren. Bill Hybels meinte zu Mark und Lee, sie könnten sich glücklich schätzen, wenn 300 Menschen zu dieser Debatte erschienen. Nun, die Leute begannen schon früh nachmittags einzutrudeln. Die Parkwächter von Willow Creek stopften heldenhaft Hunderte von Autos mehr auf die Parkplätze, als diese normalerweise fassen konnten. Als sie schließlich die Türen öffneten, rannten die Menschen die Gänge hinab, um Plätze zu finden. Das gesamte Auditorium mit 5000 Plätzen füllte sich innerhalb von 30 Sekunden. Eine Frau rief später aus: „Wann haben wir zum letzten Mal Menschen in die Gemeinde rennen sehen?“ Insgesamt füllten fast 8000 Menschen die verschiedenen Übertragungsorte und machten den Abend zur größten Indoor-Veranstaltung, die Willow Creek jemals beherbergt hatte. Außerdem fuhr an diesem Nachmittag vor der Debatte Moody Radio Chicago zur Gemeinde heraus und trug Ausrüstung auf das Dach, um einen Rundfunksender aufzubauen und die Debatte live in die ländliche Gegend um Chicago zu übertragen, vollständig mit Co-Kommentator. Wir hörten später von einer Familie im südlichen Wisconsin, welche die Debatte hörte, bis der Empfang schwächer wurde. Dann zogen sie in das Familienauto an der Zufahrt um, wo sie klaren Empfang hatten. Sie sagten, die Nachbarn müssen sie für verrückt gehalten haben, wie sie alle im Auto in der Zufahrt saßen und jubelten und applaudierten! Es gibt Hunderte von Hintergrundgeschichten zu dieser erstaunlichen Debatte. Hier ist eine von ihnen: Zindler hatte umfassend in obskuren atheistischen Zeitschriften publiziert. Chad Meister hatte eine Gruppe von Freiwilligen in Willow in seiner apologetischen Klasse, die diese verschiedenen Quellen für mich ausfindig machten. Aber keiner konnte eine bestimmte atheistische Zeitschrift auffinden, in der Zindler verschiedene Artikel hatte. Selbst die gewaltige öffentliche Bibliothek in Chicago hatte diese Zeitschrift nicht abonniert. Eines Tages war Chad oder einer seiner Helfer in der Rolfing Bücherei an der Trinity Evangelical Divinity School, meiner Alma Mater. Er machte gegenüber einem der studentischen Bibliothekare eine Bemerkung über seine Frustration, dass diese Zeitschrift nicht aufzufinden war. „Kommen Sie mit“, sagte der Student und führte ihn die Treppen hinab in die Kellerarchive der Bibliothek. „Jahrelang hat jemand Trinity ein Abonnement für diese Zeitschrift gespendet, aber wir legen sie nicht aus.“ Und dort waren die kompletten Bestände dieser atheistischen Zeitschrift! Ausgerechnet in der Trinity! Können Sie sich das vorstellen? Die Debatte an diesem Abend war so spannend, und alle drei Christen, die daran beteiligt waren, Lee, Mark und ich, haben jeweils einen bedeutenden apologetischen Dienst fortgeführt.

Was für ein Leben!

(Übers.: B. Currlin)


Link to the original article in English: /two-dozen-or-so-of-my-favorite-debates



[1] D. h., Ablenkungsmanövern nachzugehen – Anm. d. Übers.

- William Lane Craig