#83 Zwei Doktortitel
June 1, 2016Sehr geehrter Herr Prof. Craig,
mich würde interessieren, wie Sie es geschafft haben, zweimal zu promovieren. Wie haben Sie den zweiten Doktortitel erhalten? Es interessiert mich, weil eine solche Errungenschaft auch zu meinen Zielen gehört. Vielen Dank und Gottes Segen.
Herzliche Grüße
Christopher
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Dr. craig’s response
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Dann sind Sie auf jeden Fall ehrgeiziger, als ich es damals war, Christopher! Wir hatten nie vor, so etwas zu machen; wir wurden sozusagen einfach dorthin geführt. Wir – Jan und ich –haben die Erfahrung gemacht, dass der Herr unseren Weg nie sonderlich weitläufig erhellt, sondern uns gerade genug Licht spendet, damit wir den nächsten Schritt gehen können.
Hin und wieder nehme ich eine persönlichere Frage der Woche dran, so wie Ihre. Lassen Sie mich also etwas von der Geschichte über Gottes Führung in unserem Leben erzählen.
In meinem letzten Jahr am Wheaton College wurde ich durch das Lesen von E. J. Carnells Buch An Introduction to Christian Apologetics auf die Apologetik aufmerksam. Carnells Buch entfachte in mir ein Feuer. Er sprach darin all die interessanten Fragen an, über die ich nachdachte und auf die ich Antworten finden wollte. Ich bewunderte Carnell sehr, weil er an der Boston University und der Harvard University in Philosophie bzw. Theologie promoviert hatte. Ich sann darüber nach, wie wunderbar es wäre, in beiden Bereichen ein solches Fachwissen zu haben, doch ich hätte mir nie erträumen lassen, dass ich so etwas einmal anstreben würde.
Ich strebte aber sehr wohl eine Seminary-Ausbildung nach meinem College-Abschluss an, und so zog ich 1973 mit meiner jungen Frau nach Deerfield, Illinois, wo ich an der Trinity Evangelical Divinity School unter Norman Geisler Religionsphilosophie zu studieren anfing. Wir verbrachten zwei tolle Jahre an der Trinity, wo wir unter Männern wie Paul Feinberg, David Wolfe, John Warwick Montgomery, David Wells, John Woodbridge, J. I. Packer, Clark Pinnock und Murray Harris viel lernten. Ich machte zwei Masterabschlüsse: einen in Religionsphilosophie und einen in „Kirchengeschichte und die Geschichte des christlichen Denkens[1]“. Es sollte ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg sein, den Gott uns bereitet hatte.
Jan und ich saßen eines Abends kurz vor dem Ende unserer Studienzeit an der Trinity beim Abendessen in unserem winzigen Zimmer im Studentenwohnheim zusammen und redeten darüber, was wir nach dem Abschluss machen könnten. Wir hatten diesbezüglich beide keine klare Vorstellung und hatten in dieser Sache auch noch nicht Gottes Führung erfahren.
Da sagte Jan zu mir: „Was würdest du denn am liebstenmachen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“
Ich antwortete: „Wenn Geld keine Rolle spielen würde, würde ich am liebsten nach England gehen und unter John Hick promovieren.“
„Wer ist das?“, fragte sie.
„Das ist so ein berühmter britischer Philosoph, der schon viel über die Argumente für die Existenz Gottes geschrieben hat“, erklärte ich. „Wenn ich unter ihm studieren könnte, könnte ich das kosmologische Argument für die Existenz Gottes weiterentwickeln.“
Doch das schien äußerst unrealistisch.
Am nächsten Abend gab Jan mir einen Zettel mit John Hicks Adresse darauf. „Ich war heute in der Bibliothek und habe herausgefunden, dass er an der Universität von Birmingham arbeitet“, sagte sie. „Schreib' ihm doch und frag' ihn, ob du bei ihm nicht eine Doktorarbeit über das kosmologische Argument schreiben kannst.“
Was für eine Frau! So schrieb ich ihm, und zu unserem Erstaunen und unserer Freude schrieb Professor Hick zurück, dass er meine Doktorarbeit zu diesem Thema sehr gerne betreuen würde. Damit war diese Tür offen!
Das Problem war nur, dass die Universität von Birmingham ein offizielles Schreiben der Bank verlangte, das bescheinigte, dass wir alles Geld hatten, das ich für das gesamte Studium brauchen würde, um zu promovieren. Sie wollten nicht, dass ausländische Studenten mittendrin abbrachen, weil sie kein Geld mehr hatten.
Nun, so viel Geld hatten wir nicht! Wir waren arm wie Kirchenmäuse. Unser winziges Apartment an der Trinity School war so klein, dass ich den Kühlschrank berühren konnte, während ich auf der Matratze am Boden lag. Wir halbierten damals sogar unsere Pappteller, um Geld zu sparen! Das bescherte uns einmal einen peinlichen Moment, als wir Dr. Woodbridge zu Kaffee und Kuchen eingeladen hatten und Jan ihm, ohne nachzudenken, seinen Kuchen auf einem halben Pappteller servierte! Gütigerweise verlor er niemals ein Wort darüber.
Doch wir spürten wirklich, dass Gott dabei war, uns nach England zu berufen, um diesen Abschluss zu machen. Damals wurden ausländischen Studenten von den klammen britischen Universitäten auch keine Stipendien gewährt. Wir mussten uns das Geld selbst beschaffen. Und so fingen wir an, jeden Morgen und Abend dafür zu beten, dass der Herr uns irgendwie mit den Mitteln versorgen möge.
Um es kurz zu machen: Wir verabredeten uns mit einem nichtchristlichen Geschäftsmann, von dessen Familie Jan als Mitarbeiterin von Campus für Christus unterstützt wurde, und legten ihm dar, wozu uns Gott unserer Meinung nach berief. Und dieser nichtchristliche Geschäftsmann schenkte uns – er lieh es uns nicht –, er schenkte uns alles Geld, das wir für das Doktorstudium unter John Hick an der Universität von Birmingham benötigten! Es war eines der größten gottgewirkten Wunder, die ich je erlebt habe. Jan und mir kam es so vor, als hätte uns Gott wundersam aufgesammelt und uns nach England transportiert, um dieses Studium durchzuziehen.
Ich schrieb unter Professor Hick dann auch meine Doktorarbeit über das kosmologische Argument und bekam dafür einen Doktortitel in Philosophy von der Universität von Birmingham verliehen. Aus der Dissertation entstanden noch drei Bücher, z. B. The Kalam Cosmological Argument (1979). Mittlerweile ist das kalam-Argument eines der meistdiskutierten Argumente der Natürlichen Theologie geworden.
Als Jan und ich vor dem Ende meines Philosophie-Promotionsstudiums an der Universität von Birmingham standen, war die vor uns liegende Zukunft wieder unklar. Ich hatte einige Bewerbungen um philosophische Lehrstellen an amerikanischen Universitäten versandt, aber ohne Erfolg. Wir wussten nicht, was wir tun sollten.
Ich erinnere mich noch sehr gut: Wir saßen in unserem kleinen Haus außerhalb von Birmingham beim Essen zusammen, als Jan plötzlich zu mir sagte: „Also, was würdest du denn am liebsten als nächstes machen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“
Ich lachte auf, weil ich noch wusste, wie der Herr ihre Frage schon in der Vergangenheit verwendet hatte, um uns zu leiten. Die Antwort fiel mir nicht schwer. „Wenn Geld keine Rolle spielen würde, würde ich am liebsten nach Deutschland gehen und unter Wolfhart Pannenberg studieren.“
„Wer ist das?“
„Das ist so ein berühmter deutscher Theologe, der Jesu Auferstehung historisch verteidigt hat“, erklärte ich. „Wenn ich unter ihm studieren könnte, könnte ich ein historisch-apologetisches Argument für die Auferstehung Jesu entwickeln.“
Wir schweiften schnell wieder vom Thema ab, doch später erzählte Jan mir, dass meine Antwort ein kleines Feuer in ihr entfacht hatte. Als ich am nächsten Tag in der Universität war, stahl sie sich in die Bibliothek davon und fing an, nach Zuschüssen für Studiengänge an deutschen Universitäten zu suchen. Die meisten Spuren erwiesen sich als nicht mehr aktuell oder waren sonst irgendwie irrelevant für unsere Situation. Doch zwei in Frage kommende Stipendien fand sie. Sie können sich vorstellen, wie überrascht ich war, als sie sie mir zeigte!
Eines war vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), einer Regierungsorganisation, die Stipendien für Studiengänge an deutschen Universitäten anbot. Leider waren die Stipendienbeträge gering und nicht dafür gedacht, alle Kosten zu decken. Das andere wurde von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung angeboten, welche offenbar Teil kulturpolitischer Bemühungen mit dem Ziel war, Deutschlands Ruf in der Nachkriegszeit aufzupolieren. Sie bot sehr großzügige Stipendien an, mit deren Hilfe ausländische Wissenschaftler und andere Gelehrte für Forschungsprojekte in deutsche Laboratorien oder an deutsche Universitäten geholt werden sollten.
Beim Lesen der Prospekte der Humboldt-Stiftung lief mir das Wasser im Mund zusammen. Sie würden die Kosten für einen viermonatigen, vor dem Forschungsbeginn stattfindenden Deutsch-Auffrischungs-Kurs für den jeweiligen Gelehrten und seinen Ehepartner am Goethe-Institut übernehmen; sie würden bei der Wohnungssuche helfen; sie würden für eventuell erforderliche Besuche an anderen Universitäten und für Konferenzen aufkommen; sie würden hin und wieder etwas Taschengeld schicken, eine Fahrt auf dem Rhein spendieren –unglaublich! Sie erlaubten den Stipendiaten sogar, die Ergebnisse ihrer Forschung als Doktorarbeit einzureichen, um einen akademischen Titel von der deutschen Universität zu erlangen, an der die Stipendiaten arbeiteten.
Aus dem von der Humboldt-Stiftung zugesandten Material ging klar hervor, dass die große Mehrheit der Stipendiaten Naturwissenschaftler waren – Physiker, Chemiker, Biologen und so weiter. Doch dort stand auch, dass Bewerber aus jedem Bereich erwünscht waren. Und so entschlossen wir uns, uns für den Bereich Theologie zu bewerben und als mein Forschungsthema die historischen Belege für die Auferstehung Jesu vorzuschlagen! Dabei entschieden wir uns auch, eine Promotion in Theologie anzustreben.
Wir fingen dann an, mehrmals täglich dafür zu beten, dass Gott uns dieses Stipendium schenkt. Manchmal traute ich Gott das zu; doch dann dachte ich immer an die 80 deutschen Gelehrten, die in Bonn die Bewerbungen bewerteten und auf diesen Vorschlag über die historischen Belege für die Auferstehung Jesus stießen, und dann rutschte mir das Herz wieder in die Hose!
Die Bearbeitungszeit der Bewerbungen betrug bei der Humboldt-Stiftung neun Monate, und in der Zwischenzeit lief der Mietvertrag für unser Haus in Birmingham aus, sodass wir ausziehen mussten. Also sagte ich zu Jan: „Schatz, du hast während meines Studiums viel für mich geopfert. Lass' uns jetzt etwas machen, was du willst. Was würdest du am liebsten machen?“
Sie antwortete: „Ich wollte schon immer Französisch lernen. Auf dem College musste ich früh aufhören, weil ich krank geworden bin, und seitdem bereue ich es, dass ich nie Französisch gelernt habe.“
„Gut“, sagte ich, „gehen wir nach Frankreich und schreiben uns bei einer französischen Sprachenschule ein!“
Und so fingen wir an, uns mit den Möglichkeiten zu befassen. Die naheliegende war die Alliance Française, die offizielle Sprachenschule in Frankreich. Viel interessanter war allerdings das Centre Missionaire in Albertville, eine christliche Sprachenschule in den französischen Alpen für die Ausbildung von ausländischen Missionaren, die in französischsprachigen Ländern tätig sein würden. Sie legten großen Wert darauf, dass die Schüler wirklich Französisch sprechen, mit einem möglichst schwachen ausländischen Akzent, und dass sie Französisch lasen und schrieben. Dazu lehrten sie alles biblische und theologische Vokabular, wie es nur eine christliche Schule tun könnte.
Also schrieben wir das Centre Missionaire an und fragten, ob wir dort studieren könnten. Zu unserer Enttäuschung schrieben sie zurück, dass die Bewerber offiziell Missionare eines Missionswerks sein müssten und der Kurs außerdem mehrere tausend Dollar kosten würde. Nun, so viel Geld hatten wir nicht. Wir hatten fast alles, was uns der Geschäftsmann geschenkt hatte, für unser Promotionsstudium in Birmingham ausgegeben.
Also schrieb ich dem Centre Missionaire zurück und erklärte ihnen unsere finanzielle Situation. Ich erklärte auch, dass wir zwar keine offiziellen Missionare sind, dem Herrn aber dienen wollten, und ich fügte außerdem noch ein Empfehlungsschreiben von einem der Ältesten der Brüdergemeinde bei, in die wir in Birmingham gingen. Dann vergaß ich die Sache eigentlich.
Die Zeit verging, und keine meiner anderen Bemühungen um einen Job fruchtete. Wir hatten bereits unsere ganze Habe zurück an meine Eltern in Illinois geschickt. Eine Woche blieb uns noch in unserem Haus in Birmingham, dann mussten wir raus und wussten nicht, wohin es als nächstes gehen sollte.
Ich weiß noch, wie ich an jenem Tag niedergeschlagen zum Briefkasten ging und darin einen Brief vom Centre Missionaire fand. Ich öffnete ihn etwas lustlos und begann zu lesen. Und dann weiteten sich plötzlich meine Augen, als ich diese Sätze las: „Eigentlich ist es uns nicht so wichtig, ob Sie Missionare sind, solange Sie dem Herrn dienen wollen. Und was das Geld angeht: Zahlen Sie einfach so viel Sie können, wegen des Rests vertrauen wir Gott.“ Unfassbar!
Wieder kam es uns so vor, als hätte Gott uns einfach wundersam aufgesammelt und uns in ein anderes Land transportiert, damit wir Seinen Willen tun. Später erfuhren wir, dass das Centre uns sogar anstelle zahlender Missionare angenommen hatte. Wir gingen mit einem tiefen Gefühl der Berufung nach Frankreich und stürzten uns daher in unser Sprachstudium. Es war unglaublich hart, mit Pauken und ständiger Wiederholung und nicht wenigen Tränen, doch am Ende unserer sechs Monate dort predigte ich in unserer kleinen Gemeinde auf Französisch, und Jan durfte unsere französischen Nachbarn zum Glauben an Jesus führen.
Unser Französisch-Studium ging bis August, und im Juli hatten wir noch immer nichts von der Humboldt-Stiftung gehört. Dann bekamen wir eines Tages einen Brief von der Humboldt-Stiftung. Das Problem war nur: Er war auf Deutsch, und mein Highschool-Deutsch war so eingerostet, dass ich nicht sicher war, was drinnen stand!
Also nahmen wir den Brief und liefen schnell in einen kleinen Buchladen im Dorf, wo wir ein Wörterbuch Französisch-Deutsch fanden. Als wir so da standen und den Brief langsam ins Französische übersetzten und uns keine Hoffnungen zu machen versuchten, konnten wir unsere Aufregung kaum für uns behalten. „Es freut uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihnen ein Stipendium von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung gewährt wird, um die Historizität der Auferstehung Jesu unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfhart Pannenberg an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu studieren.“ Die deutsche Regierung bezahlte mich also die nächsten zwei Jahre dafür, dass ich die historischen Belege für die Auferstehung Jesu studierte! Unfassbar! Absolut unfassbar!
Jan und ich kamen an einem kalten Tag im Januar in Deutschland an, um unser Sprachstudium am Goethe-Institut in Göttingen zu beginnen. Wir hatten Göttingen gewählt, weil die Menschen in der Region keinen Dialekt sprachen, sondern Hochdeutsch. Es ist erstaunlich, wie viel man in vier Monaten lernen kann, wenn man richtig in die Sprache eintaucht. Da mein Studium in München immer näher rückte, waren wir hoch motiviert, Deutsch zu lernen. Wir heuerten eine Universitätsstudentin namens Heidi an, damit sie uns mit der Aussprache half. Nach ein paar Monaten beschlossen wir, jeden Tag bis 20 Uhr nur Deutsch miteinander zu sprechen; erst dann gingen wir wieder ins Englische über. (Ein merkwürdiges Phänomen dabei: Selbst wenn man weiß, was die Wörter bedeuten, vermittelt „Ich liebe dich“ für einen englischen Muttersprachler nicht dasselbe Gefühl wie das englische „I love you“!)
Am Ende unseres viermonatigen Sprachstudiums hatte ich den Fortgeschrittenenkurs mit der Note 1 abgelegt, und Jan, die davor nicht mehr als „eins, zwei, drei“ auf Deutsch sagen konnte, konnte sich problemlos mit Verkäufern und anderen Menschen in unserer Stadt unterhalten. Bei einem Abendessen am Goethe-Institut überraschte sie mich besonders. Während der Mahlzeit bat Jan den Türken neben ihr auf Deutsch, ihr das Fleisch zu reichen. Doch er zeigte ihr nur die leere Fleischplatte und bot ihr stattdessen die Reisschüssel an, worauf sie nur scharf erwiderte: „Danke, nein! Ohne Fleisch, kein Reis!“ Ich platzte beinahe. Ein paar Monate Deutschunterricht, und schon beherrschte sie Wortspiele auf Deutsch!
Ich muss zugeben, es war schon etwas verrückt gewesen, neun Monate lang Französisch zu lernen, um gleich danach nach Deutschland zu gehen und dort erneut zu studieren. Doch die Vorsehung des Herrn ist unglaublich. Als ich am ersten Tag in die theologische Fakultät der Ludwigs-Maximilian-Universität ging, um mich mit Prof. Dr. Pannenberg zu beraten, ging er mit mir in die Bibliothek der Fakultät, zog drei Bücher aus dem Regal und sagte: „Warum fangen Sie nicht mal mit diesen hier an?“ Überrascht stellte ich fest, dass zwei der drei Bücher auf Französisch waren! Ich dachte bei mir: „Preist den Herrn!“ Ich hätte Pannenberg nie sagen können, dass ich kein Französisch kann. Das wäre dem Eingeständnis gleichgekommen, dass ich für diese Forschung nicht qualifiziert war! Gott wusste schon, was er tat.
Die Promotion in Theologie unter Prof. Dr. Pannenberg war das Schwierigste, was ich je in meinem Leben gemacht habe. Ich musste für den akademischen Abschluss sogar eine Prüfung in Latein ablegen, was bedeutete, dass ich Lateinunterricht auf Deutsch bekam! Doch am Ende unserer Zeit in München hatte ich so viel über die Auferstehung Jesu gelernt, dass ich Welten von dem Stand entfernt war, auf dem ich war, als wir ankamen. Als Christ glaubte ich natürlich an die Auferstehung Jesu, und ich war auch mit bekannten apologetischen Argumenten dafür vertraut, doch ich fand im Zuge meiner Forschungen überrascht heraus, wie solide man für die Historizität der Auferstehung argumentieren kann. Drei Bücher resultierten auch aus dieser Forschung, von denen eines als Doktorarbeit für meine zweite Promotion diente, diesmal eben in Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Seitdem konnte ich mit einigen der weltweit führenden Skeptiker unter den Neutestamentlern wie John Dominic Crossan, Marcus Borg, Gerd Lüdemann und Bart Ehrman sowie mit Bestseller-Autoren wie John Shelby Spong über die Historizität der Auferstehung Jesus debattieren. Bewusst objektiv gesprochen, muss ich sagen, dass ich erschrocken zur Kenntnis genommen habe, wie ohnmächtig diese bedeutenden Gelehrten sind, wenn es darum geht, die Belege für Jesu Auferstehung zu widerlegen.
Sehr oft, wirklich sehr oft, sind es philosophische, und nicht geschichtliche Bedenken, die ihrem Skeptizismus zugrunde liegen. Doch natürlich sind diese Männer nicht philosophisch ausgebildet und begehen daher Amateurfehler, die ein ausgebildeter Philosoph leicht ausmachen kann. Ich bin so dankbar, dass der Herr uns in seiner Vorsehung erst zur Promotion in Philosophie geführt hat, bevor wir uns dem Studium von Jesu Auferstehung zugewandt haben, denn nicht die Geschichte, sondern die Philosophie ist es, die den Skeptizismus radikaler Kritiker untermauert.
Wir sind sehr dankbar dafür, wie uns der Herr wundersam geführt hat, als wir uns im Glauben aufmachten, und wie er uns besser zugerüstet hat, als wir es uns je hätten erträumen lassen, um für sein Reich zu arbeiten.
(Übers.: J. Booker)
Link to the original article in English: /double-doctorates
[1] En. „Church History and the History of Christian Thought” – Anm. d. Übers.
- William Lane Craig
