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#25 Das Argument aus der Kontingenz der Welt für die Existenz Gottes

November 10, 2016
Q

Sehr geehrter Prof. Craig,

ich möchte gleich sagen, dass ich dem kalam-kosmologischen Argument zustimme. Doch ich habe mich gefragt: Welche Meinung haben Sie über das kosmologische Argument aus der Kontingenz der Welt für die Existenz Gottes?

William

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Dr. Craig

Dr. craig’s response


A [

Ich habe das kosmologische Argument der Kontingenz kurz in meinem und J. P. Morelands Buch Philosophical Foundations for a Christian Worldview (IVP, 2003) verteidigt und möchte es in der dritten Auflage von Reasonable Faith (Crossway, 2008) ausführlicher behandeln.

Das Argument hat drei Prämissen:

1. Für alles, was existiert, gibt es eine Erklärung seiner Existenz (entweder in der Notwendigkeit seines eigenen Wesens oder in einer externen Ursache).

2. Wenn es eine Erklärung für die Existenz des Universums gibt, ist diese Erklärung Gott.

3. Das Universum existiert.

Nun, was folgt logisch aus diesen drei Prämissen?

Aus 1 und 3 folgt logisch:

4. Es gibt eine Erklärung für die Existenz des Universums.

Und aus 2 und 4 folgt die logische Schlussfolgerung:

5. Also ist Gott die Erklärung für die Existenz des Universums.

Nun, das ist ein logisch wasserdichtes Argument. Wenn der Atheist die Schlussfolgerung ablehnen will, muss er also sagen, dass eine der drei Prämissen falsch ist.

Doch welche wird er ablehnen? Prämisse 3 ist für jeden, der aufrichtig nach der Wahrheit sucht, unbestreitbar. Somit muss der Atheist entweder (1) oder (2) ablehnen, wenn er ein Atheist bleiben und rational sein will. Die Frage ist also letztendlich: Sind die Prämissen 1 und 2 wahr, oder sind sie falsch? Sehen wir sie uns an.

Laut Prämisse 1 gibt es zwei Arten von Dingen: (a) Dinge, die notwendigerweise existieren, und (b) Dinge, die kontingent existieren. Dinge, die notwendigerweise existieren, existieren aus einer Notwendigkeit ihres eigenen Wesens heraus. Viele Mathematiker sind der Meinung, dass Zahlen, Mengen und andere mathematische Entitäten so existieren. Ihre Existenz wird nicht von etwas Anderem verursacht; sie existieren einfach aus der Notwendigkeit ihres eigenen Wesens heraus. Die Existenz kontingenter Dinge hingegen wird von etwas Anderem verursacht. Sie existieren, weil etwas Anderes sie verursacht hat. Vertraute physische Objekte wie Menschen, Planeten und Galaxien gehören in diese Kategorie.

Welchen Grund könnte man also dafür anführen, dass Prämisse 1 wahr ist? Nun, wenn Sie einmal darüber nachdenken – Prämisse 1 ist mehr oder weniger selbstevident. Stellen Sie sich vor, Sie wandern durch einen Wald und stoßen auf einen lichtdurchlässigen Ball, der auf dem Waldboden liegt. Sie würden sich natürlich fragen, wie er da hingekommen ist. Wenn einer Ihrer Begleiter daraufhin sagen würde: „Dafür gibt es keine Erklärung, vergiss es einfach!“, würden Sie entweder denken, er sei verrückt, oder daraus schließen, dass er einfach nur weitergehen will. Niemand würde die Aussage ernstnehmen, dass der Ball dort buchstäblich ohne eine Erklärung existiert.

Und nehmen wir jetzt an, Sie vergrößern den Ball in dieser Geschichte, bis er so groß ist wie ein Auto. Das würde das Bedürfnis, eine Erklärung dafür zu finden, in keiner Weise stillen oder beseitigen. Nehmen wir an, er wäre so groß wie ein Haus. Das Problem bleibt. Nehmen wir an, er wäre so groß wie ein Kontinent oder ein Planet. Das Problem bleibt. Nehmen wir an, er wäre so groß wie das ganze Universum. Das Problem bleibt. Einfach den Ball zu vergrößern, stillt das Bedürfnis nach einer Erklärung in keiner Weise.

Prämisse 1 ist die Prämisse, die der Atheist meistens ablehnt. Manchmal antworten Atheisten auf Prämisse 1, dass sie auf alles im Universum zutrifft, aber nicht auf das Universum selbst. Doch diese Antwort ist das, was man treffend „Taxi-Trugschluss“ genannt hat. Denn wie Arthur Schopenhauer, ein atheistischer Philosoph im 19. Jahrhundert, witzelnd bemerkte, kann man Prämisse 1 ("Für alles, was existiert, gibt es eine Erklärung") nicht einfach wie ein Taxi wegschicken, wenn man am gewünschten Ziel angelangt ist!

Es wäre reine Willkür auf Seiten des Atheisten, zu behaupten, dass das Universum die Ausnahme der Regel ist. Die Illustration mit dem Ball im Wald hat gezeigt, dass das Bedürfnis nach einer Erklärung für die Existenz eines jeweiligen Gegenstandes nicht dadurch beseitigt wird, dass man den Gegenstand vergrößert – auch nicht, wenn man ihn so lange vergrößert, bis er so groß wie das Universum selbst ist.

Beachten Sie auch, wie unwissenschaftlich diese Erwiderung des Atheisten ist. Denn die moderne Kosmologie widmet sich der Suche nach einer Erklärung für die Existenz des Universums. Die Einstellung des Atheisten würde die Naturwissenschaft zum Krüppel machen.

Manche Atheisten haben versucht, ihren Standpunkt, dass das Universum eine Ausnahme zu Prämisse 1 darstellt, zu rechtfertigen, indem sie sagen, dass es unmöglich ist, dass es eine Erklärung für die Existenz des Universums gibt. Denn die Erklärung für das Universum würde eine vorhergehende Sachlage voraussetzen, in der das Universum noch nicht existierte. Doch das wäre das Nichts, und das Nichts könne keine Erklärung irgendeiner Sache sein. Deshalb müsse das Universum einfach ohne Erklärung existieren.

Diese Argumentationslinie ist offensichtlich fehlerhaft. Denn sie setzt voraus, dass es außerhalb des Universums nichts gibt, sodass nichts bliebe, wenn es das Universum nicht gäbe. Mit anderen Worten: Der Einwand setzt voraus, dass der Atheismus wahr ist! Der Atheist begeht hier also den Fehlschluss der petitio principii, indem er voraussetzt, was eigentlich noch zu beweisen wäre; er argumentiert im Kreis. Ich stimme darin überein, dass die Erklärung für das Universum eine vorhergehende Sachlage voraussetzen würde, in der das Universum nicht existierte. Doch ich behaupte, dass diese Sachlage Gott und sein Wille ist, nicht das Nichts.

Daher erscheint es mir plausibler, dass Prämisse 1 wahr ist, und nicht falsch, womit wir schon genug für ein gutes Argument haben.

Und wie steht es mit Prämisse 2? Ist es plausibler, dass sie wahr oder dass sie falsch ist?

An dieser Stelle ist es für den Atheisten wirklich unvorteilhaft, dass Prämisse 2 logisch äquivalent zu der typischen Erwiderung eines Atheisten auf das Argument der Kontingenz ist. Zwei Aussagen sind logisch äquivalent, wenn es unmöglich ist, dass gleichzeitig die eine wahr und die andere falsch ist. Sie stehen und fallen zusammen. Was erwidert also der Atheist fast immer auf das Argument der Kontingenz? Er behauptet meistens Folgendes:

A. Wenn der Atheismus wahr ist, gibt es keine Erklärung für die Existenz des Universums.

Genau das erwidert der Atheist auf Prämisse 1. Das Universum existiert einfach, ohne dass es dafür eine Erklärung gibt. Doch das ist logisch äquivalent zu der Aussage:

B. Wenn es eine Erklärung für die Existenz des Universums gibt, stimmt der Atheismus nicht.

Man kann also nicht (A) zustimmen und dann (B) verneinen.

Doch (B) ist praktisch gleichbedeutend mit Prämisse 2! Als Atheist auf Prämisse 1 zu erwidern, dass es keine Erklärung für das Universum gibt, heißt also, Prämisse 2 implizit zuzustimmen, laut der Gott existiert, wenn es für das Universum sehr wohl eine Erklärung gibt.

Abgesehen davon ist Prämisse 2 an sich schon sehr plausibel. Denn bedenken Sie einmal, was das Universum ist: die gesamte Raum-Zeit-Realität, einschließlich der gesamten Materie und Energie. Daraus folgt: Wenn es eine Ursache für das Universum gibt, muss diese Ursache ein körperloses, immaterielles Wesen jenseits von Raum und Zeit sein. Nun, es gibt nur zwei Arten von Dingen, auf die diese Beschreibung passen könnte: entweder ein abstraktes Objekt, wie eine Zahl, oder ein körperloses Geistwesen. Doch abstrakte Objekte können nichts verursachen. Das gehört zur Bedeutung des Wortes „abstrakt“. Die Zahl 7, zum Beispiel, kann keine Wirkungen verursachen. Daher muss die Ursache der Existenz des Universums ein transzendentes Geistwesen sein, worunter Gläubige Gott verstehen.

Das Argument belegt also die Existenz eines notwendigen, unverursachten, zeitlosen, raumlosen, immateriellen, persönlichen Schöpfers des Universums. Das ist wirklich überwältigend!

Der Atheist hat an dieser Stelle noch eine Option offen. Er kann rückwärtsgehen, seinen Einwand gegen Prämisse 1 zurücknehmen und stattdessen behaupten: Ja, es gibt doch eine Erklärung für die Existenz des Universums. Doch diese Erklärung lautet: Das Universum existiert aus einer Notwendigkeit seines Wesens heraus. Für den Atheisten könnte das Universum also als eine Art Gott-Ersatz dienen, der notwendigerweise existiert.

Das wäre für einen Atheisten allerdings ein sehr radikaler Schritt, und mir fällt auch kein heutiger Atheist ein, der diese Meinung tatsächlich vertritt. Auf einer Philosophy of Time-Konferenz vor einigen Jahren auf dem Santa Barbara City College war ich zunächst der Meinung, dass sich Professor Adolf Grünbaum, ein vehementer atheistischer Wissenschaftsphilosoph von der Universität Pittsburgh, mit dieser Vorstellung anfreundete. Doch als ich ihn als Zuhörer fragte, ob er denke, dass das Universum notwendigerweise existiert, war er richtig empört. „Natürlich nicht!“, bellte er, und behauptete daraufhin, dass das Universum einfach existiert, ohne dass es eine Erklärung dafür gibt.

Es liegt auf der Hand, warum Atheisten von dieser Alternative nicht begeistert sind. Bei der Beobachtung des Universums erkennen wir, dass nichts von all den Dingen, aus denen es besteht, ob Sterne, Planeten, Galaxien, Staub, Strahlung oder sonst etwas, notwendigerweise zu existieren scheint. Sie könnten alle auch nicht existieren; ja als das Universum in der Vergangenheit einmal sehr dicht war, existierte nichts davon.

Doch manche mögen hier einwenden: Was ist mit der Materie, aus der diese Dinge bestehen? Vielleicht existiert diese Materie notwendigerweise, und all diese Dinge sind einfach verschiedene kontingente Konfigurationen der Materie. Das Problem hierbei ist, dass die Materie laut dem Standardmodell der subatomaren Physik aus kleinen Partikeln besteht, die „Quarks“ genannt werden. Das Universum ist einfach die Ansammlung all dieser unterschiedlich angeordneten Quarks. Doch nun stellt sich die Frage: Könnte nicht auch eine andere Ansammlung von Quarks statt dieser existieren? Existieren alle Quarks notwendigerweise?

Beachten Sie, was der Atheist an dieser Stelle nicht sagen kann. Er kann nicht sagen, dass die Elementarteilchen nur Materie-Konfigurationen sind, die auch anders hätten ausfallen können, auch wenn die Materie, aus der die Quarks bestehen, notwendigerweise existiert. Er kann das nicht sagen, weil Quarks nicht aus etwas anderem bestehen! Sie sind einfach die Grundeinheit der Materie. Wenn also ein Quark nicht existiert, existiert auch die Materie nicht.

Nun scheint es offensichtlich, dass auch eine andere Menge von Elementarteilchen anstelle der Menge, die jetzt existiert, existieren könnte. Doch wenn das der Fall wäre, würde ein anderes Universum existieren. Denken Sie als Verständnishilfe an Ihren Schreibtisch. Könnte Ihr Schreibtisch auch aus Eis bestehen? Damit meine ich nicht, ob Sie auch einen Eistisch mit derselben Größe und Form wie Ihr Holztisch anstelle Ihres Holztisches haben könnten, sondern ob Ihr Tisch, der aus Holz ist, ob dieser Tisch auch aus Eis bestehen könnte. Die Antwort lautet offensichtlich: Nein. Der Eistisch wäre ein anderer Tisch, nicht derselbe.

So wäre auch ein Universum aus anderen Quarks, selbst wenn sie genauso wie in unserem Universum angeordnet wären, ein anderes Universum. Daraus folgt also, dass das Universum nicht aus einer Notwendigkeit seines eigenen Wesens heraus existiert.

Atheisten waren daher noch nicht so mutig, Prämisse 2 zu verneinen und zu behaupten, dass das Universum notwendigerweise existiert. Bei Prämisse 2 scheint es auch plausibler, dass sie wahr ist.

Doch aufgrund der Wahrheit der drei Prämissen führt nun kein Weg mehr an der Schlussfolgerung vorbei: Gott ist die Erklärung für die Existenz des Universums. Außerdem impliziert das Argument, dass Gott ein körperloses Geistwesen ohne Ursache ist, das über das physische Universum und auch Raum und Zeit hinausgeht und selbst notwendigerweise existiert. Was für ein großartiges Argument!

(Übers.: J. Booker)

Link to the original article in English: /argument-from-contingency

- William Lane Craig