#68 Das Zeugnis des Heiligen Geistes
July 12, 2016Frage #1:
Sehr geehrter Herr Prof. Craig,
ich bin Mitglied eines Apologetik-Diskussionsforums, und vor kurzem wurde ein Beitrag gepostet über Ihre Meinung zu Fakten und Belegen.
Er bezog sich auf ein Interview, das Sie hier gegeben haben:
http://video.google.com/videoplay?docid=-4538185102301600532...
(oder „Umgang mit Zweifeln“[1] unter /media auf dieser Seite – Anm. d. Red.)
Der Beitrag des Skeptikers hatte den Titel: „WL Craig sagt, Belege sind im Vergleich zum Glauben unwichtig“.
Ich habe mir das Interview angesehen und es überhaupt nicht so verstanden. Ich habe es so verstanden, dass Sie sich für die Vorstellung ausgesprochen haben, dass nicht alle Fragen über unseren Glauben beantwortet werden können und wir nicht bei jedem Einwand den Mut verlieren sollten. Ich denke nicht, dass es ein Aufruf war, starke Belege dafür, dass unser Glaube falsch ist, zugunsten des Heiligen Geistes abzustreiten.
Die Skeptiker haben meine Interpretation Ihres Interviews bisher nicht akzeptiert, deswegen habe ich gesagt, ich würde Sie bitten, für Klarheit zu sorgen.
Prof. Craig, sind Sie der Meinung, dass starke Belege ignoriert werden sollten, wenn sie nachweisen, dass unser Glaube wahrscheinlich falsch ist? Ich meine die Antwort schon zu wissen, lasse Sie das aber gerne klarstellen.
Adam
– ohne Angabe zum Land
Frage #2:
Dies ist eine Frage zur reformierten Epistomologie. Ich habe Plantingas „Gewährleisteter christlicher Glaube“ fast fertig gelesen und bin der Meinung, dass Plantingas Modell, oder ein sehr ähnliches, die Epistomologie darlegt, die der Bibel am ehesten entspricht.
Doch lauert eine Frage noch im Hintergrund: Gibt es für Plantinga absolut keinen – hypothetischen oder aktualen – Umstand, unter dem es für einen Gläubigen irrationale wäre, am christlichen Glauben festzuhalten? Könnte es nicht sein, dass sich die Belege stapeln, sodass der Glaube an Gott irrational wird – so ähnlich, wie wenn ich vielleicht den Glauben an die Richtigkeit einer Erinnerung aufgeben muss, wenn genügend Belege dafür vorgebracht werden können, dass sie wahrscheinlich nicht stimmt?
Ist es nicht so, dass ein anfänglicher, basaler Glaube an Gott oder das christliche Evangelium zumindest von Belegen oder Argumenten aufrechterhalten werden muss, da unser Fokus angesichts eines potenziellen Entwerters vom basalen Glauben zum potenziellen Entwerter schwenkt – der dann aktual werden könnte?
Oder würde Plantinga sagen, dass das Zeugnis des Heiligen Geistes ein intrinsischer Entwerter gegen praktisch jeden Einwand ist? Und wenn er das sagen würde, ist ein erfolgreicher Entwerter dann nicht prinzipiell unmöglich?
Danke.
Kyle.
– ohne Angabe zum Land
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Dr. craig’s response
A [
Mich überrascht, wie viele Missverständnisse es in Bezug auf die sogenannte Reformierte Epistemologie gibt. Ich habe meine eigenen Ansichten sowohl in Reasonable Faith[2] (2008) als auch Five Views on Apologetics[3] (2000) ausführlich dargelegt. Ich hege den Verdacht, dass viele Ungläubige, die kein Verständnis für religiösen Glauben haben, sich – im Gegensatz zu Ihnen, Kyle – einfach nicht die Zeit nehmen, die Werke der jeweiligen Epistemologen zu lesen und wirklich mit den jeweiligen Themen ringen. Vielmehr geben sie sich mit ein paar kurzen Soundclips zufrieden und damit, diese als selbstevident absurd zu denunzieren.
Ein Wort zum Hintergrund: Plantinga hat scharfe Kritik am – wie er ihn nennt – klassischen Fundamentalismus geübt, also der Doktrin, dass man nur dann rational berechtigt ist, an die Wahrheit einer Proposition zu glauben, wenn diese Proposition entweder Teil des selbstevidenten und unkorrigierbaren Fundaments des Wissens ist oder auf Belegen aufbaut, die letztendlich auf einem solchen Fundament beruhen. Gemäß dem sogenannten evidentialistischen Einwand auf religiösen Glauben wäre es irrational, der Proposition „Gott existiert“ ohne Belege für deren Wahrheit zu glauben, da diese Proposition nicht selbstevident oder unkorrigierbar ist.
Plantinga zeigt somit erstens auf, dass diese Art von Epistemologie uns alle zur Irrationalität zwingen würde, da die meisten unserer Überzeugungen nicht mittels Belegen gerechtfertigt werden können. Nehmen wir beispielsweise die Überzeugung, dass die Welt nicht vor fünf Minuten geschaffen wurde – mit integrierten Gedächtnisspuren, Essen in unseren Mägen von Mahlzeiten, die wir eigentlich nie zu uns genommen haben, und anderen Alterserscheinungen. Oder die Überzeugung, dass die uns umgebende externe Welt echt ist und keine computergenerierte virtuelle Realität ist. Jeder, der einen Film wie Matrix gesehen hat, realisiert, dass ein Mensch, der in einer solchen virtuellen Realität lebt, keinen Beleg dafür hat, dass er sich nicht in einer solchen illusorischen Welt befindet. Dabei ist es doch freilich rational, dass wir daran glauben, dass die Welt um uns echt ist und schon länger als fünf Minuten existiert, auch wenn wir keine Belege dafür haben.
Zweitens zeigt Plantinga auf, dass der klassische Fundamentalismus sich selbst widerlegt. Der Evidentialist behauptet, dass nur Propositionen, die selbstevident oder unkorrigierbar sind, berechtigterweise basal sind, d. h. Teil des Fundaments des Wissens. Doch da fragt Plantinga: Ist die Proposition „Nur Propositionen, die selbstevident oder unkorrigiertbar sind, sind berechtigterweise basal“ selbst berechtigterweise basal? Anscheinend nicht, denn sie ist gewiss nicht selbstevident oder unkorrigierbar. Wenn wir dieser Proposition also rational glauben sollen, müssen wir Belege dafür haben, dass sie wahr ist. Doch die gibt es nicht. Die Proposition scheint einfach nur eine willkürliche Definition zu sein – und kein plausible obendrein!
Der klassische Fundamentalismus ist also hoffnungslos fehlerhaft. Viele unserer Überzeugungen, die wir rational annehmen und von denen wir sogar wissen, dass sie wahr sind, beruhen nicht auf Belegen, sondern sind berechtigterweise basal für uns, auch wenn sie weder selbstevident noch unkorrigierbar sind. Ja, der Philosoph George Mavrodes hat einmal zu mir gesagt, dass wir dazu neigen, uns unser System an Überzeugungen wie einen Wolkenkratzer vorzustellen, mit vielen Überzeugungen, die auf Fundamenten stehen; Plantingas Ansicht nach ist unser System an Überzeugungen eher wie ein großes, leeres Baugelände mit weitläufigen Fundamenten, die überall verteilt sind und auf denen hier und dort ein paar Steine aufeinandergebaut sind. Die Illustration trifft es gut. Denn wie Plantinga zeigt: Nicht nur unsere Wahrnehmungsüberzeugungen, sondern unter anderem auch unsere Erinnerungs- und Erfahrungsüberzeugungen sind berechtigterweise basal.
Plantinga betont, dass seine Epistemologie nicht fideistisch ist. Berechtigterweise basale Überzeugungen sind Äußerungen des Verstandes, nicht des Glaubens. Zudem impliziert sein Modell nicht, dass einfach jede x-beliebige Überzeugung berechtigterweise basal ist. Eine Überzeugung muss auf bestimmten Umständen aufbauen, um berechtigterweise basal zu sein. Beispielsweise baue ich durch den Umstand, dass ich andere Menschen visuelle und auditiv erfahre, die Überzeugung auf, dass es außer mir noch andere Menschen gibt. Ohne diese zugrundeliegenden Umstände wäre diese Überzeugung willkürlich und irrational. Mein Glaube an die Realität anderer Menschen kann nicht aus Belegen geschlussfolgert werden, aber in derlei Umständen dennoch berechtigterweise basal sein.
Nun fragt Plantinga: Warum können religiöse Überzeugungen nicht berechtigterweise basal sein? Gute Frage! Plantinga hat ein Modell entwickelt, demzufolge der christliche Glaube sowohl in Bezug auf die Rationalität als auch auf die Rechtfertigung berechtigterweise basal ist. Plantinga argumentiert, dass das Modell eine absolut tragbare Erklärung dafür bietet, dass christliche Überzeugungen auf basale Weise sowohl rational als auch gerechtfertigt sein können, was bedeutet, dass es keinen guten Einwand gegen seine Erklärung gibt außer einen Angriff auf die Wahrheit des Christentums selbst. Ja, er ist der Meinung, dass sein Modell oder ein ähnliches sehr wahrscheinlich richtig ist, wenn das Christentum wahr ist. Daraus folgt, dass der Nicht-Christ, der die Rationalität des christlichen Glaubens infrage stellen will, die Wahrheit des Christentums selbst infrage stellen muss.
Eine entscheidende Rolle in Plantingas Modell spielt das, was man für gewöhnlich das innere Zeugnis des Heiligen Geistes nennt. Gemäß diesem Modell fungiert der Heilige Geist analog zu einer kognitiven Fähigkeit und generiert Überzeugungen in uns. Ich persönlich halte das Zeugnis des Geistes eher für eine Art wörtlichen Zeugnisses oder für einen Teil der Erfahrungsumstände, die als Grundlage für den Glauben an Gott und die großen Wahrheiten des Evangeliums dienen. In beiden Fällen sind seine Äußerungen berechtigterweise basal.
Ich habe das Zeugnis von Gottes Heiligem Geist als selbstbestätigend beschrieben. In Reasonable Faith schreibe ich hierzu:
Damit meine ich, dass das Erfahren des Heiligen Geistes für den jeweiligen Menschen wahrheitsgetreu und untrüglich (wenn auch nicht unbedingt unwiderstehlich und unzweifelhaft) ist; dass dieser Mensch keine zusätzlichen Argumente oder Belege mehr braucht, um zu wissen – ja, mit Zuversicht zu wissen –, dass er tatsächlich den Geist Gottes erfährt; dass ein solches Erfahren in diesem Fall nicht als Prämisse in einem Argument von einer religiösen Erfahrung zu Gott hin fungiert, sondern vielmehr das unmittelbare Erfahren von Gott selbst ist; dass das Erfahren des Heiligen Geistes in bestimmten Kontexten das Erfassen bestimmter Wahrheiten der christlichen Religion impliziert, wie „Gott existiert“, „Ich bin von Gott verurteilt“, „Ich bin mit Gott versöhnt“, „Christus lebt in mir“ usw.; dass eine solche Erfahrung einem nicht nur subjektive Gewissheit über die Wahrheit des Christentums verleiht, sondern objektives Wissen von dieser Wahrheit; und dass Argumente und Belege, die nicht mit dieser Wahrheit kompatibel sind, bei demjenigen, der sich der Erfahrung des Heiligen Geistes ganz hingibt, von dieser Erfahrung überwältigt werden.
Nun, ich halte es für beinahe offensichtlich, dass Gott, wenn er existiert, natürlich im Stande ist, sich Menschen so zu bezeugen. Oder sollten wir etwa denken, dass ein allmächtiges Wesen, das den Menschen und all seine Fähigkeiten mit dem Ziel gemacht hat, dass der Mensch dieses Wesen erkennt, nicht in der Lage ist, so klar und untrüglich zu Menschen zu sprechen? Ich bin deswegen der Meinung, dass Plantinga völlig richtig liegt mit seiner Behauptung, dass es, abgesehen von einer Kritik an der Wahrheit des christlichen Theismus selbst, keinen guten Einwand auf eine solche Epistemologie gibt. Wenn ein Ungläubiger anderer Meinung ist, lade ich ihn ein, sein Argument darzulegen. Es reicht nicht, einfach Empörung vorzutäuschen und gegen diese Ansicht zu schimpfen.
Jemand, der auf Basis des Zeugnisses des Heiligen Geistes weiß, dass das Christentum wahr ist, mag vielleicht auch eine gute Apologetik haben, die das Zeugnis des Geistes bei ihm verstärkt oder bestätigt, aber sie ist nicht das Fundament für die Art und Weise, auf die er weiß, dass das Christentum wahr ist. Wenn die Argumente der natürlichen Theologie und der christlichen Belege, wie ich selbst behaupte, erfolgreich sind, dann wird der christliche Glaube ebenfalls durch solche Argumente und Belege für denjenigen gerechtfertigt, der sie erfasst, auch wenn diese Person ohne derlei Argumente und Belege eine Rechtfertigung hätte. Eine solche Person ist zweifach gerechtfertigt, den christlichen Glauben zu haben, d. h. sie hat zwei „Rechtfertigungsquellen“. Evidentielle Argumente zugunsten des Christentums sind meiner Meinung nach also ausreichend für das Wissen, dass das Christentum wahr ist, aber nicht notwendig für das Wissen, dass das Christentum wahr ist.
Nun, die Frage, die Sie beide stellen, betrifft die Rolle der Entwerter des christlichen Glaubens. Berechtigterweise basale Überzeugungen können anfechtbar sein; sie können durch andere nicht kompatible Überzeugungen, zu denen man vielleicht noch gelangt, entwertet werden. In einem solchen Fall muss die jeweilige Person entweder einen Entwerter für den Entwerter finden oder sonst einige ihrer Überzeugungen aufgeben, will sie bleiben. So sieht sich beispielsweise ein Christ, der auf das Problem des Übels stößt, einem potentiellen Entwerter seines Glaubens an Gott gegenüber. Die christliche Apologetik kann dabei helfen, auf das Problem des Übels Antworten wie z. B. das Argument des Freien Willens zu finden, um die mutmaßlichen Entwerter zu entwerten.
Doch Plantinga meint auch, dass in manchen Fällen der ursprüngliche Glaube in Sachen Rechtfertigung den angeblichen Entwerter so sehr überragt, dass er zu einem intrinsischen Entwerter seines mutmaßlichen Entwerters wird. Er führt das Beispiel einer Person an, die einer Straftat bezichtigt wird und gegen die alle Belege sprechen, obwohl diese Person weiß, dass sie unschuldig ist. In diesem Fall ist diese Person nicht rational dazu verpflichtet, den Glauben an die eigene Unschuld aufzugeben und stattdessen die Belege für ihre Schuld zu akzeptieren. Die Überzeugung, dass sie die Straftat nicht begangen hat, ist ein intrinsischer Entwerter des Entwerters, den die Belege gegen die Überzeugung aufgeboten haben. Plantinga wendet dies theologisch an, indem er argumentiert, dass der Glaube an Gott alle Entwerter, die dagegen aufgeboten werden mögen, ähnlich intrinsisch entwerten könnte.
So weit ich weiß, verschreibt sich Plantinga nicht eindeutig der Ansicht, dass das Zeugnis des Heiligen Geistes ein intrinsischer Entwerter-Entwerter ist. Eine solche These ist unabhängig vom dargelegten Modell. Ich habe aber sehr wohl argumentiert, dass das Zeugnis des Geistes tatsächlich ein intrinsischer Entwerter jedes ihm entgegengebracht Entwerters ist. Ich halte es nämlich für unvorstellbar, dass Gott zulassen würde, dass ein Gläubiger sich in einer Position befindet, in der er rational dazu verpflichtet wäre, Apostasie zu begehen und Christus aufzugeben. Ich denke, dass ein liebender Gott in einer solchen Situation vielmehr das Zeugnis des Heiligen Geistes so intensivieren würde, dass er ein intrinsischer Entwerter des Entwerters wird, dem sich die jeweilige Person gegenübersieht.
Nun könnte man sagen, dass Gott tatsächlich nicht zulassen würde, dass jemand in die Situation kommt, in der es am rationalsten wäre, sich vom Glauben und Gott zu entfernen; Gott würde der Person vielmehr genügend Belege dafür bieten, durch Argumente und Belege den angeblichen Entwerter zu entwerten. Ich gebe zu, dass eine solche Ansicht möglich ist (wie könnte man das als Verfechter des Mittleren Wissens nicht zugeben?). Doch wenn ich mir die Welt ansehe, in der wir tatsächlich leben, erscheint mir eine solche Ansicht naiv.
Die allermeisten Menschen in der Welt haben nicht die Zeit, die Ausbildung und die Ressourcen, um eine vollwertige christliche Apologetik als Grundlage ihres Glaubens zu entwickeln oder die verschiedenen Entwerter, auf die sie treffen, zu entwerten. Auf meinen bisherigen Auslandsreisen hat mich die Notlage der Christen, die manchmal in verheerenden Situationen stecken, sehr bewegt. In Europa ist die Universitätskultur beispielsweise überaus säkular und sogar atheistisch. Als wir in Deutschland lebten, habe ich dort viele Theologiestudenten getroffen, deren Professoren sie nur noch radikaler Bibelkritik und anti-christlicher Wissenschaft ausgesetzt haben. Diese Studenten hielten trotz der Belege am christlichen Glauben fest. In Osteuropa und Russland war es noch weitaus schlimmer. Ich wünschte, ich könnte Ihnen die geistliche Finsternis und Unterdrückung vermitteln, die in der Sowjetunion hinter dem Eisernen Vorhang herrschten. Ich weiß noch, wie ich einen russischen Gläubigen einmal fragte: „Habt ihr keine Ressourcen, die euch als Christen im Leben weiterhelfen?“ Er antwortete: „Also, es gibt eine vom Staat herausgegebene Enzyklopädie des Atheismus, und wenn man liest, was dort angegriffen wird, kann man etwas lernen. Aber das war's eigentlich auch schon.“ Diese Geschwister ertrugen schreckliche Unterdrückung und atheistische Indoktrinierung durch das marxistische Regime und gaben Christus trotzdem nicht auf. Wie ich auch in meiner Antwort auf Frage #13 klarstellte, ändern sich Belege von Generation zu Generation und von Ort zu Ort und sind nur ein paar Privilegierten zugänglich, die die Ausbildung, die Zeit und die Ressourcen haben, um sie zu erkunden. Gott bietet für unseren Glauben eine sicherere Grundlage als wackelige Belege und Argumente, nämlich den in uns wohnenden Heiligen Geist.
Zudem scheint diese Schlussfolgerung mit der neutestamentlichen Lehre über das Zeugnis des Heiligen Geistes übereinzustimmen. Zwar lehnen Ungläubige die neutestamentliche Lehre ab, doch Christen sollten sie ernst nehmen. Sinnen Sie also über die Worte des Johannes nach:
Und der Geist ist es, der Zeugnis gibt, weil der Geist die Wahrheit ist. . . . Wenn wir das Zeugnis der Menschen annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer; denn das ist das Zeugnis Gottes, das er von seinem Sohn abgelegt hat. Wer an den Sohn glaubt, der hat das Zeugnis in sich selbst; wer Gott nicht glaubt, der hat ihn zum Lügner gemacht, weil er nicht an das Zeugnis geglaubt hat, das Gott von seinem Sohn abgelegt hat (1Jo 5,6-10).
Als Christen haben wir das Zeugnis, dass Gott in uns lebt, den Heiligen Geist, dessen Zeugnis in Sachen Kraft alle menschlichen Zeugnisse überragt.
Um Ihre Frage, Kyle, also zu beantworten: Ich denke schon, dass Gott nicht zulassen wird, dass jemand in die Situation kommt, in der es rational für ihn wäre, Gott und Christus abzulehnen und sich von Gott zu trennen. Dadurch, dass Gott die essentielle Eigenschaft hat, all-liebend zu sein, bin ich geneigt zu sagen, dass so etwas nicht nur niemals passieren wird, sondern dass es tatsächlich unmöglich ist. Daraus folgt, dass Christen, die vom Glauben abgefallen sind, dies dem Wirken des Heiligen Geistes zum Trotz getan haben, indem sie den Geist ausgelöscht oder betrübt haben, sodass ihr Abfall letztendlich das Irrationale war.
Impliziert dies, Adam, dass ich, wie Ihre Skeptiker sagen, der Meinung bin, dass „Belege im Vergleich zum Glauben unwichtig sind?“ Nein, weil sie hier Äpfel mit Birnen vergleichen. Es geht hier nicht um den Glauben, sondern um die Grundlage für den Glauben. Müssen Belege die Grundlage für den Glauben sein? Das ist die Frage. Wir haben bereits gesehen, dass der Evidentialismus bankrott ist. Viele der Dinge, die wir wissen, basieren nicht auf Belegen. Warum muss dann der Glaube an Gott darauf basieren? Der Glaube an Gott und die großen Wahrheiten des Evangeliums sind keine blinden Glaubensübungen, kein grundloser Sprung ins Dunkle. Vielmehr gehört der christliche Glaube, wie Plantinga auch betont, zu den Äußerungen des Verstands, gegründet im Zeugnis des Heiligen Geistes im Inneren, das eine objektive Realität ist, die mir von Gott vermittelt wird.
Was stimmt, ist, dass Belege, wie sie in diesen Diskussionen definiert werden, eine zweitrangige Rolle im Vergleich zu der Rolle haben, die Gott selbst in der Rechtfertigung des christlichen Glaubens spielt. Sollten wir also starke Belege ignorieren, wenn sie nachweisen, dass unser Glaube wahrscheinlich falsch ist? Natürlich nicht! Meine Arbeit als Philosoph ist ein Beispiel für die Bemühung, Einwände gegen den christlichen Glauben direkt anzugehen und Antworten darauf zu finden. Doch die meisten Christen weltweit haben diesen Luxus nicht. Für sie gilt, dass sie vielleicht an ihrem christlichen Glauben festhalten müssen, auch wenn sie keine Antwort auf den angeblichen Entwerter haben. Worauf ich bestehe, ist, dass sie das aufgrund des Zeugnisses des Heiligen Geistes in ihnen eine voll und ganz rationale Vorgehensweise ist.
(Übers.: J. Booker)
Link to the original article in English: /the-witness-of-the-holy-spirit
[1] Video in englischer Sprache – Anm. d. Übers.
[2] Crossway Books, 2008.
[3] Steven B. Cowan (Hg.), William Lane Craig, Gary R. Habermas, Paul D. Feinberg, John M. Frame, Kelly James Clarke; Zondervan, 2000.
- William Lane Craig
