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#212 Eine molinistische Sicht der biblischen Inspiration

July 12, 2016
Q

Ich habe die zweite Serie Ihres apologetischen Unterrichts (Defenders-2-podcast) angehört und gerade Einheit 4 über die Offenbarung beendet. In dieser Aufnahme verteidigen Sie die Perspektive des mittleren Wissens bezüglich der wörtlichen, vollen und konfluenten Sicht der Offenbarung. Meine Frage lautet: „Wenn wir uns auf mittleres Wissen berufen, um die Inspiration zu beschreiben, wie vermeiden wir dann die Aussage, dass alle Schriften in der Geschichte inspiriert sind?“ Würde Gott nicht genau wissen, welche Art von Buch irgendein Autor, sagen wir Christopher Hitchens, frei angesichts seiner speziellen Umstände schreiben würde? Darum sind alle Schriften, einschließlich die von Christopher Hitchens, inspiriert.

Aaron

<ul><li>United States</li></ul>

Dr. Craig

Dr. craig’s response


A [

Für diejenigen, die mit dem Hintergrund dieser Frage nicht vertraut sind, lassen Sie mich erklären, dass es sich hier um meine Verteidigung der wörtlichen, vollen und konfluenten Inspiration der Bibel handelt, wie sie sich in meinem Artikel 'Men Moved by the Holy Spirit Spoke from God' (2 Peter 1.21): A Middle Knowledge Perspective on Biblical Inspiration“ findet. Dort argumentiere ich, dass göttliches mittleres Wissen uns ermöglicht, die verbale, volle Inspiration der Schrift zu bejahen, ohne an göttliches Diktat zu glauben. Denn Gott weiß, unter welchen Umständen beispielsweise Paulus frei seinen Brief an die Römer schreiben würde. Indem er Paulus in diesen Umständen schuf, kann Gott es so bewirken, dass der Brief an die Römer genau die Botschaft ist, die Er uns vermitteln will.

Nun, Ihre Frage, Aaron, ist gut. Da Gott allwissend ist, weiß er, was jeder menschliche Schriftsteller frei schreiben würde, in welche Umstände auch immer Er ihn stellen mag. Indem Er Christopher Hitchens in die Umstände gestellt hat, in denen er gewesen ist, hat Gott souverän bewirkt, dass Christopher Hitches frei genau das schrieb, was er schrieb. Was macht also das eine zum Wort Gottes an uns und das andere nicht?

Der wesentliche Unterschied besteht nicht in der Art und Weise, wie Gott handelt. Vergessen Sie nicht, dass Inspiration eine Eigenschaft des geschriebenen Textes ist, nicht die Art und Weise, wie er hergestellt wird. (Obwohl ich der Vorstellung gegenüber völlig offen bin, dass die Umstände, in denen Paulus sich befand, als er frei den Brief an die Römer schrieb, bestimmte Wirkungen des Heiligen Geistes beinhaltet haben mögen, die in Hitchens Umständen fehlten). Der entscheidende Unterschied liegt vielmehr in Gottes Haltung gegenüber dem, was geschrieben wird. In dem einen Fall will Gott durch den Autor Seine Botschaft an uns vermitteln. Er beabsichtigt, dass der Brief an die Römer Sein Wort an uns ist. Der Brief an die Römer ist deshalb ein Fall von zweckgebundener oder beauftragter Rede, so wie ein Chef, der unter einen Brief, den seine Sekretärin selbstständig verfasst hat, seine Unterschrift setzt, um sie zu seinem eigenen zu machen. Im Gegensatz dazu erlaubt Gott Hitchens lediglich, das zu schreiben, was er schreibt, ohne dies als Wahrheit zu befürworten oder sie als Seine eigene anzunehmen. Gott lässt Hitchens seine Lügen hervorbringen, da in Seiner Vorsehung die Bücher von Hitchens ihren Teil in Gottes übergreifendem Plan für die Menschheit zu spielen haben. Aber Gott betrachtet Hitchens Bücher nicht als Sein Wort an uns, dem es zu vertrauen und zu gehorchen gilt. Darin liegt der wesentliche Unterschied zwischen der Bibel und jedem anderen literarischem Produkt freier menschlicher Tätigkeit.

(Übers.: B. Currlin)

Link to the original article in English: /a-molinist-perspective-on-biblical-inspiration

- William Lane Craig