back
05 / 06
bird bird

#230 Ist trinitarischer Monotheismus rechtgläubig?

November 1, 2016
Q

Sehr geehrter Prof. Craig,

Ich habe Ihren apologetischen Unterricht [Defenders 2 Podcast] angehört, seit er im Dezember 2009 erneut startete, und habe sehr von dem Inhalt profitiert. Ich möchte Ihnen für Ihre beständige Liebe zu Gott und seinen Wahrheiten danken. Ihre Arbeit ist ein wirklicher Segen. Neulich haben Sie in ihrem apologetischen Unterricht die Lehre von der Dreieinigkeit diskutiert. Die beiden letzten zwei Podcasts sind ein Versuch gewesen, die Beziehung zwischen den verschiedenen Personen der Trinität und ihre Einheit zu verstehen. Sie haben das Modell, das in Kapitel 29 des Buches Philosophical Foundations for a Christian Worldview erscheint, in Ihren Podcasts formuliert und verteidigt, wo Sie die Analogie des Zerberus aus der griechischen Mythologie verwenden.

Meine Frage hat mit Ihrem Trinitätsmodell und einem neueren Artikel zu tun, den ich gelesen habe, der mit ihrer Formulierung nicht übereinstimmt. Im Thomas Flints und Michael Reas Buch Oxford Handbook of Philosophical Theology, besonders in Kapitel 18, argumentiert Michael Rea gegen Ihre Formulierung (ab S. 415). Er bezeichnet das Modell, das Sie vertreten, als einen Part-Whole Trinitarismus. Er schreibt:

„Moreland und Craig wollen die Sicht bewahren, dass Gott göttlich ist, während sie leugnen, dass dieser Gott ein viertes göttliches Ding ist, gleichwertig mit den Personen. Somit unterscheiden sie zwei Arten von Göttlichkeit: die volle göttliche Natur, welche Gott besitzt und welche die Drei-Einigkeit impliziert; und eine abgeleitete göttliche Natur, die jede einzelne göttliche Person besitzt.“

Rae meldet dann Widerspruch an, indem er zwei Probleme aufwirft, die er für Ihr Modell als “vernichtend” bezeichnet. Zunächst argumentiert er, Sie seien nicht dazu in der Lage, die Eröffnungszeile des nizäanischen Glaubensbekenntnisses zu bekennen. Rae schreibt:

„… Moreland und Craig können nicht die Eröffnungszeile des nizäanischen Glaubensbekenntnisses bekennen: ´Wir glauben an Gott, den Vater, den Allmächtigen“. Denn ihrer Ansicht nach ist Gott ein grundlegend anderes Ding als der Vater“ (S.416).

Zweitens argumentiert Rae, dass das Model, welches Sie verteidigen, nicht den entscheidenden homoousion Teilsatz im selben Glaubensbekenntnis bestätigen kann, „es sei denn, sie verwerfen die Idee, dass es genau eine göttliche Natur gibt.“ Rae entfaltet dies weiter, wenn er schreibt:

“… die einzigen brauchbaren Interpretationen der Behauptung im Glaubensbekenntnis, dass der Sohn homoousion [eines Wesens; Anm. d. Übs.] mit dem Vater ist, beinhalten, dass der Sohn entweder numerisch dieselbe Substanz wie der Vater ist oder von selber Natur ist wie der Vater. (Naturen wurden auch als „Substanzen“ bezeichnet; daher mag konsubstanziell mit etwas zu sein einfach bedeuten, dieselbe Natur zu haben). Ersteres lehnen sie natürlich ab. Letzteres akzeptieren sie. Aber indem sie es akzeptieren, postulieren sie effektiv zwei göttliche Naturen, eine „echte“, die nur Gott besitzt; die andere abgeleitet, aber immer noch göttlich, welche zwei Personen besitzen. Natürlich könnten sie leugnen, dass die abgeleitete Natur eine göttliche Natur ist. Aber indem sie das tun, scheinen sie die Personen ihrer Göttlichkeit zu berauben, was mit anderen Teilen des nizäanischen und konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses in Konflikt geraten würde. Wenn all das richtig ist, dann hat der Teil/Ganzes-Trinitarismus ein ernsthaftes Problem …“. (S.416)

Ich bin neugierig, wie Sie Michael Rea antworten würden, da ich die Beiträge von Ihnen beiden, insbesondere zur Theologie und zur Förderung des Reiches Gottes im Allgemeinen, schätze. Ich bin nicht sicher, ob Sie mit Rae zuvor über diese Punkte verhandelt haben, aber ich würde sehr gerne eine Antwort auf diese Einwände hören. Nochmals vielen Dank für alles, was Sie tun.

Jeff

<ul><li>United States</li></ul>

Dr. Craig

Dr. craig’s response


A [

Danke, Jeff, dass Sie meine Aufmerksamkeit auf diese Kritiken lenken! Sind Sie vernichtend, wie Michael denkt?

Bekräftigt die Eröffnungszeile des Glaubensbekenntnisses, dass Gott nur der Vater ist? Ich denke, Michael berücksichtigt nicht den neutestamentlichen Hintergrund des Satzes, „wir glauben an Gott, den Vater, den Allmächtigen“. Im Glaubensbekenntnis lautet der Kontext dieses Satzes:

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen …
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,

Und an den Heiligen Geist.

Das Bekenntnis wurde von 1 Kor 8,6 genommen: „…so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn“.

Das Glaubensbekenntnis betont den Schlüsselsatz von Paulus „ein Gott, ein Vater … und ein Herr, Jesus Christus“ und fügt dann aus trinitarischen Gründen die knappe Erwähnung des Heiligen Geistes an. Wie Murray J. Harris in seinem ausgezeichneten Buch Jesus as God. The New Testament Use of Theos in Reference to Jesus (Baker, 1992) erklärt, ist der Grund, weshalb man im Neuen Testament relativ wenige Bezüge auf Jesus als ho theos (den Gott) findet, weil dieser Terminus für den Vater vorbehalten war. Wenn die neutestamentlichen Schreiber das Wort „Gott“ verwenden, dann beziehen sie sich typischerweise auf den Vater. Da die neutestamentlichen Schreiber nicht glaubten, dass Jesus der Vater sei, mussten sie andere Ausdrücke finden, um seine Göttlichkeit anzudeuten, wie zum Beispiel ho kyrios (der Herr). Das Glaubensbekenntnis folgt dieser Redeweise. Wenn es sich also auf „ein Gott, der Vater“ bezieht, dann muss das nicht so verstanden werden, als sei der Vater das Ganze dessen, wer Gott ist. Von ho theos zu sprechen, bedeutet einfach, über den Vater zu sprechen. Deshalb, wenn Jesus als der „Sohn Gottes“ bekannt wird, wird dies verstanden als „gezeugt vom Vater“.

Konsubstanziell (homoousion) mit dem Vater zu sein, ist dann nicht problematisch, denn der Vater wird nicht als das ganze Wesen gesehen, das Gott ist. Der Vater und der Sohn teilen dieselbe abgeleitete Natur (wie Michael es ausdrückt. Ich bin mit dieser Art zu unterscheiden nicht ganz glücklich). Wir sollten uns die göttlichen Personen nicht als Exemplare oder Instanziierungen von Gottes Natur vorstellen, ansonsten haben wir eine Quaternität anstatt einer Trinität. Es gibt nur ein Wesen, das der dreieinige Gott ist. Der Vater, Sohn und Geist teilen dieselben essenziellen Eigenschaften, durch die sie als göttlich gelten, wie Allmacht, Allwissen, moralische Vollkommenheit, Notwendigkeit usw. Es ist irreführend, die Natur der Personen der „echten“ Natur Gottes gegenüberzustellen, als ob ihre Göttlichkeit irgendwie zweitklassig oder nachgemacht sei. Das Skelett oder die DNA einer Katze ist ganz und echt katzenartig, selbst wenn diese nicht selber Katzen sind, das heißt, Instanziierungen der Katzennatur. Gleicherweise sind der Vater, der Sohn und der Geist echt göttlich, obwohl sie nicht jeder einzeln eine Trinität sind, d.h. ein Exemplar von Gottes Natur.

(Übers.: B. Currlin)

Link to the original article in English: /is-trinity-monotheism-orthodox

- William Lane Craig