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#23 Mittleres Wissen

January 14, 2016
Q

Frage 1:

Sehr geehrter Prof. Craig,

Eine der schwierigsten Fragen in der Soteriologie ist diese: „Was passiert mit Kleinkindern bzw. Säuglingen, die sterben, ohne die Gelegenheit gehabt zu haben, auf Gottes Offenbarung zu reagieren?“. An dieser Stelle wird gerne die Theorie vom „Alter der Verantwortlichkeit“ angeführt, die besagt, dass alle Kinder, die sterben, bevor sie ein bestimmtes Alter erreichen, direkt in den Himmel kommen. Diese Art von „universeller Amnestie“ erscheint mir jedoch völlig irrig. Denn wenn das so wäre, würden Seelen, die Jesus Christus auch später im Leben nie annehmen würden (Fälle von „transweltlicher Verdammnis“[1], wenn man so will), in den Himmel kommen, und zwar einfach weil diese Menschen vor dem „Alter der Verantwortlichkeit“ gestorben sind. Wie könnte ein gerechter und heiliger Gott solche Seelen in den Himmel lassen?

Ergäbe es nicht mehr Sinn, wenn ein gerechter und allwissender Gott mit berücksichtigen würde, was diese Kinder tun WÜRDEN, wenn ihnen mit mehr Zeit und Offenbarung die Gelegenheit gegeben würde, zu ihm zu kommen, und sie dementsprechend richten würde? Er sagt in Matthäus 11,20-34 selbst, dass er genau das bei manchen tun wird, und ich verstehe nicht, warum er diese faire Berücksichtigung nicht allen entgegenbringt, die aufgrund anderer Umstände „übergangen“ werden.

Vielen Dank im Voraus, wenn Sie sich die Zeit nehmen, hierauf zu antworten.

Aloha in Christus

Steve

Frage 2:

In Ihrem Artikel „Wie kann Christus der einzige Weg zu Gott sein?“[2] haben Sie versucht, die schwierige Frage der exklusiven Errettung in Christus allein zu beantworten. In einem Land wie Indien, aus dem ich komme, mit einer solch reichhaltigen, tief religiösen, uralten Tradition ist die Vorstellung, dass sich alle Vorfahren geirrt haben, unzumutbar. Das ist das einzige wirklich große Hindernis. Ist die Argumentation möglich, dass weniger nach dem gerichtet wird, was man nicht weiß, als nach dem, was man weiß, aber absichtlich ablehnt – also einer Art bester/höchster Wahrheit/Moral, die man kennt („Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen“[3]). Sehen Sie in der Schrift eine Grundlage für die Behauptung, dass nach den Taten/Entscheidungen gerichtet wird, und zwar unter Berücksichtigung der jeweils höchsten moralischen/philosophischen Wahrheit, die dem jeweiligen Menschen bekannt ist?

Sunil

Frage 3:

Sehr geehrter Prof. Craig,

Ihre Arbeit im Bereich Molinismus ist bisher sehr hilfreich für mich gewesen. Ich tue mir aber immer noch schwer, einige Aspekte davon zu akzeptieren. Ich glaube, wir sind frei, was die moralisch bedeutsamen Entscheidungen, die wir treffen, angeht, und ich glaube auch, dass Gott alles weiß (einschließlich freier Taten in der Zukunft). Ich weiß aber nicht, wie ich mein Problem erklären soll, und bin mit der molinistischen Erklärung nicht zufrieden. Deshalb habe ich ein Argument gegen den Molinismus formuliert. Nicht weil ich ihn angreifen möchte oder beweisen möchte, dass er irrig ist, sondern einfach um Klarheit über meinen eigenen Standpunkt zu bekommen. Hier ist das Argument:

1. Wenn die Handlung H, sich für x zu entscheiden, frei war, dann war H vor dem exakten Moment von H nicht existent, und vor dem exakten Moment von H gab es keine spezifizierbare Reihe von Umständen, aus denen man ableiten konnte, dass sich H ereignen würde.

2. Die Handlung H, sich für x zu entscheiden, war frei.

3. Also war H vor dem exakten Moment von H nicht existent, und vor dem exakten Moment von H gab es keine spezifizierbare Reihe von Umständen, aus denen man ableiten konnte, dass sich H ereignen würde. (Folgt aus 1 und 2)

4. Wenn H vor dem exakten Moment von H nicht existent war und wenn es vor dem exakten Moment von H keine spezifizierbare Reihe von Umständen gab, aus denen man ableiten konnte, dass sich H ereignen würde, dann kann Gott vor dem Ereignis von H nicht von H gewusst haben.

5. Also kann Gott vor dem Ereignis von H nicht von H gewusst haben. (Folgt aus 3 und 4)

In diesem Argument ist Prämisse 1 die umstrittenste Prämisse. Ihr wichtigster Teil besagt, dass es keine spezifizierbare Reihe von Umständen gibt, aus denen man vor der Entscheidung ableiten kann, wie die Entscheidung ausfällt, wenn die Handlung wirklich frei ist. Der Grund dafür, dass ich hiervon ausgehe, liegt in den Aussagen Thomas Flints in seinem Buch Divine Providence: The Molinist Account[4] (besonders Seite 39 stellt mich vor ein Rätsel – könnten Sie bitte darauf eingehen, was er dort über Cuthberts Leguane sagt?[5]). Auch wenn Flint hier vielleicht nicht zustimmen würde, verstehe ich die Sache folgendermaßen: Wenn die Reihe von Umständen, bevor Cuthbert den Leguan kauft oder nicht kauft, in beiden Fällen exakt gleich ist, dann könnte Gott von diesen Umständen ausgehend niemals wissen, wie sich ein freies Geschöpf unter den jeweiligen Umständen entscheiden würde.
Ich bin dieser Meinung, weil die vorhergehende Reihe von Umständen bist zum exakten Punkt, an dem sich Cuthbert entscheidet, in der K-Welt (in der er kauft) und in der Z-Welt (in der er sich zurückhält und nicht kauft) gleich waren, sie sich also in nichts unterschieden. Verstehe ich Flint hier richtig? Sehen Sie das auch so?

Zu guter Letzt habe ich noch eine Frage und eine Anmerkung, die in dieser Diskussion hilfreich sein könnten. Erstens: Erkennen Sie das „Prinzip der alternativen Möglichkeiten“[6] als Bedingung dafür an, dass eine Entscheidung im libertären Sinn frei ist? Sind Sie libertär? Ich habe gehört, dass Sie das Prinzip der alternativen Möglichkeiten ablehnen – stimmt das? Ich bin mir ziemlich sicher, dass bei meinem Argument irgendeine Art „Perzeptualismus“ vorausgesetzt wird. Ich weiß, dass Sie diese Art von Wahrnehmung von Gottes Wissen ablehnen und stattdessen ein konzeptualistisches Modell bevorzugen, aber ich habe von Ihnen bisher noch nichts gelesen, das diese Behauptung unterstützt, wobei man mir sagte, sie verträten diese Vorstellung in The Only Wise God[7]. Könnten Sie auch darauf zu sprechen kommen? Für jede Hilfe, die Sie anbieten können, wäre ich sehr dankbar!

John

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Dr. Craig

Dr. craig’s response


A [

Mittleres Wissen

Ich werde diese drei Fragen gemeinsam beantworten, weil sie alle mit der Lehre vom mittleren Wissen zu tun haben.

Nehmen wir Johns Frage zuerst, weil sie von grundlegender Natur ist. Es stimmt, John, dass (1) umstritten ist, aber ich persönlich akzeptiere die Prämisse. Manche mögen sie entweder abstreiten, weil sie der Meinung sind, dass Freiheit mit kausalem Determinismus vereinbar ist, oder weil sie von der B-Theorie der Zeit überzeugt sind, laut der zukünftige Ereignisse genauso existent sind wie gegenwärtige.

Wenn die Kompatibilisten richtig liegen, dann könnte Gott die künftigen freien Entscheidungen der Menschen aus gegenwärtigen Bedingungen ableiten, die kausal bestimmen, wie sich die Menschen entscheiden werden. Doch wie Sie schon angedeutet haben, bin ich libertär; ich bin also der Meinung, dass kausaler Determinismus nicht mit der Willensfreiheit vereinbar ist. Das impliziert nicht, dass ich das Prinzip der alternativen Möglichkeiten (PAM) vertrete, welches besagt, dass ein frei Handelnder in einer Reihe von Umständen die Fähigkeit hat, zwischen H und nicht-H zu wählen. Ich bin davon überzeugt, dass es keine Rolle spielt, ob er auch eine Entscheidung treffen kann, die seiner eigentlichen Entscheidung nicht entspricht, so lange seine Entscheidung nicht kausal determiniert ist. Nehmen wir an, Gott hat beschlossen, Sie in einer bestimmte Reihe von Umständen zu erschaffen, weil er wusste, dass Sie sich unter diesen Umständen undeterminiert dazu entscheiden würden, H zu tun. Nehmen wir außerdem an, dass Gott Sie nicht in diese Umstände hinein erschaffen hätte, wenn er gewusst hätte, dass Sie sich unter diesen Umständen dazu entschieden hätten, nicht-H zu tun (vielleicht hätte es seinen Plan der Vorsehung verhunzt!). In diesem Fall haben Sie nicht die Fähigkeit, sich unter jenen Umständen für nicht-H zu entscheiden, aber dennoch ist Ihre Entscheidung für H meiner Meinung nach frei, weil sie kausal ungezwungen ist – Sie bestimmen, dass H gemacht wird. Die Fähigkeit, etwas anderes zu tun, ist also keine notwendige Bedingung für freie Entscheidungen.

Wenn die Vertreter der B-Theorie der Zeit richtig liegen, dann sind künftige Ereignisse wie H genauso real wie gegenwärtige oder vergangene Ereignisse. Wenn Gott zeitlos ist, dann sind alle Ereignisse in der Zeit für ihn gleich real und können von ihm in derselben Weise gekannt werden. Zukünftige Ereignisse haben nichts an sich, was es für Gott schwieriger machen würde, sie zu kennen. Deshalb braucht er solche Ereignisse eben nicht von gegenwärtigen Ereignissen abzuleiten. Nun, ich selbst vertrete die B-Theorie der Zeit nicht. Ich vertrete die temporalisierte oder A-Theorie der Zeit, laut der die Zukunft keineswegs existiert (in meinem Buch Time and Eternity[8] werden diese konkurrierenden Ansichten diskutiert). Und ich bin auch nicht der Meinung, dass Gott seit dem Schöpfungsmoment zeitlos existiert, da ich glaube, dass die Zeitlosigkeit Gottes mit der jeweils vertretenen Theorie der Zeit steht oder fällt. Wie Sie schon erwähnten, lehne ich also ein perzeptualistisches oder wahrnehmungsbasiertes Modell göttlichen Wissens ab, laut dem Gott „schaut“ und „sieht“, was in der Welt passiert (eine schrecklich anthropomorphe Sicht von Gottes Wissen!). Ich halte vielmehr eine Art konzeptualistisches Modell für zutreffend, laut dem Gott sein Wissen nicht durch irgendeine Wahrnehmung erlangt, sondern Gottes Wissen eher einer Art angeborenem Wissen ähnelt. Gott hat einfach die essentielle Eigenschaft, nur und alle wahren Thesen zu wissen.

Ich akzeptiere also beide Annahmen, die hinter Ihrer Prämisse 1 stecken.

Mittleres Wissen – Gott kann wissen, welche zukünftigen kontingenten Ereignisse sich ereignen werden

Allerdings würde ich, wie es jeder Molinist tun würde, ohne zu zögern Prämisse 4 Ihres Arguments ablehnen. Ja, jeder inkompatibilistische A-Theorie-Vertreter, der daran glaubt, dass Gott im Voraus von zukünftigen kontingenten Ereignissen (wie freien menschlichen Entscheidungen) weiß, wird (4) auch dann ablehnen, wenn er kein Molinist ist. Denn Ihr Argument ist nicht gegen mittleres Wissen als solches gerichtet, sondern gegen das Vorherwissen Gottes.

Das Problem mit Prämisse 4 ist, dass man so davon ausgeht, dass Gott künftige kontingente Ereignisse nur kennen kann, indem er sie diskursiv, also durch Schlüsse, aus gegenwärtigen Umständen ableitet. Doch ich sehe keinen Grund dafür, dass das wahr sein sollte. Ja, die Lehre vom mittleren Wissen ist eben genau eine Theorie darüber, wie Gott künftige kontingente Ereignisse kennen kann, ganz ohne die Welt wahrzunehmen. Ich glaube, Sie sind fälschlicherweise davon ausgegangen, dass Gott laut der Lehre vom mittleren Wissen aus den Umständen, in die ein freier Mensch platziert wird, ableitet, was dieser in jenen Umständen tun würde. Deswegen auch Ihre Ratlosigkeit über Flints Aussagen in Divine Providence (S. 39). Doch das besagt die Lehre nicht. Flint sagt ja selbst gleich im nächsten Satz, oben auf S. 40: „Die Antwort auf diese Fragen ist offensichtlich: Vorsehung kann nur dann ausgeübt werden (…), wenn Gott weiß, wie seine Geschöpfe handeln würden, wenn sie in verschiedene nicht-determinierende Umstände platziert werden“ (meine Hervorhebung). Wenn Gott mittleres Wissen hat, dann weiß er die Wahrheit solcher konditionaler Konjunktiv-Aussagen (oft Kontrafaktuale genannt), z. B.: „Wenn Cuthbert sich im Umstand U befände, würde er freiwillig einen Leguan kaufen“. Es spielt also keine Rolle, dass verschiedene mögliche Welten U enthalten; da Gott weiß, was Cuthbert freiwillig in U tun würde, kann er alleine aufgrund dieses Wissens und seines Wissens von seinem eigenen Dekret, Cuthbert zu erschaffen, genau wissen, was Cuthbert tun wird! Ziemlich gewieft, was?

Ihre Prämisse 4 ist also ein Zirkelschluss, weil sie voraussetzt, dass der Molinismus nicht wahr ist, indem Sie davon ausgehen, dass Gott kein mittleres Wissen hat.

An anderer Stelle habe ich zudem argumentiert, dass Gott sein mittleres Wissen dazu verwenden kann, die Welt in seiner Vorsehung so anzuordnen, dass jeder, der Gottes allgemeine Offenbarung in der Natur und dem Gewissen ablehnt und das Evangelium nie hört, auch dann nicht an das Evangelium geglaubt hätte, wenn er es gehört hätte (siehe Scholarly Articles: Christian Particularism; Popular Articles: "Wie kann Christus der einzige Weg zu Gott sein?"[9]). Menschen, die das Evangelium nie hören, werden nach ihrer Reaktion auf Gottes allgemeine Offenbarung gerichtet, und diejenigen, die darauf nicht reagieren und verdammt werden, können sich nicht beschweren und behaupten, dass sie das Evangelium angenommen hätten und gerettet worden wären, wenn sie es doch nur gehört hätten.

Mittleres Wissen – weiß Gott im Voraus, wer auf das Evangelium reagiert hätte, wenn er/sie es gehört hätte?

Diese Lösung ähnelt den Gedanken, die Sunil in seiner Frage ausgedrückt hat. Sunil, ich möchte hier noch klarstellen, dass „die beste/höchste Wahrheit/Moral“ das ist, was durch Gottes allgemeine Offenbarung vermittelt wird. Auch hier sollten wir aber etwas klarstellen: Das heißt nicht, dass so ein Mensch durch sein gut geführtes Leben oder durch richtige Überzeugungen gerettet werden kann. Vielmehr wird so ein Mensch daran verzweifeln, immer nach dem Moralgesetz zu leben, das in sein Herz geschrieben ist und wird sich auf die unverdiente Barmherzigkeit des Schöpfergottes werfen, der in der Natur offenbart wird. Wie bei den Menschen im Alten Testament wird Gott ihm die Vorzüge des Sühnetods Jesu anrechnen, ohne dass der Mensch bewusst von Christus weiß. Stellt sich nur die Frage, ob es viele solcher Menschen gibt. Römer 1-2 stimmt mich da nicht sonderlich optimistisch. Was aber bleibt, ist, dass die Nichtevangelisierten nicht ungerechterweise nach Kenntnissen gerichtet werden, die sie nie hatten. Sie werden danach gerichtet, wie sie auf Gottes allgemeine Offenbarung in der Natur und im Gewissen reagiert haben. Das mittlere Wissen kommt nur ins Spiel, um die Beschwerde zu entkräften, dass sie auf das Licht des Evangeliums reagiert hätten, wenn es ihnen nur gebracht worden wäre.

Mittleres Wissen – würde Gott Säuglinge begnadigen, weil sie die Errettung gewählt hätten?

Das führt uns zu Steves Eröffnungsfrage. Ich habe sie hier mit hineingenommen, weil viele mir die von ihm vertretene Ansicht zugeschrieben haben. Ich finde Ihre Lösung, Steve, für das Problem der Menschen, die im Säuglingsalter sterben (was nur ein Beispiel des allgemeinen Problems mit dem Schicksal derjenigen ist, die nie die Gelegenheit haben, aus freien Stücken auf das Evangelium zu reagieren), nicht akzeptabel. Es wäre nämlich unmoralisch, einen Menschen nicht für Dinge zu richten, die er getan hat, sondern für Dinge, die er unter anderen Umständen getan hätte. Wenn ich als Deutscher im Dritten Reich gelebt hätte, wäre ich vielleicht ein leidenschaftliches Mitglied der Hitler-Jugend geworden und hätte vielleicht sogar Gräueltaten mitverübt. Unter anderen Umständen wäre ich vielleicht ein Dieb oder Terrorist geworden. Kann ich deshalb solcher Taten beschuldigt werden? Natürlich nicht, ich habe sie ja nie begangen! Die Schwierigkeit mit Ihrer Lösung wird dann besonders offensichtlich, wenn man bedenkt, dass ein Mensch, der als Säugling gestorben ist, unter anderen Umständen andere Dinge getan hätte. Ich sage nicht, dass all diejenigen, die als Kinder sterben, Fälle von transweltlicher Verdammnis wären. Unter manchen Umständen wären diejenigen, die als Säuglinge gestorben sind, vielleicht wunderbare Christen geworden; unter anderen Umständen hätten sie sich vielleicht den Internet Infidels[10] angeschlossen. Wie könnte Gott sie also für Dinge richten, die sie unter verschiedenen anderen Umständen getan hätten?

Gott wird die Menschen also danach richten, was sie tatsächlich tun. Lesen Sie Mt 11,20-24 noch einmal. Ich glaube, Sie werden dann erkennen, dass der Abschnitt diesem Prinzip nicht widerspricht.

Ich akzeptiere also die Lösung mit dem „Alter der Verantwortlichkeit“. Gott richtet die Menschen nach ihrer Reaktion auf die ihnen entgegen gebrachte Offenbarung. Säuglinge haben, soweit wir wissen, keinen Zugang zu irgendeiner göttlichen Offenbarung und werden daher nicht für ihre Reaktion darauf zur Rechenschaft gezogen.

William Lane Craig

(Übers.: J. Booker)

Link to the original article in English: /middle-knowledge



[1] Engl: transworld damnation. Das "trans" in transworld bezieht sich nicht auf das Leben nach dem Tod, sondern auf verschiedene mögliche Welten; "trans" bedeutet darin: dies gilt für mehrere oder alle möglichen Welten (also: es gilt über mehrere oder alle möglichen Welten hinweg).

Alvin Plantinga hat das Konzept einer transworld depravity entwickelt (vgl. Alvin Plantinga, The Nature of Necessity Kap. 7, S. 184-189; transworld depravity bedeutet, dass Gott möglicherweise nicht sicherstellen konnte, dass es bei einem freiem Willen des Menschen keinen Sündenfall gibt, da es möglicherweise in jeder möglichen Welt einige Menschen geben würde, die sündigen würden.)
In Anlehnung an dieses Konzept Plantingas spricht W.L. Craig im Rahmen der Verteidigung des Molinismus von einer transworld damnation, (also einer Verdammung über viele mögliche Welten hinweg), der zufolge Menschen, die in der wirklichen Welt verloren gehen, möglicherweise auch in anderen für Gott machbaren Welten verloren gehen.
Vgl. /no-other-name-a-middle-knowledge-perspective#ref25
Zum Unterschied zwischen "transworld depravity" und "transworld damnation" siehe auch /questions-on-molinism-compatibilism-and-free-will.

(Vgl. auch /talbotts-universalism sowie /middle-knowledge-and-christian-exclusivism, in denen W.L. Craig auf einige weitere Einwände eingeht.)


Erläuterung zum Begriff "mögliche Welten": Es kann sein, dass es morgen in Mainz regnet. Es kann aber auch sein, dass morgen in Mainz die Sonne scheinen wird. Beides sind "mögliche Welten". Denn beides ist logisch möglich (kein logischer Widerspruch vorhanden) und physikalisch möglich (es ist genügend Wasser vorhanden für Regen). Beide Zustände (morgen regnet es / morgen scheint die Sonne) sind also "mögliche Welten".

Es gibt hingegen keine mögliche Welt, in der Klaus zugleich in derselben Hinsicht Metzger und kein Metzger ist. Es gibt auch keine mögliche Welt, in der 2+2=5 ist, oder in der es runde Vierecke gibt.

(Anm. d. Übers.)

[2]Siehe /german/Wie-kann-Christus-der-einzige-Weg-zu-Gott-sein.

[3] Vgl. Die Bibel, Lukas 12, 48

[4] Thomas Flint: Divine Providence: The Molinist Account, Cornell University Press 2006. (Erste Auflage 1998, revidierte Auflage 2006.)

[5] Flint schreibt in Divine Providence: The Molinist Account (1998) auf S. 39: "Angenommen, Cuthbert wird sich zu einem Zeitpunkt t in der Zukunft in einer Situation C befinden, in der er frei ist bezüglich des Kaufens oder nicht-Kaufens eines bestimmten Leguans. Wenn das so ist, wird er zum Zeitpunkt t die Macht haben, den Leguan aus freien Stücken zu kaufen, und auch die Macht haben, sich zurückzuhalten und den Leguan nicht zu kaufen, denn ohne diese Fähigkeit, sich zu beidem zu entscheiden, wäre Cuthberts Handlung nicht frei. Daraus folgt aber, dass es zwei unterschiedliche Mengen von möglichen Welten gibt, die die gleichen Umstände teilen, unter denen Cuthbert diese Kaufentscheidung fällen muss: Die Menge aller K-Welten, in denen Cuthbert den Leguan aus freien Stücken kauft; und die Menge aller Z-Welten, in denen er sich stattdessen zurückhält und den Leguan nicht kauft." (Anm. d. Übers.)

[6] Eng.: „Principle of Alternative Possibilities“ (Anm. d. Übers.)

[7] William Lane Craig: The Only Wise God. The Compatibility of Divine Foreknowledge and Human Freedom, 1. Auflage 1987 (Baker Bookhouse), Nachdruck 2000 (Wipf & Stock), 158 S.

[8] William Lane Craig: Time and Eternity: Exploring God's Relationship to Time (Crossway Books 2001, 272 S.) - bislang nur auf Englisch verfügbar. (Anm. d. Übers.)

[9] Die scholarly articles (Beiträge auf wissenschaftlichem Niveau) zu diesem Thema: /scholarly-articles/christian-particularism
Der populärwissenschaftliche Artikel wurde bereits ins Deutsche übersetzt und findet sich hier: /german/Wie-kann-Christus-der-einzige-Weg-zu-Gott-sein

[10] Eine Non-Profit-Organisation, die eine naturalistische Weltanschauung über das Internet verbreiten will. (Anm. d. Übers.)

- William Lane Craig