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#15 Irrtumslosigkeit und Auferstehung

September 28, 2015
Q

Ich habe eine Debatte zwischen William Lane Craig und Bart Ehrman gelesen und sende sie im Anhang mit. Craig weigert sich darin, die Frage zu beantworten, ob die Bibel irrtumslos ist oder nicht, als ihm jemand von den Zuhörern diese Frage direkt stellt. Er weicht ihr einfach aus und antwortet, dass das nicht das Thema der Debatte sei.

1) Welche externen Quellen (außerhalb des Kanons) gibt es, die Jesu Tod, Begräbnis und Auferstehung in leiblicher Form sowie seine Himmelfahrt belegen?

2) Jesu Botschaft wurde mündlich verbreitet, bis die Evangelien geschrieben wurden. Wie können wir wissen, dass sich dabei keine Legenden entwickelt haben? Legenden wie die, dass Jesus von Joseph von Arimatäa begraben wurde.

3) Was ist mit anderen, heidnischen Wunderwirkern wie Honi dem Kreiszieher, Chanina ben Dosa und Apollonios von Tyana (S. 27)? Wird Jesus als Wunderwirker durch die Tatsache, dass diese Heiden so ähnliche Wunder wie Jesus gewirkt haben, nicht diskreditiert?

4) Was ist mit den Widersprüchen, die es in den verschiedenen Evangelien zu geben scheint? Bitte geben Sie mir eine andere Antwort als „Das sind nur zweitrangige Details und nicht das Herzstück der Angelegenheit“. Wenn wir auf einer Universität sind, die verkündet, dass die Bibel irrtumslos ist, sollten wir dann nicht in der Lage sein, diese Widersprüche zu erklären? Ich zitiere Ehrman in seiner Debatte gegen Craig auf S. 11:

„An welchem Tag und um welche Tageszeit ist Jesus gestorben? Ist er am Tag, bevor das Passamahl gefeiert wurde, gestorben, wie Johannes explizit sagt, oder ist er am Tag danach gestorben, wie Markus es explizit sagt? Ist er mittags gestorben, wie es im Johannes-Evangelium steht, oder um 9 Uhr morgens, wie es im Markus-Evangelium heißt? Hat Jesus das Kreuz den ganzen Weg lang getragen oder hat Simon von Kyrene sein Kreuz getragen? Kommt drauf an, welches Evangelium man liest. Haben beide Schächer Jesus am Kreuz verspottet, oder hat ihn nur einer verspottet, und der andere hat Jesus verteidigt? Kommt drauf an, welches Evangelium man liest. Ist der Vorhang im Tempel vor oder nach Jesu Tod entzwei gerissen? Kommt drauf an, welches Evangelium man liest. Oder die Auferstehungsberichte: Wer ist am dritten Tag zum Grab gelaufen? War es nur Maria, oder Maria mit anderen Frauen? Wenn es Maria mit anderen Frauen war, wie viele andere Frauen waren es, welche waren es, wie hießen sie? War der Stein weggerollt, bevor sie kamen, oder nicht? Was haben sie im Grab gesehen? Haben sie einen Mann gesehen, zwei Männer oder haben sie einen Engel gesehen? Kommt drauf an, welchen Bericht man liest. Was sollten die Frauen den Jüngern erzählen? Sollten die Jünger in Jerusalem bleiben und Jesus dort treffen oder sollten sie nach Galiläa und Jesus dort treffen? Haben die Frauen irgendjemandem davon erzählt oder nicht? Kommt drauf an, welches Evangelium man liest. Haben die Jünger Jerusalem nie verlassen oder haben sie Jerusalem sofort verlassen, um nach Galiläa zu gehen? All das hängt davon ab, welchen Bericht man liest.“

Also, danke für jede Hilfe, die Sie mir anbieten können. Bitte verweisen Sie nicht auf irgendwelche Bücher oder Websites; ich lese gerade schon diese Debatten, sowie Evidence that Demands a Verdict von Josh McDowell und Der Fall Jesus von Lee Strobel.

Kann mir eines der weltweit größten Zentren für christliche Apologetik eine geradlinige Antwort auf jede dieser Fragen geben?

Danke

Grant

  • United States

Dr. Craig

Dr. craig’s response


A [

Kann ich Ihnen geradlinige Antworten auf Ihre Fragen geben? Darauf können Sie wetten! Lesen Sie einfach weiter.

Zunächst ist Ihre Bemerkung, dass ich in der Debatte mit Bart Ehrman, in der es darum ging, ob es historische Belege für die Auferstehung Jesu gibt, der Frage zur biblischen Irrtumslosigkeit „einfach ausgewichen“ bin, eher tendenziös. Verständnisvoller und meiner Meinung nach auch wahrheitsgetreuer wäre die Formulierung: „Craig weigerte sich, zuzulassen, dass Ehrman die Debatte zu einer Diskussion über biblische Irrtumslosigkeit macht, und blieb beim Thema“. Und eine noch zutreffendere Beschreibung der Situation wäre folgende gewesen: „Ehrman versuchte, Craig zu einer Bejahung der biblischen Irrtumslosigkeit zu verleiten, sodass er Craigs Objektivität und damit auch seine Integrität als Historiker infrage stellen könnte. Craig aber, der wusste, dass seine Argumente für die Auferstehung Jesu die biblische Irrtumslosigkeit nicht voraussetzten, weigerte sich, den Köder zu schlucken.“

Wie ich auch in Q&A # 11 („Welche Folgen hat es, wenn man glaubt, dass es Irrtümer in der Bibel gibt?“) erkläre, hatte Ehrman, als er noch Christ war, ein fehlerhaftes theologisches System, in dem die biblische Irrtumslosigkeit im Zentrum seines Netzes von Glaubensüberzeugungen lag, sodass das ganze Netz zusammenbrach, als er sich von einem einzigen Fehler in der Schrift überzeugte. Folglich nimmt die Lehre der Irrtumslosigkeit eine abnormal große Rolle in seinem Denken ein. Doch die Argumente für Jesu Auferstehung, die ich angeführt habe, setzen die Irrtumslosigkeit der Dokumente überhaupt nicht voraus, sodass diese Lehre in Bezug auf den Glauben an die Auferstehung irrelevant wird.

Nun zu Ihren Fragen:

1. Welche Quellen außerhalb des Kanons gibt es, die Jesu Tod, Begräbnis und Auferstehung in leiblicher Form sowie seine Himmelfahrt belegen?

Eigentlich gibt es viele extra-kanonische Quellen, die Jesu Tod, Begräbnis und Auferstehung belegen – Quellen, von denen ich glaube, dass Sie nie an sie gedacht haben. Sie denken an spätere extra-kanonische Quellen wie Josephus und Tacitus. Doch die wirklich interessanten extra-kanonischen Quellen sind die älteren, das heißt, die Quellen, die die Schreiber des Neuen Testaments selbst verwendet haben. Bevor Sie sich jetzt beschweren, müssen Sie bedenken, dass diese Quellen selbst nicht im Kanon sind, sondern noch näher an die Ereignisse heranreichen als die kanonischen Bücher. Folglich sind diese das Zentrum des heutigen Studiums des historischen Jesus, nicht die späteren extra-kanonischen Quellen. Offen gesagt: Wenn Sie sich darauf konzentrieren, welche späteren extra-kanonischen Quellen es für Jesus gibt, dann verpassen Sie die eigentliche Hauptsache.

Welche Quellen zählen zu den älteren? Die Passionsgeschichte, die Markus verwendet, die von Paulus‘ in 1. Korinther 15,3-5 zitierte Formel, Matthäus‘ Spezialquelle namens M, Lukas‘ Spezialquelle namens L und viele mehr. Einige davon sind sogar unglaublich alte Quellen (was bei der Antwort auf Ihre zweite Frage behilflich ist). Die prä-markinische Passionsgeschichte stammt vermutlich aus den 30er Jahren des ersten Jahrhunderts und basiert auf Augenzeugenberichten, und die präpaulinische Formel in 1. Korinther 15,3-5 wurde auf ein paar Jahre oder gar nur Monate nach Jesu Tod datiert. Sicherlich verstehen Sie, warum dies die wirklich interessanten Quellen sind, und nicht ein späterer Bericht von Josephus.

Diese Quellen geben ein reichhaltiges und unabhängiges Zeugnis vom Tod, Begräbnis sowie von der Auferstehung Jesu. Spätere Verweise auf Jesus vom römischen Geschichtsschreiber Tacitus, dem jüdischen Geschichtsschreiber Josephus, dem syrischen Schriftsteller Mara bar Serapion, von rabbinischen Schriften und extra-biblischen christlichen Schreibern bestätigen das, was uns das Neue Testament über Jesus sagt, geben uns aber keine neuen Informationen. Derlei Quellen werden in R. T. Frances sehr gutem Buch The Evidence for Jesus (1986) oder in Robert Van Voorsts ultimativem Werk Jesus Outside the New Testament (2000)[1] zitiert und diskutiert. Entscheidend für den Historiker sind aber nicht diese späteren Quellen, sondern die Dokumente des Neuen Testaments selbst und deren Quellen.

Und das führt mich zu meiner Frage an Sie: Warum interessieren Sie sich für extra-kanonische Quellen anstelle der primären Quellendokumente selbst? Verrät nicht allein Ihre Frage schon das Vorurteil, dass die Dokumente des Neuen Testaments historisch unzuverlässig sind? Aber wenn es Quellen außerhalb des Neuen Testaments gibt, die von Jesus sprechen, ah, dann sind das echte Belege!

Sie dürfen nicht vergessen, dass es ursprünglich kein Buch namens „Das Neue Testament“ gab. Es gab nur diese separaten Dokumente, die aus dem ersten Jahrhundert weitergegeben wurden; Dokumente wie das Lukasevangelium, das Johannesevangelium, die Apostelgeschichte, Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Korinth, Griechenland, und so weiter. Erst ein paar Jahrhunderte später sammelte die Kirche offiziell all diese Dokumente in einen Band, der dann das Neue Testament genannt wurde. Die Kirche nahm nur die ältesten Quellen auf, die am nächsten an Jesus und die ersten Jünger heranreichten, und ließ jüngere, zweitrangige Berichte wie die gefälschten apokryphen Evangelien aus, von denen jeder wusste, dass sie nicht echt waren. Es wurden also von vornherein nur die besten historischen Quellen in das Neue Testament aufgenommen. Die Leute, die auf Belege bestehen, die auf Schriftstücken gründen, die nicht im Neuen Testament sind, haben nicht verstanden, worum sie da bitten. Sie verlangen, dass wir die ältesten und erstrangigen Quellen über Jesus ignorieren und ihnen Quellen vorziehen, die jünger, zweitrangig und weniger zuverlässig sind. Was historische Methodologie angeht, ist das einfach irrsinnig.

Die eigentliche Frage lautet: Wie zuverlässig sind die Dokumente des Lebens Jesu, die mit in das Buch aufgenommen wurden, das wir jetzt Das Neue Testament nennen? Das führt mich zu Ihrer zweiten Frage.

2. Jesu Botschaft wurde mündlich verbreitet, bis die Evangelien verfasst wurden. Wie können wir wissen, dass sich dabei keine Legenden entwickelt haben? Legenden wie die, dass Jesus von Joseph von Arimatäa begraben wurde.

In meinem Artikel „Belege für Jesus"[2] auf dieser Seite formuliere ich fünf Gründe dafür, dass wir Vertrauen in die allgemeine Zuverlässigkeit der Evangelien haben können:

1. Es blieb nicht genügend Zeit für eine Verdrängung der zentralen historischen Fakten durch Einflüsse aus dem Bereich der Legenden.

2. Die Evangelien sind nicht mit Volkssagen oder mit modernen Großstadtlegenden zu vergleichen.

3. Die Weitergabe heiliger Überlieferungen war unter den Juden hoch entwickelt und zuverlässig.

4. Der Ausschmückung der Überlieferung über Jesus standen schwere Hemmnisse entgegen, wie z.B. Augenzeugen und die Aufsicht der Apostel.

5. Die Verfasser der Evangelien sind nachweislich zuverlässige historische Schreiber.

Ich werde hier jetzt nicht das wiederholen, was ich in jenem Artikel geschrieben habe.

Zusätzlich zu diesen allgemeinen Überlegungen haben Exegeten bestimmte „Authentizitätskriterien“ erstellt, mit deren Hilfe man historisch zuverlässige Informationen über Jesus selbst in einem Dokument finden soll, das nicht allgemein zuverlässig ist. Was die Kriterien wirklich darstellen, sind Aussagen über die Auswirkungen verschiedener Belegarten auf die Wahrscheinlichkeit verschiedener Aussprüche und Ereignisse, von denen in den Quellen die Rede ist. Bei einem Ausspruch oder Ereignis A, einem Beleg bestimmter Art B und unserer Hintergrundinformation H würde das Kriterium besagen, dass Pr (A/B&H) > Pr (A/H)[3], wenn sonst alles gleich bleibt. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit eines Ausspruchs oder Ereignisses ist z. B aufgrund seiner frühen, unabhängigen Erwähnung und Bestätigung größer, als sie es ohne diesen Beleg wäre.

Welche Faktoren könnten als B fungieren und die Wahrscheinlichkeit eines Ausspruchs oder Ereignisses A erhöhen? Die folgenden gehören zu den wichtigsten:

1. Historischer Kontext: A stimmt mit bekannten historischen Fakten über den historischen Kontext

überein, in dem A sich ereignet haben soll.

2. Voneinander unabhängige, alte Quellen: A kommt in mehreren Quellen vor, die aus einer Zeit

stammen, die nahe an die Zeit heranreicht, in der sich A ereignet haben soll, und die nicht

voneinander noch von einer gemeinsamen Quelle abhängen.

3. Beschämung: Das Berichten von A ist peinlich oder kontraproduktiv für diejenigen, die als Informationsquelle von A dienen.

4. Abweichung: Das Ereignis entspricht nicht älteren jüdischen Vorstellungen und/oder späterem

christlichem Gedankengut.

5. Semitismen: Spuren hebräischer oder aramäischer Sprache tauchen in der Geschichte auf.

6. Übereinstimmung: Das Ereignis stimmt mit Fakten über Jesus überein, die bereits gesichert sind.

Beachten Sie hierbei, dass diese Kriterien nicht die allgemeine Verlässlichkeit der Evangelien voraussetzen. Sie konzentrieren sich vielmehr auf einen bestimmten Ausspruch oder ein bestimmtes Ereignis und belegen, dass dieses spezifische Element aus Jesu Leben historisch ist, unabhängig von der allgemeinen Verlässlichkeit des Dokumentes, in dem von dem jeweiligen Ausspruch oder Ereignis berichtet wird. Diese selben Kriterien sind also auch auf Berichte über Jesus anwendbar, die man in den apokryphen Evangelien oder rabbinischen Schriften oder sogar dem Koran findet. Natürlich ist es umso besser, wenn belegt werden kann, dass die Evangelien allgemein zuverlässige Dokumente sind! Doch die Kriterien hängen nicht von derlei Voraussetzungen ab. Sie dienen dazu, historische Kerne selbst inmitten historischen Mülls zu finden. Daher brauchen wir uns nicht mit der Verteidigung der allgemeinen Zuverlässigkeit der Evangelien oder jeder Behauptung Jesu in den Evangelien (geschweige denn deren Irrtumsfreiheit!) zu befassen.

Was aber ganz spezifisch Jesu Begräbnis durch Joseph von Arimatäa angeht: Das ist einer der am besten belegten Fakten über Jesus. Ich kann aus Platzgründen nicht auf alle Details der Belege für das Begräbnis eingehen, möchte aber das eine oder andere hierzu erwähnen:

Erstens wird Jesu Begräbnis in vielen extrem alten, unabhängigen Quellen belegt. Der Bericht von Jesu Bestattung in einem Grab durch Joseph von Arimatäa gehört zu Markus‘ Quellenmaterial für die Passionsgeschichte. Außerdem bezieht sich Paulus' Formel in 1Kor 15,3-5 auf Jesu Begräbnis:

(…) dass Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften,
und dass er begraben worden ist
und dass er auferstanden ist am dritten Tag, nach den Schriften,
und dass er dem Kephas erschienen ist, danach den Zwölfen.

Doch vielleicht fragen wir uns: War das Begräbnis, das in der Formel erwähnt wird, dasselbe Ereignis wie das Begräbnis durch Joseph von Arimatäa? Die Antwort auf diese Frage wird durch einen Vergleich der vierzeiligen Formel mit den Evangeliumsberichten zum Einen und den Predigten in der Apostelgeschichte zum Anderen klar:

Diese bemerkenswerte Übereinstimmung voneinander unabhängiger Überlieferungen ist ein überzeugender Beweis dafür, dass die vierzeilige Formel eine schematische Zusammenfassung der grundlegenden Ereignisse in Jesu Passions- und Auferstehungsgeschichte ist, einschließlich seiner Beisetzung im Grab.

Aber das ist nicht alles! Denn weitere voneinander unabhängige Zeugnisse über Jesu Begräbnis durch Joseph findet man auch in den Quellen, die hinter Matthäus und Lukas und dem Johannesevangelium stehen, ganz zu schweigen vom außerbiblischen Petrusevangelium. Die Unterschiede zwischen Markus‘ Bericht und denen von Matthäus und Lukas sind ein Hinweis darauf, dass Letztere andere Quellen als Markus hatten. Diese Unterschiede sind schwer als Ausbesserungen des markinischen Berichts von Seiten Matthäus' und Lukas' zu erklären, weil sie sehr sporadisch und ungleichmäßig sind, unerklärlicherweise Ereignisse wie Pilatus‘ Befragung des Centurion auslassen und die Formulierungen in Matthäus und Lukas miteinander übereinstimmen, und nicht mit denen in Markus. Des Weiteren haben wir im Evangelium des Johannes eine weitere davon unabhängige Quelle für das Begräbnis Jesu. Und zudem haben wir auch die frühen apostolischen Predigten in der Apostelgeschichte, die wahrscheinlich nicht Lukas‘ alleinige Eigenkreation sind, sondern die frühen Predigten der Apostel festhalten. Sie erwähnen Jesu Bestattung in einem Grab ebenfalls. Somit haben wir bemerkenswerte vier, wenn nicht mehr, unabhängige Quellen für Jesu Begräbnis, von denen einige außergewöhnlich alt sind.

Zweitens ist es unwahrscheinlich, dass Joseph von Arimatäa eine Erfindung von Christen war, da er ein Mitglied des jüdischen Sanhedrin war, der Jesus verurteilte. Joseph wird als reicher Mann beschrieben, ein Mitglied des jüdischen Sanhedrins. Der Sanhedrin war so etwas wie ein hohes Gericht, das aus siebzig der führenden Männer des Judentums bestand und in Jerusalem tagte. In der jungen Christengemeinde war man den jüdischen Mitgliedern des Sanhedrin verständlicherweise nicht wohl gesonnen. In den Augen der Christen hatten sie eine richterliche Tötung Jesu arrangiert. In den Predigten in der Apostelgeschichte geht man sogar so weit zu behaupten, dass die jüdischen Anführer Jesus kreuzigten (Apg 2,23.36; 4,10)! Aufgrund seines Status als Mitglied des Sanhedrin würde man von Joseph am wenigsten erwarten, dass er sich gebührend um Jesus kümmerte. Daher ist Jesu Begräbnis durch Joseph sehr wahrscheinlich, da es sonst fast unerklärlich wäre, warum Christen eine Geschichte erfinden sollten, nach der ein jüdischer Sanhedrist das tut, was in den Augen Jesu richtig ist. Aus diesem Grund und noch weiteren stimmen die meisten Kritiker des Neuen Testaments darin überein, dass Jesus von Joseph von Arimatäa in einem Grab bestattet wurde. Selbst Ehrmann bejaht dies – warum nicht auch Sie?

3. Was ist mit anderen, heidnischen Wunderwirkern wie Honi dem Kreiszieher, Chanina ben Dosa und Apollonios von Tyana (S. 27)? Wird Jesus als Wunderwirker durch die Tatsache, dass diese Heiden so ähnliche Wunder wie Jesus gewirkt haben, nicht diskreditiert?

Zunächst einmal: Das sind keine heidnischen Wunderwirker. Honi und Chanina ben Dosa waren jüdische Heilige, die auch einen Ruf als Wunderwirker hatten. Solche Figuren stellen die Historizität der Evangeliumsberichte keineswegs in Frage; sie tragen vielmehr zur Glaubwürdigkeit der Evangeliumsberichte über Jesu Dienst als Wunderwirker bei, da sie zeigen, dass derlei Begebenheiten im Judentum des 1. Jahrhunderts zu Hause waren und Jesus nicht zugeschrieben wurden als Ergebnis des Einflusses sogenannter „Gottesmänner“ aus heidnischer Mythologie.

Die Geschichten über Jesu Wunder sind in allen Schichten der Evangeliumsüberlieferungen so weit verbreitet, dass es aus der Luft gegriffen wäre, sie nicht als im Leben Jesu verwurzelt anzusehen. Somit besteht unter den Neutestamentlern ein Konsens darüber, dass Jesus sehr wohl einen Dienst des „Wunder“-Wirkens ausführte – wie auch immer man diese interpretieren oder erklären will. Am Ende seines langen und sorgfältigen Studiums der Wunder Jesu schlussfolgert John Meier:

„Die allgemeine Bezeugung der Figur Jesu als Heiler physischer Gebrechen und Krankheiten ist somit noch stärker als die Bezeugung seiner Tätigkeit als Exorzist (…) Zusammengenommen ist die Aussage, dass Jesus während seines öffentlichen Dienstes wie ein Exorzist und Heiler handelte und angesehen wurde, historisch so gut fundiert wie beinahe jede andere Aussage, die wir über den historischen Jesus tätigen können“ (Meier, A Marginal Jew, 2: 969-970[4], Hervorhebung W. L. Craig).

Die Wunder Jesu, wie z. B. seine Dämonenaustreibungen, wurden als Zeichen Gottes für das Anbrechen des Reiches Gottes gesehen. Als solche hatten Jesu Wunder eine komplett andere Funktion als die, die hellenistische Magier oder jüdische Heilige vollbrachten. Außerdem unterscheiden sich seine Wunder von denen jüdischer Heiliger darin, dass Jesus niemals für Wunder betet. Manchmal drückt er Gott dem Vater erst seinen Dank aus, aber dann vollbringt er das Wunder selbst. Und das tut er in seinem eigenen Namen, nicht in Gottes Namen. Zudem führten Honi und Chanina keinen prophetischen Dienst aus, stellten keine messianischen Ansprüche und brachten in Verbindung mit ihren Werken auch keine neuen Lehren mit. Daher ist Jesus nicht einfach ein charismatischer jüdischer Heiliger wie die anderen.

Was Apollonius von Tyana angeht: Das ist eine Figur, die hunderte Jahre später zum größten Teil von Philostratus als absichtliches Gegenstück zum Christentum erfunden wurde. Die Gemeinde war bis dahin sehr groß und einflussreich geworden, sodass Philostratus Apollonius als Alternative zu Jesus erfand. Inwiefern untergräbt das die historische Zuverlässigkeit der Evangeliumsberichte über Jesu Wunder?

4. Was ist mit den Widersprüchen, die es in den verschiedenen Evangelien zu geben scheint?

Hier ist die direkte Antwort, die Sie wollten, Grant: Sie spielen keine Rolle. Ich könnte es hinnehmen, dass all diese scheinbaren Unstimmigkeiten unlösbar sind, und doch würde das mein historisches Argument nicht ein bisschen betreffen. Sie glauben mir nicht? Dann lassen wir Bart Ehrmann einmal für sich selbst sprechen. Ist er der Meinung, dass die scheinbaren Widersprüche, die er auflistet, die historische Glaubwürdigkeit der Fakten untergraben, auf denen mein Argument aufbaut? Nein! Er sagt:

„Die Auferstehung Jesu ist das Herzstück des christlichen Glaubens. Leider ist sie auch eine Überlieferung, mit der Historiker nur schwer umgehen können. Wie ich schon sagte: Es gibt ein paar Dinge, die wir über Jesus und die Zeit nach seinem Tod sicher sagen können. Wir können z. B. mit relativer Gewissheit sagen, dass er begraben wurde (…)

Einige Exegeten halten es für wahrscheinlicher, dass Jesus in einem gewöhnlichen Grab begraben wurde, was manchmal auch passierte, oder dass er, wie viele andere gekreuzigte Leute, als Aas einfach von wilden Tieren gefressen wurde (was bei gekreuzigten Menschen im Römischen Reich oft passierte). Doch die Berichte sagen ziemlich einstimmig aus (die ältesten uns vorliegenden Berichte sagen einstimmig aus), dass Jesus tatsächlich von diesem Mann, Joseph von Arimatäa, begraben wurde. Daher ist davon auszugehen, dass das auch geschah.

Es gibt ebenfalls gut belegte Überlieferungen, die besagen, dass Frauen sein Grab drei Tage später gefunden haben. Das wird in allen vier Evangeliumsquellen, den alten und den späten, bestätigt, weshalb es ein historischer Fakt zu sein scheint. Somit können wir meines Erachtens sagen, dass Jesus nach seinem Tod mit einiger (wahrscheinlich mit einiger) Gewissheit begraben wurde, möglicherweise von diesem Mann Joseph von Arimatäa, und dass er drei Tage später anscheinend nicht mehr in seinem Grab war.“
(„From Jesus to Constantine: A History of Early Christianity“, Lecture 4: „Oral and Written Traditions about Jesus“ [The Teaching Company, 2003][5]).

Mindestens doppelt so gut belegt ist Jesu Kreuzigung. Dieses Ereignis wird gemeinhin als der am besten belegte Fakt über den historischen Jesus anerkannt. Bestritten wird es nur von Spinnern und überzeugten Moslems. Die ersten fünf Unstimmigkeiten stehen jedoch alle in Verbindung mit den Kreuzigungsberichten, und nicht mit denen vom Begräbnis oder leeren Grab. Bestreiten Sie also aufgrund der Unterschiede in den Erzählungen, dass Jesus von Nazareth 30 n. Chr. zur Zeit des jüdischen Passahfestes von den Römern gekreuzigt wurde? Wenn ja, Grant, dann grenzen Sie sich nicht nur intellektuell aus, sondern beweisen auch, dass Sie nicht wirklich nach der Wahrheit suchen.

Verstehen Sie jetzt, warum ich mich geweigert habe, mich in einen Disput darüber ziehen zu lassen, wie viele Engel am Grab waren? Was die Historizität des leeren Grabes angeht, spielt das einfach keine Rolle.

Sie sagen, dass diejenigen, die an einer Universität sind, die von der Irrtumslosigkeit der Bibel ausgeht, in der Lage sein sollten, diese Unstimmigkeiten zu erklären. Das ist albern, Grant. Warum sollte Coach Holmquist in der Lage sein, diese Unstimmigkeiten zu erklären? Warum sollte sie überhaupt jemand in der Abteilung Neues Testament erklären können? Vielleicht gibt es einfach nicht genügend geschichtliche Informationen, um jede Unstimmigkeit aufzulösen. Mir scheint, als seien Sie der Meinung, dass der Glaube an die Irrtumslosigkeit der Bibel induktiv abgeleitet wird, weshalb Sie wirklich Q&A # 11 („Welche Folgen hat es, wenn man glaubt, dass es Irrtümer in der Bibel gibt?“) lesen sollten.

Ich denke, Sie wollten eigentlich sagen: Diejenigen, die sich einer solchen Universität angeschlossen haben, sollten daran interessiert sein, diese Unstimmigkeiten zu erklären, und ihnen deshalb nicht „ausweichen“, wie Sie mir vorgeworfen haben. Ja, ich stimme Ihnen zu, dass wir Befürworter der Irrtumslosigkeit daran interessiert sein sollten, derlei Unstimmigkeiten zu erklären. Doch alles hat seine Zeit und seinen Ort. Eine Debatte zu den historischen Belegen für die Auferstehung Jesu, wo die Zeit begrenzt und die zentralen Fakten der Argumentation von den meisten Gelehrten in diesem Feld bejaht werden, ist nicht der richtige Zeitpunkt, sich auf solche Diskussionen einzulassen. Diese Diskussion kann man gewinnbringend führen, und sie wird in anderen Rahmen auch geführt.

Gehen wir Ehrmans Liste also der Reihe nach durch:

Datum und Uhrzeit der Kreuzigung: Alle Quellen stimmen darin überein, dass Jesus am Freitag gekreuzigt wurde. Diskutiert wird aber, ob das Passah am Donnerstag oder am Freitag war. Laut den synoptischen Evangelien scheint Jesu letztes Abendmahl mit den Jüngern am Donnerstagabend ein Passahmahl gewesen zu sein. Johannes stimmt zu, dass Jesus am Donnerstagabend im Obergeschoss ein letztes Abendmahl mit den Jüngern eingenommen hat, vor seinem Verrat und seiner Verhaftung. Doch Johannes schreibt, dass die jüdischen Führer Jesus vor dem Passahmahl am Freitagabend ausschalten wollten. War das Passah also am Donnerstag oder am Freitag? Darum geht es in der Diskussion (hoffentlich rückt das für Sie alles in den richtigen Rahmen!).

Eine Möglichkeit ist, dass Johannes das Passahfest auf den Freitag geschoben hat, damit Jesu Tod mit dem Schlachten der Passahlämmer im Tempel zusammenfällt. Vielleicht aber auch nicht: Da im Palästina des 1. Jahrhunderts verschiedene Kalender in Gebrauch waren, wurden die Opfer vielleicht an mehr als einem Tag dargebracht. Die Pharisäer und Leute aus Galiläa zählten Tage von Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang. Sadduzäer und Leute aus Judäa zählten Tage jedoch von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang. In unserem modernen Zeitalter haben wir den meines Erachtens merkwürdigen Brauch übernommen, dass der Tag mitten in der Nacht beginnt und bis zur nächsten Mitternacht dauert. Nun, dieser Unterschied im Zählen von Tagen macht das Datieren bestimmter Ereignisse schlichtweg unmöglich, wie Sie anhand dieses Schemas erkennen können:

Passahlämmer wurden am 14. Tag des Monats Nisan geopfert. Nach der galiläischen Zählung beginnt der 14. Nisan um etwa 6 Uhr an dem Tag, den wir Donnerstag nennen. Für die Judäer fängt der 14. Nisan erst 12 Stunden später an, um etwa 18 Uhr an unserem Donnerstag. Wenn der Galiläer also, gemäß den jüdischen Vorschriften, das Passahlamm am Nachmittag des 14. Nisan opfert, an welchem Wochentag tut er das dann? An einem Donnerstag. Doch wenn der Judäer sein Lamm am Nachmittag des 14. Nisan als Opfer darbringt, an welchem Tag ist das dann? An einem Freitag! Wenn die Nacht hereinbricht, isst er dann das Lamm – nach seiner Zählung – am 15. Nisan. Um also den Forderungen der galiläisch-pharisäischen Sicht der Dinge und auch der judäisch-sadduzäischen Sicht der Dinge nachzukommen, muss es wohl so gewesen sein, dass die Tempelpriesterschaft sowohl am Donnerstag als auch am Freitag Passahopfer darbringen musste. Jesus, der ja Galiläer war und von der ihm bevorstehenden Verhaftung wusste, entschied sich, das Passah am Donnerstagabend zu feiern, während sich die Hohepriester und Schriftgelehrten, die für Jesu Gefangennahme verantwortlich waren, nach dem judäischen Kalender richteten, wie Johannes schreibt. Auch wenn wir keine Belege dafür haben, dass an beiden Tagen Passahopfer dargebracht wurden, ist eine solche Lösung sehr plausibel. Die Bevölkerung Jerusalems erhöhte sich während des Passahfestes auf etwa 125.000 Leute. Für die Tempelpriesterschaft war es logistisch unmöglich, zwischen 15 Uhr und 18 Uhr desselben Nachmittags genug Lämmer für so viele Menschen zu opfern. Sie müssen an mehr als einem Tag geopfert haben, wodurch es absolut möglich erscheint, dass Jesus und seine Jünger das Passah Donnerstagnacht vor seiner Gefangennahme gefeiert haben.

Das ist auch auf die Kreuzigung anwendbar: Markus schreibt, die Kreuzigung war zur dritten Stunde, das heißt 9 Uhr, doch Johannes schreibt, Jesu wurde „um die sechste Stunde“ verurteilt, also um die Mittagszeit. Vielleicht hat Johannes auch hier den Zeitpunkt nach hinten verschoben. Aber vielleicht auch nicht: in den synoptischen Evangelien und der Apostelgeschichte werden ausschließlich (mit einer Ausnahme) die dritte, die sechste und die neunte Stunde als Tageszeiten erwähnt. Selbstverständlich werden in einem Zeitalter ohne moderne Zeitmessgeräte runde Zahlen oder Vierteltage als Zeitangabe verwendet. Mit der dritten Stunde kann alles zwischen 9 Uhr und 12 Uhr gemeint sein.

Hat Jesus sein Kreuz den ganzen Weg lang getragen? Nein, Simon von Kyrene war wahrscheinlich eine historische Person, deren Rolle sich Johannes einfach zu erwähnen entscheidet. Simon wurde von den Soldaten wahrscheinlich zu diesem Dienst gezwungen, als Jesus offenbar zu schwach war, den Querbalken den ganzen Weg bis nach Golgatha zu tragen.

Haben die Schächer gegen Jesus gewettert? Markus schreibt lediglich, dass diejenigen, die mit Jesus gekreuzigt wurden, Jesus beschimpft haben. Er schildert aber keine Details. Doch Lukas schreibt davon, dass einer der Verbrecher seinen Glauben an Jesus zum Ausdruck brachte. Man könnte Lukas‘ Geschichte einfach als gut gemeinte Weiterentwicklung der Kreuzigungserzählung abtun. Aber woher wissen wir, dass Lukas hier nicht mit einer anderen unabhängigen Quelle arbeitet, in der man die Umkehr des Mannes festhält, während Markus das eben überspringt? Ich glaube in keiner Weise, dass wir es hier mit einem Widerspruch zu tun haben.

Wann ist der Vorhang des Tempels zerrissen? Diese vermeintliche Unstimmigkeit ist rein imaginär, da Markus und Lukas das Zerreißen des Tempelvorhangs erwähnen, aber nicht vorgeben, den genauen Zeitpunkt angeben zu können. Lukas wäre überrascht gewesen, wenn ihn ein heutiger Leser beschuldigt hätte, mit der Aufzählung der übernatürlichen Zeichen bei Jesu Tod Markus zu widersprechen.

Wer ging zum Grab? Eine Gruppe von Frauen, einschließlich Maria Magdalena, die immer genannt wird. Johannes richtet seinen Fokus für den dramatischen Effekt auf sie, doch er weiß auch von anderen Frauen, wie Marias Worte zeigen: „Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben“ (Joh 20,2; vgl. 20,13). Wir kennen nicht die Namen aller anderen Frauen, doch zu ihnen zählten eine andere Maria, die Mutter von Jakobus und Joses, und Salome. Die Tatsache, dass Frauen, und nicht Männer, in den Erzählungen als die Entdecker des leeren Grabes genannt werden, ist übrigens einer der überzeugendsten Faktoren, die die meisten Exegeten dazu bringen, die Historizität der Erzählung zu akzeptieren.

War der Stein weggerollt, bevor sie kamen, und was haben sie gesehen? Ja, war er; hier gibt es keine Unstimmigkeit. Sie haben einen oder zwei Engel gesehen. Markus‘ „junger Mann“ ist eindeutig eine Engelsfigur, was durch sein weißes Gewand, seine offenbarende Botschaft und die Reaktion der verängstigten und zitternden Frauen deutlich wird. Zudem haben Markus‘ erste Interpreten (Matthäus und Lukas) den jungen Mann als Engel verstanden.

Was wurde den Frauen gesagt? Ihnen wurde gesagt, dass sie nach Galiläa gehen sollten, wo sie Jesus sehen würden. Da Lukas nicht vorhat, von den Erscheinungen in Galiläa zu erzählen, ändert er Markus‘ Wortlaut der Engelsbotschaft für literarische Zwecke. Die Überlieferung von Erscheinungen in Galiläa ist sehr alt und praktisch allgemein akzeptiert.

Haben die Frauen irgendwem davon erzählt? Natürlich! Wenn Markus schreibt, dass sie zu niemandem etwas gesagt haben, dann meint er damit offensichtlich: während sie zurück zu den Jüngern liefen. Markus deutet die Erscheinungen in Galiläa vorausschauend an, wollte also nicht sagen, dass die Frauen es nicht geschafft haben, die Botschaft der Engel den Jüngern zu überbringen. Die Unstimmigkeit ist rein imaginär.

Haben die Jünger Jerusalem verlassen, um nach Galiläa zu gehen? Natürlich, wie oben erwähnt. Lukas entscheidet sich eben einfach dazu, von keinen Erscheinungen in Galiläa zu erzählen, weil er aufzeigen wollte, wie das Evangelium sich in der heiligsten Stadt der Juden, Jerusalem, verbreitete.

Bei einigen dieser vermeintlichen Unstimmigkeiten ist es also nicht schwer, eine Antwort zu finden. Sie sind außerdem zu erwarten, wenn voneinander unabhängige Berichte desselben Ereignisses angefertigt werden. Andere dagegen sind schwieriger, letzten Endes aber nicht sonderlich folgenreich. Historiker erwarten derlei Unstimmigkeiten selbst in den zuverlässigsten Quellen. Kein Historiker sortiert eine Quelle einfach aus, weil sie Unstimmigkeiten aufweist. Zudem befinden sich die Unstimmigkeiten, auf die sich Ehrman bezieht, nicht alle in einer einzigen Quelle; sie treten zwischen voneinander unabhängigen Quellen auf. Doch natürlich folgt aus einer Unstimmigkeit zwischen zwei voneinander unabhängigen Quellen nicht, dass beide Quellen falsch sind. Schlimmstenfalls ist eine falsch, wenn sie nicht miteinander in Einklang gebracht werden können.

Das Problem beim Fokussieren auf Unstimmigkeiten ist, dass wir oft vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Vorrangig ist, dass die Evangelien in ihren Erzählungen bemerkenswert harmonisch sind. Die Unstimmigkeiten dazwischen sind in Bezug auf zweitrangige Details. Alle vier Evangelien stimmen im Folgenden überein:

Jesus von Nazareth wurde von der römischen Obrigkeit während des Passahfestes in Jerusalem gekreuzigt, nachdem er aufgrund des Vorwurfs der Blasphemie vom jüdischen Sanhedrin festgenommen und für schuldig befunden und dann vor dem Statthalter Pilatus wegen Hochverrats verleumdet worden war. Er starb innerhalb von Stunden und wurde am Freitagnachmittag von Joseph von Arimatäa in ein Grab gelegt, das mit einem Stein verschlossen wurde. Einige Nachfolgerinnen Jesu, unter ihnen Maria Magdalena, die seiner Bestattung beigewohnt hatten, gingen am frühen Sonntagmorgen zu seinem Grab, das sie allerdings leer vorfanden. Danach erschien Jesus als von den Toten Auferstandener den Jüngern, einschließlich Petrus, die dann Verkündiger der Botschaft seiner Auferstehung wurden.

Alle vier Evangelien bestätigen diese vier Fakten. Viele weitere Einzelheiten kommen zudem durch Fakten zustande, die von drei Evangelien belegt werden. Lassen Sie sich also nicht von den kleineren Unstimmigkeiten in die Irre leiten. Sonst müssen Sie auch allen säkularen Erzählungen gegenüber skeptisch sein, die Unstimmigkeiten enthalten, was ziemlich unvernünftig ist.

William Lane Craig

(Übers.: J. Booker)

Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/inerrancy-and-the-resurrection



Anmerkungen

[1] Beide Bücher nur in englischer Sprache (Anm. d. Übers).

[2] Siehe http://www.reasonablefaith.org/german/Belege-fuer-Jesus

[3] Pr (A/B&H) > Pr (A/H) heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass A geschah, wenn wir von Beleg B und Hintergrundinformation H wissen, ist größer als die Wahrscheinlichkeit, dass A geschah, wenn wir nur die Hintergrundinformation H haben.

[4] In englischer Sprache –Anm. d. Übers.

[5] In englischer Sprache – Anm. d. Übers.

- William Lane Craig