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#110 Beweis für die Auferstehung

July 12, 2016
Q

Ich habe ein Argument gegen die Auferstehung Jesu gesehen, das im Internet kursiert. Es lautet im Wesentlichen:

1. Wenn nicht bewiesen werden kann, dass Jesus in einen übernatürlichen Körper verwandelt wurde, nachdem er von den Toten auferstand, dann kann die Auferstehung nicht bewiesen werden.

2. Es kann nicht bewiesen werden, dass Jesus in einen übernatürlichen Körper verwandelt wurde, nachdem er von den Toten auferstand.

3. Also kann die Auferstehung nicht bewiesen werden.

Damit wird offenbar gesagt: Selbst wenn Jesus den Tod irgendwie überlebte, gibt es keinerlei Beweis, dass er in einem unsterblichen/unzerstörbaren Körper auferstand. Das Argument räumt also irgendeine Form von Auferstehung ein, aber nicht die übernatürliche Art der Auferstehung, die das Neue Testament beschreibt. Somit lassen sich die göttlichen Behauptungen von Christus nicht durch Auferstehungsbelege beweisen.

Oft wird das Argument mit dem Beispiel eines Mannes veranschaulicht, der von sich behauptet, er könne einer Gewehrkugel standhalten und mit seinen Laserblicken Gegenstände schmelzen. Selbst wenn er dies demonstrieren würde, sollte man dann seiner weiteren Behauptung glauben, dass er einer Atombombenexplosion standhalten könnte? Der Skeptiker sagt nein, weil eine Atombombenexplosion so viel stärker ist als bloßes Gewehrfeuer und Laserstrahlen.

In demselben Sinn würde gelten: Selbst wenn Jesus wieder lebendig wurde, war das unendlich geringer als seine erstaunlichere Behauptung, Gott zu sein! Können Sie helfen?

Mit freundlichen Grüßen

Don

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Dr. Craig

Dr. craig’s response


A [

Beweis der Auferstehung Jesu

Das Argument scheint davon auszugehen, dass man einen Beweis für die Auferstehung Jesu erbringen muss, indem man beweist, dass er nach seiner Auferweckung einen übernatürlichen Körper hatte. Das ist eigentlich kein Argument gegen die Auferstehung Jesu, Don. Es ist vielmehr ein Versuch zu beweisen, dass empirische Belege nicht zu der Schlussfolgerung berechtigen, dass Jesus auferstanden ist. Es ist ein Versuch, nicht die Auferstehung Jesu zu widerlegen, sondern das historische Argument für die Auferstehung Jesu zu untergraben. In diesem Sinn ist es für christliche Apologeten von Interesse, braucht aber die meisten Christen nicht weiter zu beschäftigen, die ihren Glauben an die Auferstehung Jesu auf historische Belege gründen.

Dieser Einwand gegen eine historische Argumentation für die Auferstehung Jesu geht auf Greg Cavin zurück, der vor einigen Jahren in der Zeitschrift Faith and Philosophy einen Artikel darüber veröffentlichte. Im Kern lautet das Argument: Selbst wenn alles, was die Evangelien über Jesus berichten, sich als wahr beweisen lässt, ist die Schlussfolgerung auf die Auferstehung Jesu unbegründet, denn „Auferstehung“ in der umfassenden jüdischen Bedeutung dieses Begriffs bedeutete den Eintritt in einen unsterblichen, unzerstörbaren körperlichen Zustand. Doch wie könnte man beweisen, dass der nach-österliche Jesus eine Atombombenexplosion hätte überleben können? Wenn man dies nicht beweisen kann, dann hat man seine Auferstehung nicht in der vollen theologischen Bedeutung dieses Begriffs bewiesen.

Ich muss ganz offen sagen, dass dieser Einwand mir immer als Krittelei vorgekommen ist. Er hätte absurderweise sogar von einem der persönlichen Augenzeugen der Auferstehung Jesu vorgebracht werden können, wie zum Beispiel dem zweifelnden Thomas, was gewiss zeigt, wie verquer die Sache ist.

Das Argument ist sogar auf mehreren Ebenen verfehlt. Erstens behauptet der christliche Apologet nicht, einen Beweis für die Auferstehung Jesu zu haben. Tatsächlich muss man den Apologeten nicht so verstehen, als würde er in dem umfassenden theologischen Sinn des Wortes für die Auferstehung argumentieren. Sie werden zum Beispiel bei mir feststellen, dass das, was ich als die Auferstehungshypothese bezeichne, die Aussage ist: „Gott hat Jesus von den Toten auferweckt.“ Das ist alles, was ich mit „Auferstehung“ meine. Eine solche Behauptung ist die Bekräftigung eines Wunders, eines von Gott verursachten Ereignisses, das auf natürliche Weise unmöglich ist. Wie Cavin selbst in einem anderen Zusammenhang argumentierte, ist es unfassbar unwahrscheinlich, dass die Zellen im Körper Jesu auf natürliche Weise ins Leben zurückkehren sollten, sodass selbst seine eigene ungeheuer unwahrscheinliche Zwillingstheorie (auch bekannt als die „Dave“-Theorie, in Anlehnung an den Kevin Kline-Spielfilm) einer solchen naturalistischen Hypothese vorzuziehen wäre. Wenn also die Auferstehungshypothese, wie ich behaupte, die beste Erklärung für die Belege ist, dann ist es berechtigt, auf einen übernatürlichen Akt Gottes an Jesus zu schließen. Ob dieses Ereignis auch bedeutete, dass der auferweckte Körper Jesu Eigenschaften wie Unverwundbarkeit, Unzerstörbarkeit, usw. besaß, kann in den theologischen Überlegungen offen bleiben.

Beweis der Auferstehung Jesu – Argumentation einer Schlussfolgerung auf die beste Erklärung

Zweitens scheint der Einwand – selbst im umfassenden Sinn dieses Wortes – eine Fehlkonstruktion des Arguments für die Auferstehung Jesu zu sein, da es als deduktives Argument statt als Schlussfolgerung auf die beste Erklärung formuliert wird. Der Vertreter dieses Einwandes scheint zu denken, dass ein christlicher Apologet in der Lage sein müsste, aus den Belegen logisch abzuleiten, dass Jesus z.B. eine Cholera oder einen Autounfall hätte überleben können. Aber das entspricht nicht dem Aufbau eines induktiven Arguments. Für jede Reihe von Daten gibt es eine unendliche Zahl von Hypothesen, die mit den Daten vereinbar sind. Um ein sehr bekanntes Beispiel zu benutzen, denken Sie an eine Reihe von Punkten, die auf zwei Achsen angeordnet sind. Es gibt eine unendliche Zahl von Linien, die durch diese Punkte gezogen werden könnten, von denen einige eine wilde Kurve beschreiben, bevor sie die Punkte verbinden. Aber bedeutet dies, dass ein Wissenschaftler, der eine glatte Kurve durch diese Punkte zeichnet, damit einen unzulässigen Schluss über die Bedeutung der Daten zieht? Natürlich nicht! Er folgert, dass die relativ gerade Linie die Daten auf Grund ihrer relativen Einfachheit richtig interpretiert.

In ähnlicher Weise zieht man aus den Daten einen Schluss auf die beste Erklärung, wenn man folgert, dass Jesus in der umfassenden jüdischen Bedeutung des Begriffs von den Toten auferstanden ist. Hier ist der historisch-religiöse Kontext des Ereignisses der Schlüssel zu seiner richtigen Interpretation. Wenn der Gott Israels Jesus auferweckt und damit zugleich seine vermeintlich blasphemischen Behauptungen rehabilitiert und bekräftigt hat, durch die Jesus sich an Gottes Stelle setzte, dann lautet die natürlichste Erklärung auf dem Hintergrund des jüdischen Kontextes, dass die Auferstehung Jesu im Vorhinein geschehen ist, vor der allgemeinen Auferweckung, welche die Hoffnung der Juden war. Diese Schlussfolgerung ist besonders stichhaltig, wenn Jesus seinen Tod und seine Auferweckung durch den Gott Israels voraussagte, denn er sprach in dem umfassenden jüdischen Sinn von der Auferstehung. Es wäre höchst ad hoc und unjüdisch zu behaupten, dass es eine bessere Erklärung wäre zu sagen, dass Jesus auferweckt wurde, aber immer noch der Möglichkeit unterlag, z.B. an Malaria zu erkranken oder durch einen Stromschlag getötet zu werden. Eine solche Hypothese stimmt mit den Daten überein, aber als Schlussfolgerung auf die beste Erklärung schlägt sie hoffnungslos fehl.

Beweis der Auferstehung Jesu – Die Auferstehung demonstriert Gottes Beglaubigung der Behauptungen Jesu

Drittens gilt dieser Punkt auch in Bezug auf eine Rechtfertigung des Gottheitsanspruchs Jesu. Das Argument lautet nicht, dass nur ein göttliches Wesen von den Toten auferweckt werden kann oder dass die Gottheit Jesu logisch aus seiner Auferstehung abgeleitet werden kann. Die Behauptung lautet vielmehr, dass angesichts des historisch-religiösen Kontextes des eigenen radikalen Selbstverständnisses Jesu und seiner von vielen als blasphemisch erachteten persönlichen Behauptungen, ganz zu schweigen von seinem Wirken als Wundertäter, Exorzist und Verkündiger des anbrechenden Reiches Gottes, die Auferweckung Jesu von den Toten durch Gott am plausibelsten als Gottes Beglaubigung dieser Behauptungen zu verstehen ist.

Ich erinnere mich an eine wunderbare Illustration für diese Art von Schlussfolgerung, die der christliche Philosoph Tom Morris in seinem Buch Making Sense of It All (S. 177-180) erzählt. Tom schreibt:

„Jahrelang verstand ich selbst nicht, wie die Wunder eigentlich genau als Zeichen göttlicher Wahrheit fungieren sollen, bis ich einem ganz außerordentlichen Mann begegnete. Ich wohnte in einem Ferienhaus draußen im Wald auf einem 2,8 Hektar großen Grundstück mit zwei anderen Doktoranden während meines ersten Semesters in Yale. Eines Tages stellte sich ein Mann vom Nachbargrundstück vor und erzählte mir, dass er in der Nacht, bevor wir einzogen, eine Motorrad-Gang gesehen hatte, die in dem Wald zwischen unseren Häusern kampierten. Es war drei Uhr nachts, sagte er, als er bei ihnen auftauchte und sie überredete, wegzugehen. Er erklärte, dass er nachts oft durch die Wälder streifte und jagte, wenn er wegen alter Kriegsverletzungen nicht schlafen konnte. Indem er den Reißverschluss seiner Windjacke ein wenig öffnete, zeigte er mir die 44er Magnum Langlauf-Handfeuerwaffe, die er in einem Schulterhalfter stets bei sich trug. „Manchmal macht das die Leute in der Bank ein wenig nervös“, fügte er lächelnd und mit einem Augenzwinkern hinzu.

Nachfolgende Besuche und Fragen meinerseits mündeten in einige Kriegsgeschichten, die man definitiv in ein Drehbuch für einen Spielfilm hätte schreiben können. Er gehörte zu einer Sondereinheit, die in allen relevanten Kampfsportarten ausgebildet war. Er konnte mit jedem Projektil aus der Distanz töten – einem Kugelschreiber, einem Bleistift Nr. 2. Er und ein Schoschonen-Indianer waren die einzigen Mitglieder seiner Einheit, die aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt waren. Und das, nachdem er durch einen Panzer angeschossen worden war. Ich wurde eingeladen, das Loch in der Schulter dieses Bären von einem Mann zu betasten, während die Geschichten immer dramatischer wurden. Abspringen aus Flugzeugen hinter den feindlichen Linien, Aufschlitzen von deutschen Kampfhunden mitten im Sprung, Gefangennahme und Eliminierung von Nazi-Offizieren mit Klavierdraht. Die Strategien, das Gerade-noch-einmal-Davonkommen, die aufregenden Fluchten. Besser als in den Spielfilmen. Eines Tages sah ich ein Medaillon auf der vorderen Stoßstange seines Kleinlasters mit dem Namen einer Stadt in Connecticut und der Inschrift „Ehren-Polizeichef“. Ich fragte danach.

„Ach, das war nichts, Tom. Vor ein paar Jahren fuhr ich einfach eines Tages die Straße lang und sah hinter einem Gebäude vier Kerle, die auf einen Polizisten einschlugen, den sie zu Boden geworfen hatten. Na ja, das konnte ich nicht zulassen, also stieg ich aus dem Laster und stoppte das Ganze. Der Bürgermeister fand es nett von mir, dass ich geholfen hatte, und ernannte mich ehrenhalber zum Polizeichef.“

Ich fragte: „Was geschah mit den vier Kerlen?“ Er antwortete: „Sagen wir einfach, dass sie einen schönen langen Krankenhausaufenthalt hatten.“

Die Geschichten wurden ausführlicher und allmählich fragte ich mich, ob sie überhaupt alle wahr sein konnten. Wir waren weit über sämtliche Kriegs- und Spionagegeschichten hinausgegangen, die ich je gehört oder im Kino gesehen hatte. An irgendeinem Punkt hätte jeder Zweifel bekommen, dass das alles überhaupt wahr sein konnte.

Dann, als ich eines Tages auf einer Aussichtsplattform saß und Gitarre spielte, wurde ich von der größten, höchst bedrohlich aussehenden Wespe gestochen, die ich je gesehen hatte. Der Stich war extrem schmerzhaft und die Einstichstelle an meiner linken Wade fing sofort an, sich zu röten und anzuschwellen. Mir wurde schwindelig. Schon nach ein oder zwei Minuten konnte ich nicht mehr gehen. Der Schmerz war schrecklich, die Schwellung war enorm, und ein Mitbewohner musste mich praktisch zum Nachbarn hinübertragen, damit dieser mich ins Krankenhaus fahren konnte. Er öffnete die Tür, sah mir ins Gesicht und meinte: „Mein Gott, Tom, was ist denn mit dir passiert?“ Wir erklärten es rasch, während er uns in sein Haus bat.

„Setz dich“, sagte er und deutete auf einen Sessel neben uns in seiner Bude. Unter Schmerzen setzte ich mich. Ich erwartete, dass er seine Autoschlüssel holen würde, doch stattdessen sah er mir in die Augen und sagte: „Nun, du brauchst dir gar keine Sorgen zu machen. Ich werde etwas tun müssen, um dir herauszuhelfen, aber vielleicht schaust du lieber nicht hin.“ Ich wollte aber hinschauen. Ich bin ein Philosoph. Ich bin unverbesserlich neugierig. „Wir müssen dein Bein ausstrecken“, sagte er, während er am Fuß zog, wobei er das Bein anhob und auf sein Knie stützte, während er vor mir hockte. Dann verschränkte er seine kräftigen Hände, die Daumen hochgestreckt, und presste sie mit einer plötzlichen heftigen Bewegung in meine linke Kniekehle; er tat es mit solcher Wucht, dass ich dachte, meine Kniescheibe würde jeden Moment an die Decke fliegen (und erst dieses Jahr, sechzehn Jahre später, hatte ich ein paar geringe Probleme mit dem Knie). Dann fuhr er zwei oder drei Mal mit seinen Daumen kräftig die Wade entlang. Dann schaute er hoch und sagte: „Steh auf. In ein paar Minuten sollte alles in Ordnung sein.“

Ich stand auf, ohne Hilfe, fast schmerzfrei. Ich belastete das Bein ein wenig, um es zu prüfen. Kein Schmerz, ich schaute hinunter und war schockiert zu sehen, dass die Schwellung fast völlig verschwunden war; es blieb nur noch eine kleine Erhebung, wo vorher ein Hügel von der Größe eines Eis gewesen war. „Alles in Ordnung?“, fragte er. Mit mir war alles in Ordnung, und auch mit allen seinen Geschichten.

„Wie haben Sie das gemacht?“, fragte ich. Er sagte: „Oh, das ist nur ein kleiner Trick, den wir brauchten, wenn einer durch die nächtlichen Fallschirmsprünge verkorkst war. Wir mussten alles Mögliche selbst regeln können.“ Von diesem Tag an zweifelte ich an keiner seiner Geschichten mehr, wenn sie auch noch so dramatisch waren.

Und nicht allzu lange danach wurde mir klar, dass es einen Zusammenhang gab zwischen der Art und Weise, wie die Ereignisses an jenem Nachmittag die Glaubwürdigkeit aller seiner außergewöhnlichen Geschichten erhöht hatte, und dem, was die Wunder für die Lehre Jesu und für die außergewöhnlichen Dinge, welche die frühen Christen über ihn behaupteten, bedeuten sollten. Bemerkenswerte Taten bestätigen bemerkenswerte Geschichten. Wenn man, um eine erstaunliche Tat zu erklären, postulieren muss, dass eine Person Zugang zu irgendeiner Quelle des Wissens und der Macht hat, die das Gewöhnliche übersteigt, und es nur irgendein solcher seltener Zustand ist, der nötig wäre, um die Behauptungen über diese Person glaubwürdig zu machen, dann kann das Bezeugen dieser Tat oder das Hören dessen, was eine sehr vertrauenswürdige Quelle darüber sagt, dazu dienen, die Glaubwürdigkeit der Geschichten zu erhöhen, sogar bis zu dem Punkt, dass praktisch jeder Zweifel ausgeräumt wird. Das ist es, was an diesem Tag bei mir und meinem Nachbarn geschah, und es ist genau das, was ... bei unserem Urteil über Jesus passieren könnte.“

Das Wunder, das Gott tat, indem er Jesus von den Toten auferweckte, ist plausibel als Gottes Beglaubigung für die radikalen persönlichen Behauptungen Jesu zu verstehen, für die er als Gotteslästerer gekreuzigt wurde. Im Licht der Auferweckung Jesu durch Gott erhalten die Behauptungen Jesu über sich selbst eine neue Glaubwürdigkeit. Die Auferweckung ist Gottes beglaubigendes Siegel für diese außergewöhnlichen Behauptungen.

(Übers.: M. Wilczek)

Link to the original article in English: /proof-of-the-resurrection

- William Lane Craig