#17 Barkers Einwand auf das Kalam-Argument
September 28, 2015Sehr geehrter Prof. Craig,
ich weiß Ihre Arbeit größtenteils zu schätzen und finde das Kalam-Argument sehr überzeugend. Eine Frage bleibt aber. Sie hat mit einem Zirkelschluss im Kalam-Argument zu tun, auf den beispielsweise der Atheist Dan Barker hingewiesen hat.
Er sagt, dass das Argument ein Zirkelschluss wird, wenn wir die erste Prämisse folgendermaßen verstehen:
1': Es gibt zwei Kategorien des Seins. Sein mit einem Anfang und Sein ohne Anfang.
Barker meint, dass die letztgenannte Gruppe zu einem Synonym für Gott wird, wenn es nur ein Element in dieser Gruppe gibt, und dass man ein weiteres Element in dieser Kategorie benötigen würde, um diesen Zirkelschluss zu umgehen.
Herzliche Grüße
Dave
Dr. craig’s response
A [
Wenn das wirklich Barkers Argument ist, muss er wieder zurück an den Schreibtisch. Die erste Prämisse des kalam-kosmologischen Argumentes lautet:
1. Was anfängt zu existieren, hat eine Ursache.
Die Aussage, die Sie zitieren, sagt nichts über die Voraussetzung aus, dass Dinge, die anfangen zu existieren, eine Ursache haben müssen. Die Aussagen sind also nicht synonym. Wenn man (1) durch Barkers (angebliche) Prämisse (1') ersetzt, wird das kalam-kosmologische Argument völlig unzulässig. Denn aus Barkers Prämisse (1') und
2. Das Universum begann zu existieren.
würde nicht Prämisse 3 folgen:
3. Also hat das Universum eine Ursache.
Es ist also offensichtlich, dass die vorgeschlagene Ersatzprämisse (1') eine andere Bedeutung als (1) hat.
Ja, Barkers (angebliche) Prämisse ist nur eine Anwendung des Satz des ausgeschlossenen Dritten (A oder nicht-A). Alles hat entweder einen Anfang oder keinen Anfang. Wie könnte man mit dieser logisch notwendigen Wahrheit im Kreis argumentieren? Wahrscheinlich wenn man versuchen würde, den Satz selbst zu belegen, aber das ist hier offensichtlich nicht das Ziel.
Was aber nun die Behauptung angeht, dass „alles, das nicht anfängt zu existieren“ synonym mit „Gott“ wird, wenn Gott das einzige Element der Klasse von Dingen ist, die nicht anfangen zu existieren: Das ist bloß eine Verwechslung von Bedeutung und Referenz. Wenn Gott das einzige Element einer Klasse anfangsloser Dinge ist, dann haben beide Bezeichnungen denselben Referenten, das heißt, sie beziehen sich auf dasselbe Objekt. Aber das beweist überhaupt nicht, dass die beiden Ausdrücke dieselbe Bedeutung haben. Wenn das so wäre, wüsste man, dass eine Aussage wahr ist, wenn die andere auch wahr ist, was offensichtlich nicht der Fall ist.
Zudem erscheint es mir auch so, als halte (Pseudo-)Barker seine Ersatzprämisse für eine existentielle Aussage. Er scheint der Meinung zu sein, dass uns seine Prämisse, wenn man ihr zustimmen würde, gleichzeitig verpflichten würde, an die Existenz von Wesen, die anfangen zu existieren, und an die Existenz Gottes zu glauben. Und dies ist seines Erachtens ein Zirkelschluss zugunsten von Gottes Existenz. Damit schafft er es nicht, seine eigene Prämisse zu verstehen. Das „es gibt“ bindet uns im Fall seiner Prämisse (1') nur an die Existenz von Klassen (oder „Kategorien“, wie er sie bezeichnet). Doch die Klasse der anfangslosen Dinge könnte leer sein. Deswegen wird uns Gottes Existenz nicht aufgezwungen. In jedem Fall gilt: Wenn es einen solchen Zwang gäbe, wäre die Prämisse allerdings auch dann ein Zirkelschluss, wenn man dieser Klasse ein weiteres Element hinzufügt, da man immer noch voraussetzen würde, dass Gott existiert.
Ich denke, das „Es gibt“ in seiner Prämisse ist nur ein Stilmittel. Die Prämisse sollte als diese Aussage verstanden werden: „Alles hat entweder einen Anfang oder keinen Anfang.“ Das ist eine sogenannte Allaussage, die an sich keine Aussage über Existenz oder Nichtexistenz macht.
Dieser Einwand ist so schlecht, dass ich mich fragen muss, ob Sie ihn nicht falsch verstanden haben.
William Lane Craig
(Übers.: J. Booker)
Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/barkers-objection-to-the-kalam-argument
- William Lane Craig