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#302 Warum wir unsere Kinder im Glauben an Gott erzogen haben

September 28, 2015
Q

Sehr geehrter Prof. Craig,

ich möchte Ihnen für Ihre ganze Arbeit im Namen Christi danken. Auf der Nachrichtenwebseite CNN.com hat mich ein äußerst aggressiver Artikel einer Mutter aus Texas beunruhigt. Er trägt den Titel: „Warum ich meine Kinder ohne Gott erziehe.“ Der Artikel wurde auf der Website bereits von mehr als 500.000 Menschen angeklickt. Im Folgenden habe ich die Gründe der Frau, warum sie ihre Kinder ohne Gott erzieht, angefügt und mich gefragt, ob Sie nicht vielleicht Stellung dazu nehmen könnten (ich weiß, es ist nicht typisch, aber die Reaktionen, die sie erhalten hat, waren wirklich aufschlussreich):

Als mein Sohn etwa drei Jahre alt war, stellte er mir eine Menge Fragen über den Himmel. Wo ist er? Wie können Menschen ohne einen Körper gehen? Wie kann ich Dich dann im Himmel finden? Sie kennen ja die Fragen, die Kinder stellen.

Mehr als ein Jahr log ich ihn an und dachte mir Geschichten über den Himmel aus, die ich selbst nicht glaubte. Wie die meisten Eltern liebe ich mein Kind so sehr, dass ich ihm keine Angst machen will. Ich möchte, dass er sich sicher und geliebt fühlt und voller Hoffnung ist. Dazu musste ich aber etwas erfinden und ihn Geschichten glauben machen, die keinen Sinn ergeben, Geschichten, an die ich selbst nicht glaube.

Eines Tages wird er das erfahren, und dann wird er meinen Worten nicht mehr vertrauen. Ihm wird dann klarwerden, dass ich ihm eine ausgeklügelte Geschichte erzählt habe – ganz ähnlich wie die, die man Kindern über den Weihnachtsmann erzählt –, um die widersprüchliche und unlogische Legende von Gott zu erklären.

Und daher dachte ich, es wäre nur richtig, ehrlich zu meinen Kindern zu sein. Ich bin kein Christ, und jahrelang stand ich in meinem Gemeindebezirk am Rand. Als Blogger habe ich jedoch herausgefunden, dass es noch viele andere Eltern wie mich gibt. Wir bringen die nächste Generation von Kindern hervor, und damit eine ganze Reihe von jungen Agnostikern, Atheisten, Freidenkern und Humanisten, die das religiöse Fieber in unserem Land hoffentlich abklingen lassen werden.

Hier nun einige Gründe, warum ich meine Kinder ohne Gott erziehe.

Gott ist ein schlechter Vater und ein schlechtes Vorbild.

Wenn Gott unser Vater ist, dann erfüllt er seine Aufgabe nicht gut. Gute Eltern erlauben es ihren Kindern nicht, anderen Schaden zuzufügen. Gute Menschen stehen nicht daneben und sehen zu, wie unschuldigen Männern, Frauen und Kindern schreckliche Dinge angetan werden. Sie nehmen Gewalt und Missbrauch nicht einfach hin. Heißt es nicht: „Er hat uns den freien Willen gegeben“? Unsere Kinder haben einen freien Willen, aber dennoch schreiten wir ein und zeigen ihnen den Weg.

Gott ist nicht logisch.

Wie oft hat man schon gehört: „Warum hat Gott das zugelassen?“ Und: „Wir können das nicht verstehen.“ Was übersetzt heißt: Da wir es nicht verstehen, denken wir auch nicht darüber nach oder befassen uns mit dem Problem. Nehmen Sie beispielsweise die sinnlose Tragödie in Newtown. Statt das Waffenproblem in Amerika anzusprechen, schieben wir die Verantwortung auf Gott. Er hatte einen Grund. Er wollte mehr Engel. Nur er weiß warum. Wir schreiben Gedichte, die sagen, dass wir Gott aus unseren Schulen verbannt haben. Jetzt lässt er uns den Preis dafür bezahlen. Wenn es einen guten, allwissenden, allmächtigen Gott gibt, der seine Kinder liebt, macht es dann Sinn, dass er Morde, Kindesmissbrauch, Kriege, brutale Schläge, Folter und Millionen von abscheulichen Taten zulässt, die in der ganzen Menschheitsgeschichte begangen wurden? Ist das nicht gegen alles, was Christus uns im Neuen Testament gelehrt hat?

Wir sollten uns vielmehr fragen: „Warum haben wir dies alles zugelassen?“ Wie können wir das in Ordnung bringen? Aber es wird keine imaginäre Person geben, die uns darauf Antwort geben oder das Warum verraten wird. Nur wir haben die Fähigkeit zur Logik und zur Problemlösung, und wir sollten uns dieser Verantwortung nicht entziehen und sie auf „Gott“ schieben, nur weil es schwierig oder unangenehm ist, ein Thema anzusprechen.

Gott ist nicht fair.

Wenn Gott fair ist, warum erhört er dann die albernen Gebete einiger Leute, während die ernsthaften Bitten anderer unbeantwortet bleiben? Ich habe Menschen kennen gelernt, die dafür beten, dass sie Geld finden, um sich neue Möbel kaufen zu können. (Erhört.) Andere haben Gott darum gebeten, ihnen zu helfen, ein Fußballspiel zu gewinnen. (Erhört.) Warum bleiben die Gebete von Eltern, deren Kinder im Sterben liegen, unerhört?

Wenn Gott fair ist, warum werden dann einige Säuglinge mit Herzfehlern, Autismus, fehlenden Gliedmaßen oder als siamesische Zwillinge geboren? Es ist eindeutig, dass nicht alle Menschen gleich geschaffen wurden. Warum wird ein guter Mensch auf der Straße besinnungslos geschlagen, während ein böser Mensch zu großem Reichtum kommt, indem er andere ausnutzt? Das ist nicht fair. Wer es zulässt, dass das Glück die menschliche Existenz regelt, hat kein gerechtes Spiel erschaffen.

Gott beschützt nicht die Unschuldigen.

Er beschützt unsere Kinder nicht. Als Gesellschaft stehen wir auf und setzen uns für die ein, die es nicht selbst können. Wir schützen unsere Kleinen so gut wir können. Wenn ein Kind entführt wird, arbeiten wir zusammen, um es zu finden. Missbrauch und Vernachlässigung werden von uns nicht geduldet. Warum kann der allmächtige Gott die Unschuldigen nicht beschützen?

Gott ist nicht da.

Er ist nicht hier. Unseren Kindern zu erzählen, dass sie eine Person lieben sollen, die sie nicht sehen, riechen, berühren oder hören können, ergibt keinen Sinn. Es bedeutet, dass wir Kindern beibringen, ein Bild zu lieben, das nur in ihrer Fantasie existiert. Wir lehren sie im Grunde, eine Vorstellung zu lieben, die wir geschaffen haben und die auf unseren Ängsten und Hoffnungen beruht.

Gott lehrt Kinder nicht, gut zu sein.

Ein Kind sollte moralische Entscheidungen aus den richten Motiven treffen. Ihm zu sagen, dass es sich benehmen muss, weil Gott es sieht, bedeutet, dass seine moralischen Grundsätze auf Äußeres fokussiert werden, statt von innen herauszukommen. So als würde man einem Kind sagen, es müsse sich benehmen, ansonsten würde ihm der Weihnachtsmann keine Geschenke bringen. Wenn wir Gott aus der Gleichung nehmen, übertragen wir unseren Kindern die Verantwortung für richtiges Verhalten. Nein, sie werden nicht in den Himmel kommen oder über ihren eigenen Planeten herrschen, wenn sie sterben, aber sie können in der Nacht besser schlafen. Sie machen ihre Familie stolz. Sie fühlen sich so besser, wie sie sind. Sie werden zu anständigen Menschen.

Gott lehrt Narzissmus.

„Gott hat einen Plan für dich.“ Kindern zu erzählen, dass es im Himmel eine bedeutende Person gibt, die einen speziellen Weg für sie hat, macht Kinder narzisstisch; es lässt sie glauben, dass ihnen die Welt zur Verfügung steht und es nicht wichtig ist, was passiert, weil Gott alles unter Kontrolle hat. Das gibt Kindern ein Gefühl falscher Sicherheit und führt zu Selbstsucht. „Ganz gleich, was ich tue, Gott liebt mich und vergibt mir. Er kennt meine Absicht. Ich bin etwas Besonderes.“ Die Ironie ist: Während wir das unseren Kindern erzählen, werden andere Kinder missbraucht, vernachlässigt und ermordet und sterben vor Hunger. Das alles gehört zum Plan Gottes, richtig?

Wenn wir Kinder ohne Gott erziehen, sagen wir ihnen die Wahrheit: Wir sind nicht besser als das Geschöpf neben uns. Wir sind nur ein sehr, sehr kleiner Teil eines großen, großen Apparats, ob dieser Apparat nun die Natur oder die Gesellschaft ist; unser Einfluss ist winzig. Die Erkenntnis, wie unbedeutend wir sind, verleiht uns ein wahres Gefühl von Bescheidenheit.

Ich verstehe, warum die Menschen Gott brauchen. Ich verstehe auch, warum sie den Himmel brauchen. Es ist ein schrecklicher Gedanke, dass wir allein sind in diesem Universum und wir eines Tages – zusammen mit den Kindern, die wir lieben – nicht mehr existieren werden. Die Vorstellung von Gott und einem Leben nach dem Tod gibt vielen von uns Struktur, ein Gemeinschaftsgefühl und Hoffnung.

Ich möchte nicht, dass die Religion verschwindet. Ich wünsche mir nur, dass sie zuhause oder in der Kirche ausgeübt wird, wo sie hingehört. Sie ist eine persönliche Sache wie eine Zahnbürste oder ein Paar Schuhe und sollte nicht von Fremden benutzt oder getragen werden. Ich möchte, dass meine Kinder frei sind, nicht zu glauben, und ich möchte in dem Bewusstsein leben, dass unsere Schulen und unsere Regierung Entscheidungen auf einer logischen und gerechten Grundlage treffen – nicht auf dem, was ihrer Meinung nach ein imaginärer Gott will.

Ich danke Ihnen noch einmal für Ihren unermüdlichen Einsatz.

Mit freundlichen Grüßen

Eric

  • United States

Dr. Craig

Dr. craig’s response


A [

Jan und ich haben unsere Kinder im Glauben an Gott, an den Gott des Christentums erzogen. Warum? Weil wir sie die Wahrheit lehren wollen. Aus demselben Grund lügen Jan und ich unsere Kinder nicht über den Weihnachtsmann an. Wir haben ihnen gesagt, dass Santa Claus (oder Père Noёl, als sie noch in Belgien aufwuchsen) eine lustige Fantasiegestalt ist, von der wir nur behaupten, sie würde zu Weihnachten Geschenke bringen. Es ist nur eine nette Geschichte, hinter der nichts weiter steckt. Weihnachten handelt in erster Linie von der Geburt einer historischen Person, die wirklich lebte, Jesus von Nazareth, der uns zeigte, wie Gott ist, und der für unsere Sünden starb und von den Toten wieder auferstand. Wir waren darauf vorbereitet, augenblicklich über die Gründe zu reden, warum wir diese Dinge glauben, sollten sie uns danach fragen. Keine Frage war verboten, wir ermutigten unsere Kinder sogar zum Fragen.

Wir denken, dass der christliche Glaube wahr ist. Wie also könnten wir ihn unsere Kinder nicht lehren? Es wäre die schlimmste denkbare Form von Kindesmissbrauch, die eigenen Kinder von der Liebe Gottes und dem ewigen Leben abzuschirmen. Der grundlegende Fehler der Mutter, die den obigen Text geschrieben hat, ist ihre Annahme: „Wenn wir Kinder ohne Gott erziehen, sagen wir ihnen die Wahrheit.“ Tun wir das wirklich? Ich meine, das Gegenteil ist der Fall. Wir führen sie dadurch nur in die Irre und erzählen ihnen die Unwahrheit. Somit lautet die Frage: Ist der christliche Glaube wahr? Welche Gründe führt diese Mutter für ihren gegenteiligen Standpunkt an? Wir wollen sie uns nacheinander kurz anschauen.

Gott ist ein schlechter Vater und ein schlechtes Vorbild.

Dieser Vorwurf geht davon aus, dass Gott als ein Vorbild für Elternschaft dienen sollte. Doch obwohl es Parallelen gibt zwischen Gott als unserem himmlischen Vater und menschlichen Eltern, sind die Punkte, wo der Vergleich nicht greift, so schwerwiegend, dass sie die Annahme untergraben, Gott sollte als Vorbild für menschliche Eltern dienen. Zum einen sollte der Vergleich zwischen uns und unseren erwachsenen Kindern gezogen werden, und in diesem Fall lassen wir sie ihre eigenen freien Entscheidungen treffen, ohne uns einzumischen. Aber auch dann ist der Vergleich nicht völlig schlüssig. Denn wir und unsere Kinder stehen auf derselben Stufe; Gott hingegen ist unser Schöpfer und Herr. Ein menschlicher Vater, der sich für das A und O der Existenz seiner Kinder hält, wäre ein Egomane. Aber der unendliche Gott, der das Gute und die Liebe schlechthin ist, ist der angemessene Zweck aller Wesen (sogar seiner selbst!), das summum bonum (das höchste Gut). Ich bin verantwortlich für die moralische und geistliche Ausbildung meiner Kinder; Gott jedoch ist daran interessiert, dass alle Menschen auf freiwilliger Basis zur errettenden Erkenntnis seiner selbst kommen. Es ist keineswegs unwahrscheinlich, dass nur in einer Welt, die von natürlichem und moralischem Bösen erfüllt ist, die optimale Zahl an Menschen freiwillig ihn und seine Erlösung kennen lernen würde. Gegenüber meinen Kindern bin ich an bestimmte moralische Verpflichtungen und Verbote gebunden (z.B. ihnen keinen Schaden zuzufügen), aber Gott (sollte er überhaupt moralische Pflichten haben) ist nicht an viele von ihnen gebunden (z.B. kann er Leben geben und nehmen, wie es ihm gefällt). Gott kann mir schreckliche Leiden auferlegen (wenn auch nicht ohne Entschädigung!), damit andere ewiges Leben finden können.

Gott ist nicht logisch.

Dieser Mutter ist offensichtlich nicht bewusst, dass die logische Version des Problems des Bösen sogar von Atheisten und agnostischen Philosophen als Bankrott angesehen wird. (Siehe die Diskussion über das Problem des Bösen in dem von mir mitverfassten Buch Philosophical Foundations for a Christian Worldview).[1] Wenn wir sagen, wir verstehen nicht, warum Gott einen bestimmten Fall von Leid zugelassen hat, liegt das nicht daran, dass wir nicht darüber nachdenken oder uns mit dem Problem befassen. Vielmehr erkennen wir, dass wir uns nicht in einer Position befinden, in der wir berechtigte Vermutungen darüber anstellen können, warum Gott diese spezielle Sache zugelassen hat. Sein moralisch ausreichender Grund für solches Leid mag vielleicht erst in hunderten von Jahren oder in einem anderen Land erkennbar sein. Jedes Ereignis hat seine Nachwirkungen in der Geschichte, sodass die Konsequenzen für auf Zeit und Raum begrenzte Personen unmöglich vorauszusagen sind. Daher sollten wir aus intellektueller Bescheidenheit besser sagen, dass wir den speziellen Grund nicht kennen, warum Gott ein bestimmtes Leid geschehen hat lassen. Was wir jedoch aufzeigen können, ist, dass das Auftreten eines solches Leids in Bezug auf die Existenz Gottes weder widersprüchlich noch unwahrscheinlich ist, wie der Atheist anmaßenderweise annimmt.

Natürlich befürwortet niemand, dass wir unsere Verantwortung für die Linderung oder Eliminierung der Übel in unserer Welt aufgeben sollten. Im Gegenteil, Christen haben den Kampf angeführt gegen Sklaverei, Armut, Krankheit, Unwissenheit und die offenkundig bösen Verhältnisse in unserer Welt. Was haben Atheisten in letzter Zeit für uns getan?

Gott ist nicht fair.

Das ist bloß kindisches Gejammer. Das Leben ist nicht fair. Gewöhnen wir uns besser daran. Gott ist nicht verpflichtet, „fair“ zu sein. (Schon vergessen, Gott ist kein Weihnachtsmann?) Das bedeutet nicht, Gott würde zulassen, dass „das Glück die menschliche Existenz regelt.“ Nein, es ist Gottes souveräne Vorsehung, die die Angelegenheiten der Menschen regelt. Gott hat nicht jedem Menschen ein gleiches Los im Leben verheißen oder gegeben. Was er jedoch jedem Menschen, den er erschaffen hat, gibt, ist ausreichend Gnade zur Erlösung und zum ewigen Leben. Die Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten dieses Lebens sind keinen Vergleich wert mit der Herrlichkeit, die Gott uns im Himmel geben wird. Mit souveräner Hand ordnet er die Welt so, dass seine Pläne zustande kommen, und wir können ihm vertrauen, dass er Gutes tut.

Gott beschützt nicht die Unschuldigen.

Richtig! Ebenso wenig ist er dazu verpflichtet. Er beschützte seinen einzigen Sohn Jesus Christus, der der unschuldigste von allen Menschen war, nicht vor dem schrecklichen Kreuzestod. Aber Gott leitet die Welt derart, dass er seine guten Absichten für die Menschheit erreicht. Insbesondere der unschuldige Tod Christi brachte der Menschheit die Erlösung.

Gott ist nicht da.

Woher wissen Sie das? Weil wir Gott „nicht sehen, riechen, berühren oder hören können“? Wenn wir es könnten, wäre er ein endliches, physisches Objekt, in Wirklichkeit ein Götze, nicht Gott. Die moderne Physik sagt uns, dass es alle Arten von Realitäten gibt, unzugänglich für unsere fünf Sinne (Siehe die Frage der Woche #273: http://www.reasonablefaith.org/higgs-boson-discovered). Sollten wir das nicht glauben? Aber wir haben indirekte Beweise für deren Existenz!, sagen Sie jetzt vielleicht. Genau, und in ähnlicher Weise besitzen wir auch Beweise für die Existenz Gottes.

Gott lehrt Kinder nicht, gut zu sein.

Das ist kein Argument gegen Gottes Existenz, sondern nur ein angeblicher Grund, die eigenen Kinder nicht über Gott zu belehren. Ich stimme zu, dass wir Kindern beibringen sollten, das richtige zu tun, weil es richtig ist. Aber es ist richtig, weil Gott es uns gebietet. Im Gegensatz dazu besitzt der Atheismus keine Grundlage für moralische Verpflichtungen oder Verbote (vgl. den Artikel "Navigating Sam Harris' The Moral Landscape: http://www.reasonablefaith.org/navigating-sam-harris-the-moral-landscape.)
Es ist wunderbar, dass diese Mutter ihren Kindern beibringen will, das richtige zu tun, aber im Naturalismus gibt es kein objektives richtig oder falsch. Wenn ihre Kinder den Betrug schließlich durchschauen, mögen sie trotz ihrer Mutter Relativisten werden. Sie kann nur hoffen, dass sie sie „stolz machen“ und „zu anständigen Menschen werden“, denn wenn sie erst einmal die unbegründeten moralischen Grundsätze ihrer Mutter durchschaut haben, gibt es keinen Grund dafür.

Gott lehrt Narzissmus.

Was für ein Unsinn! Jesus lehrte uns nicht nur, unsere Nachbarn wie uns selbst zu lieben, sondern auch unsere Feinde. Ich fordere jeden heraus, eine psychologische Studie anzuführen, die deutlich macht, dass Kinder aus christlichen Familien narzisstisch sind. Im Gegenteil, eine Reihe von Studien zeigt, dass religiöse Menschen psychologisch ausgeglichener und glücklicher sind als nichtreligiöse Menschen.

Obwohl diese Mutter behauptet, sie würde sich nicht wünschen, dass religiöse Überzeugungen aus dem Privatleben der Menschen verschwinden, drückt ihr Artikel doch im Großen und Ganzen das Gegenteil aus. Sie hat bereits die Freiheit, ihre Kinder zu lehren, was immer sie möchte. Was will sie also noch? Ihr Beitrag soll Leser davon überzeugen, ihre Kinder nicht im Glauben an Gott zu erziehen. Mit anderen Worten, sie versucht den Glauben nicht nur aus dem öffentlichen Bereich zu drängen, sondern auch aus dem privaten. Auf diese Weise ist sie Teil des aggressiven neuen Atheismus.

William Lane Craig

(Übers.: M. Plohmann)

Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/why-we-raised-our-kids-to-believe-in-god


Anmerkungen

[1] J.P. Moreland und W.L. Craig: "Philosophical Foundations for a Christian Worldview", Inter Varsity Press, 2003, ISBN-13: 978-0830826940, 653 Seiten. (Dt. "Philosophische Grundlagen für eine christliche Weltsicht"). Eine Übersetzung ins Deutsche liegt bislang nicht vor. (Anm. d. Übers.)

- William Lane Craig